01/03/13

Im Vexierbild einer Ausstellung

Mandla Reuter lotst den Betrachter in der Kunsthalle Basel auf Umwege.

von Annette Hoffmann
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reuter1.jpgMandla Reuter, Kunsthalle Basel, 2013, Installationsansicht/ Installation view, Fotos: Gunnar Meier © Kunsthalle Basel, 2013

Mandla Reuter lotst den Betrachter in der Kunsthalle Basel auf Umwege.

Diesen Hinweis sollte man ernst nehmen. Im ersten Raum von Mandla Reuters Ausstellung in der Kunsthalle Basel findet sich ein gerahmter Stich, der einen der Irrgärten im Park von Versailles zeigt. „Fontaines de Ceres representant l’été“ lautet der Titel dieser Allegorie auf den Sommer. Er hängt an einem Platz an der Wand, der durch ein eingeschnittenes Viereck gekennzeichnet ist. Ist es eine Markierung für die Technik, die sich dahinter verbergen mag oder womöglich eine falsche Fährte? Sobald man die Einzelausstellung von Mandla Reuter (*1975) im Erdgeschoss der Kunsthalle Basel betritt, befindet man sich in einem Vexierspiel. Unweigerlich beginnt man zu rätseln, ob jeder Eingriff Teil eines Ganzen, ob alles von gleicher Bedeutung ist. Zumal die Einzelausstellung des in Berlin und Basel lebenden Mandla Reuters ausgesprochen kleinteilig wirkt. Auch wenn der erste Raum mit seinen beiden Getränkeautomaten, die nur sporadisch unter Strom stehen, den blinkenden Neonröhren an der Decke und dem Felsblock am Boden, unter dem eine Tüte liegt, einen geradezu aufgeräumten Eindruck macht.

 

Leitmotiv der Ausstellung ist ein Grundstück in Los Angeles, das sich im Besitz des Künstlers befinden soll. Glaubt man der Blaupause des Katasteramtsauszugs der Stadt Los Angeles, liegt das Grundstück 330 Waldon Place im Südosten der Stadt. Ein abgestempelter Umschlag, an Mandla Reuter adressiert, trägt hingegen den Vermerk „no such street“. Es bleibt offen, ob das ominöse Grundstück in Los Angeles überhaupt existiert. Der Raum jedoch, der die beiden Flügel in der Kunsthalle Basel miteinander verbinden sollte, erweist sich als Sackgasse. Der Besucher steht vor einer blinden Tür. Ein Blick auf den Saaltext und der Anweisung gefolgt: das Gebäude umrundet, bei der Verwaltung geklingelt, die Treppe hinauf und dann gelangt der Besucher durch die Büroräume zum zweiten Teil der Ausstellung. Sozusagen durch die Hintertür. Und hier lässt Mandla Reuter jeden Minimalismus hinter sich. Eine Kette mit bunten Lampions durchzieht den Raum, ein aufgebockter Aufzug der Firma Otis spinnt die Geschichte der rasant in die Höhe wachsenden Städte der USA weiter. Denn erst das Erschließen der Höhe durch diese Technik machte die Hochhäuser zu einer realistischen Option. Eine Reihe von Farbaufnahmen zeigt auf dem Kopf stehende Ansichten von Los Angeles. Biografische Verweise, Objekte, die auf andere Ausstellungen deuten, aber auch mehrere mächtige Doppel-T-Träger, die auf eine Nachbildung des Matterhorns durch Walt Disney anspielen, verorten die Ausstellung zwischen Potemkinschen Dorf und einer opulent inszenierten Erzählung, deren Fäden nur aufgegriffen werden müssen.  

Mandla Reuter. Kunsthalle Basel

Steinenberg 7, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 10. März 2013.

 

 

 




Kunsthalle Basel