31/08/11

Die Magie in der Bohne finden

Kurator 4: Magie und Poesie als existentielle Struktur. Eine Gruppenschau in Rapperswil.

von Annette Hoffmann
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Kurator 4: Magie und Poesie als existentielle Struktur. Eine Gruppenschau in Rapperswil.


„It’s a kind of magic.” Das sagt sich so schnell. Der Mailänder Künstler Nicola Gobbetto hat eine Arbeit nach dem Queen-Titel benannt und sein zehneckiger Kupferring, der auf dem Boden der Alten Fabrik liegt, greift so ganz unmittelbar auf den Ausstellungstitel „Magical & Poetical Structures. New Existentialism Part 4“ zurück. Es ist die vierte Ausstellung von Alexandra Blättler im Rahmen des Förderprogramms Kurator der Gebert-Stiftung für Kultur. Während sie sich bislang mit dem Performativen, der Historie und der Utopie befasst hat, erkundet sie nun in der Alten Fabrik und dem Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil poetische und magische Strukturen. Beides liegt nicht weit voneinander entfernt. Man muss nicht wie Nicola Gobbetto unbedingt Übersinnliches bemühen, denn wie der mit Kupferpigmenten bemalte Holzring bezieht sich auch seine Wandarbeit „17 ciels“ auf die Esoterik. Mit Kreide hat Gobbetto konzentrische Ringe auf die Wand gezeichnet und darauf mehrere graue und gelbe Kreise platziert und so eine Planetenkonstellation veranschaulicht.

Unerklärlich erscheint auch Robin Watkins Bohnenexperiment. Watkins hat in Vitrinen paarweise eine Reihe von Bohnen ausgebreitet, die er – so legen die Erklärungen an der Wand nahe – über einen Zeitraum von einem knappen Monat in Istanbul gewässert hat. Sobald er nur zwei wässerte, nahm eine das Wasser nicht auf; trocknete Watkins die Bohnen wieder, spaltete sich hin und wieder eine. Ein Vorgang, für den Watkins das Mondlicht verantwortlich macht. Obgleich der in Berlin lebende Künstler die formalen Kriterien von Wissenschaft einhält, bleiben doch Zweifel, welchen Erkenntnisgewinn verspricht das Experiment und welches Ziel verfolgen überhaupt Experimente? Cédric Eisenring und Thomas Julier hingegen machen das Magische und Poetische an der Oberfläche fest. Ihre Videoarbeit „Font màgica de Montjuïc“ zeigt das tägliche Schauspiel am Brunnen Font Màgica, der 1929 anlässlich der Weltausstellung in Barcelona eingeweiht wurde. Eisenring und Julier nehmen nicht allein das Spektakel aus Musik, Wasser, Licht und Farbe in den Fokus, sondern auch die Besucher der Plaça d’Espagna auf der Balustrade. Ihr andächtiges Schauen wird zur Rezeptionshaltung des Betrachters, dem zugleich die bunten Wasserkaskaden wie Farbe auf der Leinwand vorkommen muss. Das Verhältnis von Poesie und Ritus erhellt die Arbeit „Rite of Spring“ von Mona Vatamanu und Florin Tudor. In ihrem Video sind immer wieder Kinder zu sehen, die an den Rändern der Städte den weißen Flaum anzünden, der im Frühjahr von den Pappeln fällt. Das aufflackernde Feuer wandert am Boden entlang bis es abstirbt. Es ist ein Brauch von Roma Kindern, die im Feuer die Erneuerungskraft des Frühlings feiern, einsichtig in seiner Symbolsprache und dennoch archaisch. Es ist das Poetische, das hier die Tradition jedes Jahr erneuert. Ganz ähnlich ereilt einen Alicja Kwades Installation „Teleportation“. Gegenüber einer komplexen Spiegelführung hat sie zwei alte Schreibtischlampen auf den Boden gestellt. Nur ein Kabel befindet sich in der Steckdose. Je nach Perspektive spiegelt sich das Licht der einen auf der anderen. Wenn lediglich der Glühfaden der einen Lampe von der anderen beleuchtet wird, bleibt nicht viel mehr als „It’s a kind of magic“ zu summen und man erkennt das Staunen als Gemeinsamkeit von Magie und Poesie.

Alte Fabrik
Klaus-Gebert-Str. 5, Rapperswil-Jona.

Öffnungszeiten: Freitag 17.00 bis 20 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 25. September 2011.

Kunst(Zeug)Haus
Schönbodenstr. 1, Rapperswil-Jona.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Donnerstag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 25. September 2011.
Kunstzeughaus

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