05/07/20

Landpartie - Teil 2

Nach viel zu viel Zeit zuhause wagt sich jetzt auch die Kunst wieder nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Hier stellen wir Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor.

von red.

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Corina Rüegg, GRID, 2014/20, Installationsansicht Helvetiaplatz, © Corina Rüegg, Courtesy of visarte.zürich & Stadt Zürich, KiöR

Gasträume 2020
Zürich

Abstandhalten unerwünscht. Als die Gasträume vor zehn Jahren in Zürich antraten, in den Sommermonaten die Innenstadt mit Skulpturen zu besetzen, ging es der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum um die unmittelbare Berührung durch Kunst. In diesem Sommer könnte diese wertvoller sein denn je. Während man den Mitmenschen in Zeiten von Social Distancing ausweicht, braucht es gegenüber der Kunst keine derartigen Berührungsängste. Zum achten Mal wird 2020 diese öffentliche Kunstschau realisiert. Über die Jahre haben sich die Orte verdoppelt. Jeder Platz, der etwas auf sich hält, hat einen Paten aus dem Kunstbetrieb, sei es ein Museum, eine Galerie, ein Off-Space oder eine Hochschule, die sich mit einer Arbeit beworben hat. Tatsächlich hat sich die Arbeitsgruppe bemüht, möglichst unterschiedliche Aufstellungsorte in Zürich auszumachen. Von historischen Plätzen bis hin zu belebten Kreuzungen oder Peripherien, in der sich Kunst behaupten muss. Und warum nicht die verschiedenen Standorte in einen ausgiebigen Stadtspaziergang einbinden und so tun als sei man fremd. Das Spektrum an Werken  ist jedenfalls breit und reicht von Malerei zu Skulptur und Installation.

Viel Aufmerksamkeit wird sicherlich Ugo Rondinones Arbeit „Snow Moon“ bekommen. Die weiß gehaltene Skulptur eines alten Olivenbaums steht zentral auf dem Paradeplatz. Für manches Stirnrunzeln dürfte Michael Sailstorfers Zahn „16“ sorgen, der überdimensioniert und strahlend weiß auf dem Basteiplatz an die Hinfälligkeit des eigenen Gebisses oder doch zumindest an den nächsten Zahnarztbesuch erinnern dürfte. Corina Rüeggs 3D-Raster „Grid“ sollte einen Abendspaziergang lohnen, denn dann erst wird nichts mehr vom Raster ablenken, das auf den Helvetiaplatz projiziert wird. Wer sich in das Feld begibt, wird unmittelbar Teil dieser illusionistischen Installation. Zu einem heiteren Zeitvertreib laden Fiona Könz und Gregor Vogel, die mit ihren „Connecting Dots“ mehrere Plakatständer am Lindenhof bespielen und zu einem Zeichnen nach Zahlen einladen, einfach, indem man die Punkte in einer Linie miteinander verbindet. Dabei gilt natürlich: Abstand einhalten.

27. Juni bis 20. September 2020.
Gasträume 2020


Farbklang
Schloss Pratteln

Nachdem kürzere Videos von Nicole Schmölzer erstmals in New York und New Mexico zu sehen waren, ist es nur konsequent, dass sie jetzt auch an ihrem Wohnort Pratteln erlebt werden können. Die Schweizer Malerin hat sich mit dem Musiker und Komponisten Bernhard Dittmann zu dem Projekt „Farbklang“ zusammengetan. Die musikalisch-visuelle Komposition ist in acht vierzigminütigen Teilen über zweieinhalb Wochen zu erleben. Die Videos werden auf die Fassade des spätmittelalterlichen Schloss Pratteln projiziert, aber auch in den Innenraum. Die Klanginstallation wird synchron über Kopfhörer eingespielt. Das historische Wahrzeichen von Pratteln wird, laut den beiden Künstlern, zu einer Schnittstelle zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen alt und neu.

Schloss Pratteln.
9. bis 27. Oktober 2020.
Farbklang


Andrea Wolfensberger
Kloster Schönthal

Ob Andrea Wolfensberger Synästhetikerin ist, ist nicht bekannt. Doch mit einem naiven Ohr dürfte sie nicht durch die Welt gehen. Die 1961 in Zürich geborene Wolfensberger, die in ihrer Geburtsstadt und in Waldenburg lebt, arbeitet nicht mit jeder Tonspur. Sie muss das Potential zu Wellen und Faltungen haben. „Waves, folds and sounds“ heißt nun ihre Einzelschau im Kloster Schönthal, das nur unweit von ihrem Wohnort Waldenburg liegt. Einige ihrer Tonaufnahmen dürfte man auch in der unmittelbaren Umgebung des Klosters und im angrenzenden Skulpturenpark im Original hören. Es sind Vogelstimmern, unter anderem vom Waldkäuzchen und dem Uhu. Wenn diese Töne Skulptur geworden sind, haben sie mehrere Metamorphosen durchlaufen. „Beziehungsweisen“ heißt eine Gruppe neuerer Arbeiten. Der Titel beschreibt sinnbildlich, dass Ursprungsmaterial und Kunstwerk miteinander in Beziehung stehen, aber doch nicht miteinander identisch sind und es wieder neue Referenzen braucht, um zu beschreiben, was vor uns steht: Gischt, die an die Küste brandet oder eine Gebirgsformation…

Kloster Schönthal
Klosterkirche, Langenbruck.
Bis 8. November 2020.
Kloster Schönthal


Biennale Bregaglia
Nossa Dona/Lan Müraia

Hier kann man die Wanderschuhe gleich anlassen. Tatsächlich dürfte es nicht die schlechteste Annäherung sein, sich dem Ensemble um die Kirche Nossa Dona, die auf einem Hügel liegt und der Talsperre Lan Müraia zu Fuß zu nähern. Hier verlief im Mittelalter die Grenze zwischen den Bistümern Chur und Como und auch wenn die Kirche ein Neubau ist, das Gebäude verfiel während der Reformation, so wurde es doch im 10. Jahrhundert das erste Mal erwähnt. Und auch die Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Da Grenzen auch überwunden werden können, sind an dieser ersten Biennale Bregaglia Schweizer Kunstschaffende der vier Sprachräume vertreten. So haben sich unter anderem Selina Baumann, Zilla Leutenegger, Not Vital und Alex Dorici mit dem Turm, der Kirche und dem anliegenden Sommerhaus auseinander gesetzt. Nach der zehnjährigen Tätigkeit des Vereins Progetti d’Arte und des Churer Galeristen Luciano Fasciati gibt es mit der Biennale nun ein neues Ausstellungsformat. Kunst mit Aussicht kann also weitergehen.

Val Bregaglia.
Täglich 9.00 bis 20.00 Uhr.
5. Juli bis 27. September 2020.
Biennale Bregaglia