13/06/10

Athene Galiciadis

Schlafwandeln auf den Spuren der Moderne. Über die Arbeiten der Zürcher Künstlerin Athene Galiciadis.

von Dietrich Roeschmann

Schlafwandeln auf den Spuren der Moderne. Über die Arbeiten der Zürcher Künstlerin Athene Galiciadis.

Athene Galiciadis
Athene Galiciadis, When dogs gather to sing the nights, 2009, courtesy the artist
Athene Galiciadis
Athene Galiciadis, Ich erinnere mich nicht, 2009, courtesy Galerie Claudia Groeflin, Zürich

Mit dem Denken ist das so eine Sache. Natürlich hilft es, die Welt zu begreifen oder Ideen zu entwickeln, wie sie sich noch ein bisschen besser gestalten ließe. Andererseits: Ist ein Gedanke erstmal in der Welt, dann wird er gerne herrschsüchtig. Gibt vor, wie es zu laufen hat. Duldet keinen Widerspruch. Schon ist ein Plan geschmiedet, und alles andere fällt unter den Tisch. Das mag Athene Galiciadis gar nicht. Deshalb vertraut die 32-Jährige gerne auf ihre Träume, wenn sie sich an die Arbeit macht. Alle Sujets ihrer Bilder und Objekte, sagt sie, finde sie nachts im Schlaf. Dass dieser wiederum von Erinnerungsresten des Denkens durchsetzt ist – zum Beispiel über die Formprobleme des Konstruktivismus –, macht ihre Arbeiten zum Schauplatz einer überraschenden, oft wie schlafwandlerisch vorantastenden Auseinandersetzung über das Verhältnis von Form und Inhalt. Den scheinbaren Mangel an Kalkül kompensiert sie dabei durch Körpergedächtnis und Bewegungsroutine. „Wenn ich vor einem Blatt Papier sitze“, sagt sie, „lasse ich mich von der Bewegung meiner Finger leiten, bis hin zu einer Form. So entstehen spontane Einfälle, die sich von jeglicher Idee emanzipiert haben.“ Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn Einfälle lassen sich nicht von Ideen emanzipieren. Es dennoch zu versuchen, liefe auf ein Scheitern hinaus. Aus diesem Dilemma bezieht Galiciadis Kunst ihre eigenwillige Poesie. Ihre Objekte und Installationen aus Betonfertigbauteilen, ihre Grafit- oder Filzstiftzeichnungen und kleinformatigen abstrakten Gemälde deklinieren das Formenvokabular der Moderne durch wie ein Patient, der aus der Narkose aufwacht und versucht, sich an seinen Namen zu erinnern. Welch seltsam schöne Blüten diese Kreativität aus dem Reich zwischen Wach- und Schlafzustand treibt, lässt sich derzeit in einer konzentrierten Soloschau der Zürcherin im Kunsthaus Langenthal erleben.

Athene Galiciadis,
Galerie Claudia Groeflin (Zürich), Liste 15, Basel.

Soloschau im Kunsthaus Langenthal, Marktgasse 13, Langenthal.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 14.00 bis 17.00 Uhr, Freitag bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 11. Juli 2010. Galerie Claudia GroeflinKunsthaus Langenthal