01/03/13

Simon Denny

Der junge Neuseeländer Simon Denny seziert die Hard- und Software unserer Wahrnehmung.

von red.
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Simon Denny, Deep Sea Vaudeo, Installationsansicht MADE IN GERMANY ZWEI, Hannover, 2012, Sprengel Museum Hannover, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln, Foto: Raimund Zakowskidennyhannover.jpg


Der junge Neuseeländer Simon Denny seziert die Hard- und Software unserer Wahrnehmung.

 

Daten dominieren unser Leben. Eine Selbstverständlichkeit, findet Simon Denny. Weniger selbstverständlich ist, dass es trotzdem nur so wenige Künstler gibt, die sich gezielt mit den Folgen dieser alltäglichen Erfahrung auseinandersetzen. Der in Berlin lebende Neuseeländer ist einer von ihnen – das brachte ihm jüngst die Nominierung für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst ein. Was den 31-Jährigen interessiert, sind die inhaltlichen und ästhetischen Formkräfte des technologischen Fortschritts: Wie verändert sich durch die permanente Weiterentwicklung der Hardware, durch neue Anwendungen oder die beständige Ausdifferenzierung datenbasierter Netzwerke auch die Art und Weise, wie wir Informationen zu bestimmten Themen erhalten? Wie verändert sich die Beschaffenheit von Information selbst? Die Installationen, in denen Denny seine Recherchen zusammenführt, wirken oft wie eine Mischung aus Newsroom, musealem Geräte-Archiv und Verkaufsdisplay. In geradezu wissenschaftlicher Akribie entwerfen sie eine Archäologie der Gegenwart, die um Produktion, Distribution und Konsum von Medien kreist.

 

Wie er dabei vorgeht, zeigt eine Arbeit, die Denny jetzt in der Gruppenschau „Simulcast“ im Palazzo Liestal arrangiert hat. Das weiße Rauschen, das dort aus einem Fernseher dringt, ist beträchtlich. Für wenige Sekunden ist das Bild sogar ganz weg. Noch bis vor kurzem war die Diskussionsrunde „Women’s Week“ des Amateursenders Grassroot aus Aspen überhaupt nicht mehr zu sehen. Während in der Sendung aus dem Jahr 1972 über Vielweiberei gesprochen wird, hat Simon Denny auf dem Boden die technischen Schritte versinnbildlicht, die es braucht, um das analoge Material digital auf einem Flachbildschirm abzuspielen. Aus den Programmen und den anderen Tools sind bedruckte Doppelleinwände geworden, die durch Stangen miteinander verbunden und auf einer Plastikfolie hintereinander wie Dominosteine gestaffelt sind. Die Installation „Video Restoration Infographic Women’s Week“, die ursprünglich für das Aspen Art Museum entstanden ist, stellt das Ergebnis dar und macht aus den technischen Schritten der Rekonstruktion autonome Skulpturen. Zugleich wird die Differenz sichtbar, die in dieser Zeitspanne liegt.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Denny, der an der Frankfurter Städelschule Bildhauerei studierte, den Fernseher als skulpturales Objekt einsetzt. Seine Installation „Deep Sea Vaudeo“, die im Rahmen von „Made in Germany Zwei“ in Hannover zu sehen war, besteht aus einer dichten Reihe von DVD-Playern und TV-Geräten unterschiedlicher Generationen, auf deren Screens das immer gleiche Unterwasservideo zu sehen ist. In ihrer strengen Abfolge vom voluminösen Röhrengerät bis zum superschmalen Flat Screen thematisiert diese Installation nicht nur die materiellen, sondern auch die ideologischen Implikationen des technologischen Fortschritts. Im Kunstverein München ist nun die jüngste Arbeit von Simon Denny zu sehen: Mit „All You Need Is Data“, einer raumfüllenden Rekonstruktion der „Digital Life Design“-Konferenz von 2012, wendet er sich dort zeitgleich zur DLD-Konferenz 2013 dem Versuch einer Geschichtsschreibung der unmittelbaren Zukunft zu.    

 

Simulcast. Kunsthalle Palazzo

Poststr. 2. Liestal.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 10. März 2013.

All You Need Is Data.... Kunstverein München.

Galeriestr. 4, München.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.

Bis 10. März 2013.