14/06/10

Carolin Jörg

Im freien Fall geht eine leichte Brise durch die Zeichnungen der Stuttgarterin Carolin Jörg.

von Annette Hoffmann

Im freien Fall geht eine leichte Brise durch die Zeichnungen der Stuttgarterin Carolin Jörg.

Carolin Jörg
Carolin Jörg, Nach mir die Sintflut, 2006, courtesy Galerie Michael Sturm

Fast glaubt man, Carolin Jörgs Wandzeichnungen bräuchten nicht die Nadeln. Zu gerne würde man sich vorstellen, dass die 1977 in Offenburg geborene Künstlerin ihre Fäden wie Netze auswirft und darin verfangen sich keine Fische, sondern Szenen von Menschen im freien Fall, aus der Modewelt oder von Baustellen. Carolin Jörg, die an der Hochschule der Bildenden Künste Saar und in Stuttgart studierte, zeichnet mit dem Faden. Nicht etwa wie Fred Sandback, der in seinen minimalistischen Zeichnungen immer auch gleich einen Raum entwarf, sondern klassischer, da figürlich. Carolin Jörg spannt den Faden zu Szenerien, die wie etwa im Kunstverein Friedrichshafen 2009 ganze Wände einnehmen können so wie sie ihre kleinformatigen Zeichnungen und Aquarelle als Installationen an die Wand pinnt.

Carolin Jörg
Ausstellungsansicht in der Galerie Michael Sturm

Die Linie ist akkurat geführt, weil sie den kürzesten Weg zwischen zwei kleinen Nägeln bemisst. Wären da nicht die überschüssigen losen Enden, man würde nicht sofort erkennen, dass es Fadenzeichnungen sind. Zugleich sind es aber diese herunterhängenden Fäden, die den einzelnen Figuren, mehr aber noch den Szenen, eine Flüchtigkeit verleihen, die man auch mit Dynamik verwechseln kann. Oft heißen Ausstellungen der Stuttgarter Künstlerin „Im freien Fall“ oder „Leichte Brise“, es sind Titel, die das Fragile und Filigrane ihrer Arbeiten betonen. Sie lassen sich aber auch als Andeutung von Veränderung lesen.

Carolin Jörg Galerie Michael Sturm (Stuttgart), The Solo Project 2010, St. Jakobshalle Basel. Galerie Michael Sturm