11/06/12

Doppelte Eintracht und doch keine Harmonie

Auf der vergeblichen Suche nach dem Augenblick. Über den Schweizer Künstler Patrick Hari.

von Leon Hösl
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Auf der vergeblichen Suche nach dem Augenblick. Über den Schweizer Künstler Patrick Hari.Patrick Hari

Zwei Mädchen in weißen Kleidern, zwischen ihnen ein Wohnhaus in Miniaturgröße, ihr Blick strahlt vor Freude über das vermutlich soeben erhaltene Geschenk. Patrick Hari (*1977) hat diese gefundene Fotografie vergrößert und in einen länglichen Kubus aus schwarzem Bitumen gegossen. „Harmonia & Concordia“ hat er diese Arbeit genannt, die mit dem Moment der Verdoppelung spielt. Nicht allein im Titel, der die römische Göttin der Eintracht und ihre griechische Entsprechung nennt, auch in der Fotografie, auf der das Gesicht des einen Mädchens dupliziert und über das des anderen kopiert wurde. Und es ist schließlich auch in der gesamten Installation enthalten. In dem Versuch der Fotografie, einen Moment festhalten zu wollen, was hier im Eingießen der Fotografie gespiegelt wird und auf schöne Weise dessen Vergeblichkeit bebildert. Doch die Konstruktion wird nicht lange halten, das zähe Bitumen wird schon bald nachgeben und die Fotografie aus ihrer Fixierung lösen.

Patrick Hari nimmt subtile Eingriffe in die Form und die physikalische Beschaffenheit von Materialien und deren Rekombination vor und zeichnet so medientheoretische, gesellschaftliche sowie kunstinstitutionelle Diskurse assoziativ nach. Die Installationen wirken wie absurde experimentelle Anordnung und finden in so genannten Aktionsräumen statt, in denen oft intensiv und häufig spektakulär Materialien eingesetzt werden. Wer sich auf Haris mehrdeutige, hintergründige Arbeiten einlässt, wird durch ihre große Komplexität und neue Sichtweisen reich belohnt.