06/11/09

Mit den Händen denken

Von der Dichotomie von Natur und Kunst. Ein Porträt des Freiburger Bildhauers Günther Holder.

von Sören Schmeling

Von der Dichotomie von Natur und Kunst. Ein Porträt des Freiburger Bildhauers Günther Holder.

Günther Holder
Günther Holder, S O 16, 2008

Günther Holder arbeitet im Wald, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Von seinen zwei Atelierfenstern in der Freiburger Villa Mitscherlich sieht er auf das Grün des Schwarzwaldes, der hier sowohl aus Laub- wie Nadelhölzern besteht. Materialien die dem Bildhauer Holder (*1962) nicht fremd sind. Früher bearbeitete er frisch geschlagenes Holz zu Großskulpturen von meist einfachen stereometrischen Formen. Während der Ausstellung trockneten sie, bekamen Risse und lösten damit sukzessive ihre Ursprungsform auf. Diese vitale Vielseitigkeit hat den Autodidakten, der unter anderem das Handwerk des Cembalobauers erlernte, nachhaltig fasziniert. Nach Versuchen in Stahl und Aluminium kehrte er zum Holz zurück. Aus den großen spröde gewordenen Skulpturen sägte er Segmente aus und überdeckte sie anfangs recht rotzig mit quietschigen Farben. Er begann sich für Malerei zu interessieren und wollte sie ebenfalls von der Wurzel auf verstehen. Getreu den Anfängen der Tafelmalerei arbeitete er mit Öl und Lack auf Holz, entdeckte die feinen Nuancen dieses für ihn neuen, doch so traditionsreichen Trägermediums. Die in vielen Schichten aufgetragenen luziden Lacke und Farben blieben gerade an den meist unbearbeiteten Seitenflächen der Objekte als Material sichtbar ebenso wie der natürlich gewachsene Untergrund. Es ist das „Mit-den-Händen-denken des Bildhauers“, sagt Holder, was ihn weiter praktisch experimentieren lässt und die Spannung seiner Objekte ausmacht, die zugleich optische wie haptische Präsenz besitzen. Opake Lacke verwendet er für seine neueren Objekte, die in seiner derzeitigen Einzelausstellung der Galerie Feurstein in Feldkirch zu sehen sind. Die fein geschliffenen und lackierten Wandskulpturen gleichen der Oberfläche nach fast Kunststoffen oder Blechen und ihre ursprünglichen organischen Strukturen treten zugunsten einer reduzierten, fast an Industriedesign erinnernden Formensprache zurück. Unterschwelliger und daher noch eindrücklicher zeigen diese Arbeiten die stetige Auseinandersetzung Holders mit der Dichotomie von Natur und Kunst.

Günther Holder Galerie Feurstein
Johannitergasse 6, Feldkirch.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 15.00 Uhr.
Bis 21. November 2009.

Günther Holder
DASSOLLKUNSTSEIN vol. 7
Kunstverein Freiburg
Dreisamstr. 21, Freiburg.

Öffnungszeiten: täglich 12.00 bis 18.00 Uhr.
17. bis 22. November 2009.
Galerie Feurstein
Galerie Baumgarten