28/08/20

Community statt Vernissage

Die Swiss Art Awards fördern dieses Jahr in der Fläche und wandern ins Netz ab

von Annette Hoffmann

biedlingmaier.jpegLisa Biedlingmaier, HING HETZ, 2020 (m.), Installationsansicht im Helmhaus, Zürich, Foto: Lisa Biedlingmaier

Die Verleihung der Swiss Art Awards ist immer mehr gewesen als ein Termin für jene, die nicht bei einer Art-Basel-Party untergekommen sind. Vielversprechende Ansätze in dieser Fülle sieht man nicht eben täglich. Zeit und Ort sind strategisch nah am Messegelände gewählt, so dass die Vernissage jedes Jahr eine Zusammenkunft von Menschen ist, die man vielleicht lediglich einmal im Jahr trifft – und ganz bestimmt immer dort – und deren Arbeit man interessiert verfolgt. Dieses Jahr dominiert die Distanz. Gut möglich auch, dass sich 2020 als eine Zäsur erweist. Denn trotz aller Beteuerungen ist offen, wohin sich der Messestandort Basel entwickelt.

Dass das Schweizerische Bundesamt sich nicht nur entschieden hat, die Ausstellung wegen der Pandemie ausfallen zu lassen, sondern das Preisgeld unter allen zu verteilen, die in die zweite Runde gekommen sind, spricht für eine gewisse Verantwortung für das Publikum, aber auch für die Kunstschaffenden. Wenn Künstlerinnen und Künstler mit gecancelten oder verschobenen Ausstellungen zu kämpfen haben und Jobs wegfallen, ergibt es keinen Sinn, Einzelne zu unterstützen. Zumal in die zweite Runde grundsätzlich preiswürdige Positionen kommen. Auf das Format der Swiss Art Awards wollte das Bundesamt für Kultur dennoch nicht verzichten. Die Ausstellung steht für Transparenz, ein Offenlegen, was die Schweizer Kunstszene umtreibt und was die Jury für förderungswürdig hält. Wie andere Formate, so gehen auch die Swiss Art Awards dieses Jahr ins Netz. Die Seite erinnert ein bisschen an einen Adventskalender mit noch vielen verschlossenen Fenstern. Bis Oktober werden die 55 Kunstschaffenden, Kritikerinnen und Kritiker, Kuratorinnen und Kuratoren sowie Architektinnen und Architekten sich die Homepage aneignen und es als ihr Schaufenster nutzen. Bislang geben Fotos Einblick in die künstlerische Praxis und Links verweisen auf die jeweilige Homepage mit weiterführenden Hinweisen zu Werk und Lebenslauf. Unter einem Dach wird größte denkbare Vielfalt Platz finden.

Vielleicht entsteht durch diese Rahmung eine Community. Doch trotz der Nutzung von Kanälen wie Instagram zeigt sich einmal mehr in dieser Krise die Bedeutung des Originals und der direkten Begegnung. Als Rechercheinstrument und umfangreicher Ausstellungskalender wird die Plattform gute Dienste leisten. Für Ende August ist erst einmal ein entspanntes Grillieren der Finalistinnen und Finalisten mit der Jury in Biel geplant. Wir anderen werden dann im nächsten Jahr zu Beginn der Messe-Woche einiges zu bereden haben. Hoffentlich.      

 

Swiss Art Awards

Instagram @swissartawards