15/06/10

Clare Kenny

Die in Basel lebende Künstlerin Clare Kenny tauscht munter die Rollen von Material und Bildbedeutungen.

von Dietrich Roeschmann

Die in Basel lebende Künstlerin Clare Kenny tauscht munter die Rollen von Material und Bildbedeutungen.

Clare Kenny
Ausstellungsansicht von F# mit Arbeiten von Clare Kenny im Ausstellungsraum Klingental, Foto: AK


Als sich kürzlich im Basler Ausstellungsraum Klingental sechs Künstlerinnen und Künstler zusammentaten, um in einer gut gelaunten Schau den dreckigsten Gitarrenakkord der Welt zu feiern (F#!!), war Clare Kenny mit von der Partie. In einer Ecke des Raumes hatte die in Basel lebende Britin einen monumentalen Fotoprint in großen Wellen von der Wand zu Boden sacken lassen. Zu erkennen war darauf nichts als grauer Nebel, durchsetzt mit staubkorngroßen weißen Punkten, die sich in dichten Schwaden auf der Oberfläche verteilten. Ein leeres Bildrauschen, entstanden aus einem technischen Defekt, das die 34-Jährige zu einer Art Wasserfall arrangiert hatte und aus dem nun unvermutet eine Reihe seltsamer Objekte auftauchte: violette Kegel, in Streifen geschnittene Spiegel, blumentopfartige Gefäße, aus denen schwarzer Schlamm wucherte, ein Ball in Neon-Rot auf blauem Sockel und knallbunte Glasobjekte, die wie überdimensionale Drops an der Wand prangten. Es war fast so, als hätten sich hier plötzlich alle Farben in aberwitzigen Kostümen materialisiert, nachdem ein unglücklicher Laborunfall sie von der Fotografie gespült hatte.

Kein Zufall, denn eine Fotografie ist für Kenny weder zuerst ein Abbild noch spricht für die in Manchester geborene Künstlerin etwas dagegen, sie von der Wand in ein raumgreifendes Objekt mutieren zu lassen. Schon seit längerem arbeitet sie an der Zerlegung des fotografischen Bildes in seine semantischen und materiellen Bestandteile, um diese anschließend zu neuen Versuchsanordnungen zusammenzusetzen. So sortiert sie Schnappschüsse und fehlerhafte Prints unter Glas mit Gipsobjekten auf Papier- und Furnierbögen zu Bodeninstallationen, die wie Schreibtischstillleben eines Profilers wirken. Sie perforiert, faltet, locht und knickt, stellt ihre Fotografien aufgerollt in den Raum oder spinnt Motive mit Wollgarn weiter. Im munteren Rollentausch zwischen Material- und Bildbedeutung lotet Kenny so die Möglichkeiten einer überraschenden Neuinterpretationen des Abbilds aus.

Clare Kenny
Galerie Gisèle Linder (Basel), Art Basel, und Swiss Art Awards, Messe Basel, Halle 3.
Galerie Gisèle Linder