14/06/10

Saskia Edens

In den Performances der Baslerin Saskia Edens ist die Nähe von Vergänglichkeit und Schönheit zu entdecken.

von Annette Hoffmann

In den Performances der Baslerin Saskia Edens ist die Nähe von Vergänglichkeit und Schönheit zu entdecken.

Saskia Edens
Sakia Edens, Breath, Foto: Alejandreo Roquero, courtesy the artist


Viel Fleisch hat so ein Schädel ja nicht. Ein wenig an den Schläfen, an der Nase, den Augen. Der Rest bleibt weiß. Und Saskia Edens Finger sind auch schon an ihrem Hals, immer wieder verreiben sie die schwarze Farbe auf ihrer Haut, überall dort, wo sich die Knochen befinden. Ihre Finger fahren über den Brustkorb und lassen schwarze Streifen zurück. „Make-up“ hat die Basler Künstlerin das 2008 entstandene Video genannt. Und wirklich ist die Schminke Camouflage und Enthüllung zugleich, insofern Edens die Struktur des Skelettes auf ihren Körper malt und sie das zeitlebens unsichtbar bleibende Knochengerüst an die Oberfläche holt. Eine makabre Erkenntnis, gewiss, und doch gewinnt Saskia Edens (*1975) ihr unmittelbar die Darstellung von Lebensfreude ab. Zu Daniel Buess’ klopfender und stampfender Soundcollage lässt sie die Glieder in einem grotesken Totentanz zucken. Um Vergänglichkeit geht es überhaupt häufig in den Arbeiten der aus Genf stammenden Performerin, die dort auch studierte. Daher verwundert es vielleicht nicht, dass viele ihrer Performances sich mit dem Video vertragen. Wenn etwa in „Portrait de femme“ allmählich der preziöse Eisschmuck der porträtierten Dame im Laufe des 42-minütigen Videos schmilzt bis am Ende eine Wasserlache auf dem Tisch verbleibt, trifft Zeitkunst auf Zeitkunst. Im Performancewettbewerb des Kunstkredits zeigte sie im letzten Herbst im Kunsthaus Baselland mit „À contre courant“ eine Arbeit, die daran anknüpfte und doch um einiges physischer war. Mit Schmuck aus gefärbtem Eis bestieg sie ein Laufband, das immer schneller wurde, sie körperlich erschöpfte, während das Eis schmolz und auf ihrer weißen Kleidung bunte Flecken hinterließ. In ihrer Performance „Breath“ hingegen, die in Estland entstand, schmückt sie sich mit Ohr- und Haarschmuck aus Eis und hält sich eine Platte aus diesem Material unmittelbar vor das Gesicht, so dass ihre leuchtend rot geschminkten Lippen hindurchscheinen. Ihr Atem trifft auf die klirrende Kälte des Eises. Bis es bricht.

Saskia Edens
Performance am 17. Juni 2010, 18.00 Uhr im Rahmen des Performanceprojekts der Liste 15, Basel (kuratiert von Silke Bitzer). Saskia Edens