20/02/13

Goldene Utopie einer besseren Welt

Der schottische Künstler Nathan Coley stellt im Kunstverein Freiburg den öffentlichen Raum zur Disposition.

von Fiona Hesse
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coleyaplace.jpgNathan Coley, A Place Beyond Belief, 2012, courtesy The Haunch of Venison, London, Foto: Marc Doradzillo

Der schottische Künstler Nathan Coley stellt im Kunstverein Freiburg den öffentlichen Raum zur Disposition.

 Es ist eine kleine Reise um die Welt, die der Betrachter beim Rundgang über die Empore im Kunstverein Freiburg antritt. Wir sehen Menschen in Gruppen, einzeln, als Touristen, als Demonstranten; sie treten ein für Freiheit, Gerechtigkeit, ihren Glauben, und sie nutzen die Bühne der Öffentlichkeit dafür, dies kundzutun. Wir folgen ihnen nach Rio oder London und hören und sehen doch nicht, was sie uns sagen wollen. Denn auf den schwarz-weißen Fotografien sind die Worte und Parolen, manchmal auch die Menschen selbst oder die Monumente mit Blattgold ausgefüllt. Ihre Forderungen werden zur goldenen Utopie einer besseren Welt, die wir auf dem schillernden Grund zu lesen vermeinen und ihnen in den Mund legen.

Die erste Einzelausstellung des schottischen Künstlers Nathan Coley (*1967) in Deutschland ist selbst wie eine Art Bühne aufgebaut – nur betreten die Besucher die Bühne der Kunst von hinten. Sie schlängeln sich durch die gestaffelte, fünfteilige Pappinstallation „Untitled (Cardboard Wall Sculpture)“ (2013), vorbei an den ebenfalls vergoldeten Fotografien von „The Square Of The Three Powers” (2011), bevor sie in das LED-Licht des Herzstücks der Ausstellung treten. Überdimensional sind an der Stirnseite die Worte „A Place Beyond Belief“ (2012) zu lesen. Im Licht der Schrecknisse von 9/11 scheinen diese Zukunftswünsche einer New Yorkerin für ihre Stadt ebenfalls goldene Utopie zu sein – aber man versteht vielleicht jetzt, was die Demonstranten auf ihren Plakaten fordern. Oder soll gar der Kunstverein ein Ort jenseits des Glaubens sein? In seinen Arbeiten spielt Nathan Coley oft mit Doppeldeutigkeiten und vor allem mit den Weltreligionen und ihren Insignien. So, wie ein Thema immer von unendlich vielen Standpunkten aus betrachtet werden kann, sind auch seine Kunstwerke selten nur eindeutig. Seine skulpturalen Installationen kann man umrunden, sie an verschiedenen Orten der Welt immer wieder neu situieren und man kann und soll sie auch nutzen, wie die Menschen in „The Square Of The Three Powers“ ein architektonisches Konstrukt. Initiiert durch die Einladung des Kunstverein Freiburg wurde im November 2012 die Arbeit „Bandstand“ im Freiburger Stadtteil Rieselfeld eröffnet. Sie stellt eine Art Bühne aus Beton dar, aus der ein Apfelbaum erwächst. In ihrer Funktion als Ort, wo soziale, urbane Interaktion durchgeführt werden und eine neue Form kommunikativer Nachbarschaft entstehen kann, ist diese Plattform vielleicht die beste Möglichkeit, auf der Bühne des wahren Lebens aus Utopien farbige Wirklichkeit werden zu lassen.   

 

Nathan Coley

Kunstverein Freiburg

Dreisamstr. 21, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr.

Bis 10. März 2013.

 

 

 




Kunstverein Freiburg