16/06/10

Alois Godinat

Vive la distinction! Die Eleganz der minimalen Geste des Lausanner Künstlers Alois Godinat.

von Dietrich Roeschmann

Vive la distinction! Die Eleganz der minimalen Geste des Lausanner Künstlers Alois Godinat.

Alois Godinat
Alois Godinat, o.T., 2009, courtesy Francesca Pia


Am besten nicht weiter auffallen und so tun, als wäre alles nur ein Zufall. Das Messingprofil etwa, das da an der Kellermauer lehnt, wie frisch vom Baumarkt, einfach stehen gelassen. Oder die auseinander gefalteten Kartons auf dem Boden. Die Plakatfetzen an der Wand oder das weiße Passepartout aus dem Familienfotorahmen. Alles schreit hier: Weniger ist mehr! Und tatsächlich folgt diesem Credo derzeit kaum jemand so konsequent wie der junge Lausanner Künstler Alois Godinat. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Arbeiten des 32-Jährigen überhaupt als solche wahrzunehmen, und Godinat setzt alles daran, dass wir genau das registrieren: diesen Drift zum superflüchtigen Nichts, von dem gerade noch die angeschliffene Innenseite eines Messingsprofils kündet oder die Mundpartie der großen Manon auf dem abgerissenen Plakat, das in delikaten Fetzen auf Pressspanplatte klebt.

Das Ergebnis dieser Verausgabung in der Reduktion, mit der sich Godinat auf die Suche nach den minimalsten Möglichkeiten des künstlerischen Eingriffs macht, sind oft wunderbar elegante Objekte und Papierarbeiten, die mit ihrem coolen Understatement ganz nebenbei die Frage provozieren, was es eigentlich ist, das an ihnen so frisch und cutting-edge-mäßig wirkt. Die Poesie der Beschränkung? Die extrem verfeinerte Virtuosität der Mikromanipulation? Die unübersehbare Präsenz der Zurückhaltung?

Einen guten Anlass, das herauszufinden, bietet sein Auftritt an der Art Unlimited. Während der Eröffnung wird der junge Lausanner mehrere Wände in der Messehalle 1.0 mit Plakaten wichtiger Austellungen der jüngsten Zeit tapezieren, um sie kurz darauf wieder abzureißen. Was von diesen „Déchirures“ übrig bleiben wird, sind die Rückstände kultureller Information, die sich sowohl als beiläufige Spuren eines performativen Aktes entziffern lassen, als ephemere Punk-Geste in Kommunikationsguerilla-Manier oder als ein attraktiv verschlüsseltes Spiel mit künstlerischen Referenzen.

Alois Godinat
Galerie Francesca Pia (Zürich), Art Unlimited, Art Basel. Francesca Pia