11/06/12

Thanks for being my artwork!

In den Arbeiten der Zürcherin Nicole Schmid wird der Zufall zum Gehilfen der Kunst.

von Annette Hoffmann

In den Arbeiten der Zürcherin Nicole Schmid wird der Zufall zum Gehilfen der Kunst.

Nicole Schmid
Nicole Schmid, Bühne, 2009, courtesy the artist

Kunst, da ist sich Nicole Schmid (*1975) sicher, muss man nicht immer wollen, sie entsteht manchmal einfach von selbst. So wie die „Taschenzeichnungen“ in ihrer Handtasche. Bleistift und Papier fanden im Dunkel der Tasche zueinander und das Ergebnis wurde von der jungen Schweizer Künstlerin für gut befunden. Die Schraffuren und seltsamen Linien nahm Nicole Schmid zum Anlass, eine ganze Serie zu initiieren. Überhaupt interessiert sich Schmid für den Zufall und das, was passiert, wenn man ihm eine Möglichkeit gibt. „Thanks for being my artwork!“ hieß ihre Installation bei Lichtfeld 11, die aus einer herkömmlichen schwarzen Messebox bestand, vor der ein Aufseher den Zugang reglementierte.

Nicole Schmid
Nicole Schmid, Bühne, 2009, courtesy the artist

Der Dank aber galt den Wartenden, die sich davor in eine Schlange reihten und das eigentliche Kunstwerk bildeten. Bei ihrem Gastsemester in Dresden entdeckte Schmid, die mittlerweile an der Zürcher Hochschule der Künste studiert, Balkone der Plattenbauten als temporäre Bühnen. Auf ihnen, so zeigen ihre Fotografien, fanden wechselnde Schauspiele statt. Die Charaktere: Stühle und Jacken zum Trocknen über die Brüstung gehängt. Nicole Schmids Material ist der Alltag und seine Objekte, die sie Wandlungen unterzieht bis sie nicht mehr ihren Zweck erfüllen. Etwa die Schachtel, deren Räder vom Boden nach Innen gewandert sind oder die Gehhilfe, die sie aus Silikon nachgeformt hat und nun ein eher schwächlicher Gehilfe geworden ist. Was einmal stabil war, wird instabil, was konstruiert war, wird dekonstruiert. Nicole Schmid gibt der Veränderung ein sichtbares Zeichen.