13/06/12

Poetische Zeichensysteme

Der Schweizer Reto Pulfer entwirft Environments, in denen die Kunst sich entfalten kann.

von Leon Hösl

Der Schweizer Reto Pulfer entwirft Environments, in denen die Kunst sich entfalten kann.


Reto Pulfer
Reto Pulfer, Ausdrucksmoment im blauen Zimmer, 2009-2011, courtesy the artist & Balice Hertling, Paris


Die Kunst von Reto Pulfer (*1981) hält sich nicht an gängige Formate. Am ehesten erinnern noch die dick mit Kleiderteilen umwickelten Holzrahmen an herkömmliche Keilrahmenbilder. Aber die farbigen, frei hängenden Textilbahnen, die mit Wänden oder Decke verspannt einen Raum bilden? Es sind Zelte, die eine halb geschlossene, halb offene Umgebung schaffen, Environments, innerhalb derer die Kunst die Möglichkeit hat, ihren eigenen Kosmos zu entfalten. Zu Grunde liegen den Arbeiten des gebürtigen Berners, der mittlerweile in Berlin lebt, assoziative Geschichten, wie sie auch in der Mnemonik, der Gedächtniskunst verwendet werden. Diese materialisieren sich in bemalten und gefärbten Stoffbahnen und verschiedensten Objekten, die meist auf flexiblen, einfachen Präsentationselementen liegen. Wie aus einer abstrakten Erzählung eine gegenständliche Form wird, ist kein strikt festgelegter Prozess, sondern geschieht spielerisch. Das Verhältnis von Arbeit, Künstler und Betrachter wird in Reto Pulfers Performances, die direkt in den Installationen stattfinden, ausgelotet. Man kann sich mit der Kunst des Autodidakten Pulfer wie mit einer fremden Sprache auseinander setzen. Denn die Arbeiten haben durch ihre unterschiedlich kombinierbaren Elemente, dem eigenen Vokabular der Titel und in den assoziativen Bedeutungszuweisungen von Gegenständen viel mit Zeichensystemen, Sprache und gestischer Kommunikation zu tun.