11/06/12

Artefakte zwischen Kunst und Natur

Von blühenden Mauern und anderen Hybriden im Werk der Berliner Künstlerin Gitte Schäfer.

von Stefanie Schweizer
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Von blühenden Mauern und anderen Hybriden im Werk der Berliner Künstlerin Gitte Schäfer.Gitte Schäfer

Botaniker kommen auf Kunstmessen eher selten auf ihre Kosten. Zwar mühen sich manche Galeristen mit floralem Kojenschmuck, doch die „Blumenmauer“ von Gitte Schäfer (*1972) ist dann doch ein bisschen anders. Unzählige Blumentöpfe, die die Künstlerin auf Flohmärkten und im Internet erstanden und durch selbst getöpferte Gefäße ergänzt hat, hängen vor einer Wand aus alten Spiegeln, die das Ganze vervielfachen. Mit Hilfe eines Spezialisten für heimische Pflanzen wird ihre Wandarbeit auf der diesjährigen Art jeden Tag neu erblühen. Die in Berlin lebende und in Stuttgart geborene Gitte Schäfer interessiert sich für solche Artefakte zwischen Kunst und Natur, die den Betrachter sofort in eine andere Welt hineinziehen. Ethnologische Displays scheinen durch wie auch ihr Interesse an Mythologie.

Wenn Gitte Schäfer Muscheln auf blauem Grund mit Metallteilen, Federn und Perlmutt zu einer dekorativen Blume arrangiert, knüpft die Künstlerin gleichermaßen beim Manierismus und beim Surrealismus an. Selbst Marcel Duchamps Begriff des Readymades geistert durch ihre hybriden Werke. Und auch eine gute Portion Humor, wenn sie mit aller Ernsthaftigkeit eine Stahlstange mit Jagdtrophäen versieht oder aus Bierseideln prekäre Türme baut. Das streift ironisch die Volkskunst und das Kunsthandwerk und weiß doch, dass ein Geheimnis in den Dingen schläft, das nicht leicht aufzudecken ist.

Von Annette Hoffmann & Stefanie Schweizer