13/06/11

Die Maschine als Spiegel des Menschen

Der Schweizer Künstler Luc Mattenberger erkundet in seinen Arbeiten die Maschine als Alter Ego des Menschen.

von Sören Schmeling

Der Schweizer Künstler Luc Mattenberger erkundet in seinen Arbeiten die Maschine als Alter Ego des Menschen.

Luc Mattenberger
Luc Mattenberger, Booby Trap, 2010, courtesy the artist & Galerie Mario Mauroner, Köln


Luc Mattenberger (*1980) fährt ein altes Motorrad der ostdeutschen Marke MZ. Ein Jahr vor seinem Abschluss 2006 an der Ecole supérieure des beaux-arts in Genf brach er mit seiner Maschine in den Nahen Osten auf und erreichte Beirut zur Zeit des Bomben-Attentates auf Ex-Premier Hariri. Eine Reise, die Mattenberger als wegweisend für seine künstlerische Entwicklung bezeichnet. Besonders fielen ihm die LKWs, Autos und Maschinen auf, die oft unverkleidet, mehrfach geflickt und repariert, sorgsam in Schuss gehalten wurden. Als Existenzgrundlage der Familien schienen ihre Besitzer eine persönliche Beziehung zu ihnen einzugehen. Mattenberger begriff fortan die „Maschine als einen Spiegel der Menschen“.

Die Dichotomie von Hilfsmittel und selbstzerstörerische Waffe, von Faszination und Schrecken beschäftigt ihn seither in seinen Kunstmaschinen. Auf seiner Homepage findet sich die Fotografie eines Schweizer Schneeräumpanzers, der mit seiner riesigen gelben Schneewalze Platz schafft für nachrollendes Kriegsgerät. Ähnlich ambivalent funktioniert auch Mattenbergers „Canditate“ von 2009: Ein zum Wasserfahrzeug umgebautes Motorrad mit Schaufelrad und Schwimmtanks, die vom Kampfjet Mirage 3 stammen oder das bemannte Kamikaze-Torpedo „Booby Trap“ von 2010 mit Tanks vom F 5 Fighter. Für jenes Vehikel mit einem Jetski-Motor stand Kubricks Film „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ Pate. Mattenberger wird es während der Art’42 Basel bei einem Happening auf dem Rhein einsetzen. Seine Maschinen sind aber nicht nur verballhornte Waffen, sie können auch Räume mit Gerüchen von Frittenfett, Grillhähnchen, Zucchini oder Tränengas füllen oder mit dem sanftlauten Schall einer Sirene. Und dann gibt es noch die Notfall-Devotionalien, wie „Ex-voto“ von 2009: Zum Gebet erhobene schwarze Latex-Handschuhe in einem einsehbaren, beleuchteten Erste-Hilfe-Kasten. Ein Objekt, das zwischen BDSM und Heilserwartung changiert. Neben dieser Arbeit wird er bei The Solo Project in Basel auch ein Kreuz aus schwarz überzogenen Rettungsbojen zeigen.

Luc Mattenberger bei Mario Mauroner (Köln), The Solo Project, Basel, und an den Swiss Art Awards 2011, Messe Basel, Halle 3.2