12/06/12

Bruch mit der Vergangenheit

Bei genauem Hinsehen Irritation. Über die Karlsruher Künstlerin Helen Feifel.

von Annette Hoffmann
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Bei genauem Hinsehen Irritation. Über die Karlsruher Künstlerin Helen Feifel.Helen Feifel

Man kann sich die Karlsruherin Helen Feifel (*1983) eigentlich nur als passionierte Flohmarktbesucherin vorstellen. Ihr Verbrauch von Geschirr ist enorm. Die Künstlerin, die ihr Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschülerin von Daniel Roth abschloss, lässt aus altem Porzellan, Gläsern, Tellern und Tassen sowie viel Klebstoff neue Objekte entstehen. Genauer: aus deren Scherben. Da wachsen mancher Keramikplastik geradezu kristalline Strukturen, während bei anderen Objekten sichtlich das blau-weiße Zwiebelmuster oder das China-Design dominiert.

Ähnlich additiv scheinen auch ihre feinen, kleinteiligen Zeichnungen zu entstehen. Feifels Gebilde sind dem Betrachter auf den ersten Blick vertraut, bei genauerem Hinsehen aber beginnt die Irritation. Nicht ohne Grund: Die Künstlerin, die 2011 mit dem GVS-Förderpreis ausgezeichnet wurde, bringt die Objekte um ihre Funktion, auch wenn sie immer noch die Form von Gebrauchsgegenständen wie Vasen oder Dosen behaupten. Die einzelnen Scherben stehen sperrig ab, manchmal geht das Kitten zu Lasten der Stabilität, immer jedoch werden ihre Skulpturen für den alltäglichen Nutzen unbrauchbar. Der Bruch mit der Geschichte der Objekte wirkt ein bisschen wie eine Collage mit 3-D-Effekt und macht aus Objekten der Präsentation solche der Repräsentation.

Annette Hoffmann & Stefanie Schweizer