22/05/20

Richard Schindler

Der Freiburger Künstler im Interview über Wahrnehmungsbilder der Corona-Pandemie

von red.

coronarschindler1.jpg

coronaschindler3.jpg

coronaschindler2.jpgFotos: Richard Schindler, 2020

[22. Mai 2020]

Petra Bach: Guten Tag, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer. Ich bin erfreut, heute ein Interview-Gespräch mit dem Künstler Richard Schindler aus Freiburg zur Corona-Ausnahmesituation zu führen und danke dem Sender der Piraten Fern-Universität Guck-Guck in Todtnau Berg im Schwarzwald für die Gelegenheit dazu. Ich bin Kunstkritikerin und Lehrbeauftragte für zeitgenössische Kunst und Kunstkritik an der hiesigen Universität of Applied Sciences.

Guten Tag Herr Schindler. Schön, dass Sie diesem Interview via Internet zugestimmt haben. Bevor wir beginnen, möchte ich Sie bitten, sich selbst vorzustellen. Mir scheint es nämlich eine Unsitte, unseren Zuhörerinnen und Zuhören Interviewpartner dadurch vorzustellen, dass man diesen vorliest, was sie alles getan und wofür sie verantwortlich sind. (lacht)

Richard Schindler: Da haben Sie sehr recht, Frau Bach. Tatsächlich berührt es unangenehm, wenn mir, wie im Gerichtssaal, Taten vorgehalten werden – auch wenn es erfolgreiche sind.

Ich lebe in Freiburg im Breisgau und bin bildender Künstler. Das heißt, ich bin bemüht, Wahrnehmungs-Gelegenheiten zu evozieren – für mich und andere – in Bezug zu den mir wichtig scheinenden Umständen.

Wollen sie uns verraten welche das sind? (scherzhaft)

Das sind vor allem Dingpraktiken und Dingbilder des Alltags. Das Selbtverständnis ganzer Gesellschaften, aber auch kleinerer oder größerer sozialer Gruppen, orientiert und reguliert das Zusammenleben an gemeinschaftlich geteilten Werten, wie sie explizit in Gesetzestexten, Verfassungen, aber auch in Unternehmensphilosophien oder anderen diskursiven Medien formuliert sind. Daneben und zugleich artikulieren sich Werte jedoch auch im sozialen Handeln und im ganz alltäglichen Umgang mit natürlichen Dingen oder Artefakten. Mein künstlerisches Forschungsinteresse gilt der Erscheinung solcher Dingpraktiken, ihrer bildnerischen Funktion und verändernden Kraft. Und je nachdem findet meine Tätigkeit dann oft selbst auch ganz unterschiedliche Realisierungsformen: Zeichnung, Foto oder Video, Installation, Text oder mediales Experiment im Internet.

Was für Dingpraktiken und Dingbilder meinen sie? Können sie ein Beispiel nennen?

Zum Beispiel die uns allen bekannten Ausstellungen im öffentlichen Raum, wenn uns verloren gegangene Gegenstände an einem Zaun oder auf einer Mauer hergezeigt werden -, dabei haben Verlierer oder Verliererinnen die Chance sich als Verlierer zu erkennen, wenn sie das Ding als das Ihre wiedererkennen.

Oh ja, da öffnet sich ein breit gefächertes Arbeitsfeld. Tja und dabei haben sie die von Ihnen initiierten und organisierten Freiburger Ateliergespräche Ende der 80iger Jahre und die Freie Landesakademie Kunst, die sie vor 10 Jahren mitgegründet haben, noch gar nicht erwähnt.

Zu den Freiburger Ateliergesprächen habe ich in regelmäßig unregelmäßigen Abständen ca. 20 Kolleginnen und Kollegen aus Freiburg und einen externen Gast zu nicht-öffentlichem Gespräch eingeladen, um Fragen der Kunst zu erörtern. Und die Freie Landesakademie Kunst ist eine gemeinnützige GmbH, die Kolleginnen und Kollegen einlädt, gemeinsam an Projekten in Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen zu realisieren.

Die wenigsten werden bereit sein, diese Unternehmungen noch als Kunst anzusehen.

Da haben sie vermutlich recht. Es geht aber nun mal bei der Kunst um den Umbau der Welt, wie Beuys gesagt hatte und damit um die Erweiterung traditioneller künstlerischer Arbeitsfelder. Die Freiburger Ateliergespräche waren der Umbau des Künstlerateliers zu einem Ort des Gesprächs; und mit der Freien Landesakademie Kunst geht es um ein Bildungsangebot; um die Bildungsarbeit am Sozialen, an der (wieder Beuys) sozialen Plastik.

Das alles rubrizieren sie unter ihren Begriff der Kunst?

Als Bildende Künstler arbeiten wir alle mit an der Gestaltung der Welt, präziser: wir sind mit Bild-Bildung befasst. Viele Kolleginnen und Kollegen, ebenso wie manche, die sie wie Kritiker beobachten, tun dies auf gesichertem Boden. Nicht wenige erinnern mich an den bekannten Witz, in dem Einer gebückt unter einer Straßenlaterne umhergeht und offenbar etwas sucht. Ein Passant kommt vorbei, erfährt, dass ein Schlüssel gesucht wird und hilft bereitwillig mit. Als die Suche lange vergeblich bleibt, fragt der Passant: Sind sie denn sicher, dass sie den Schlüssel hier verloren haben? Aber nein, das nicht, das war am Stadtpark drüben. Und warum suchen sie dann hier? Der Suchende blickt ihn erstaunt an: Aber dort ist doch kein Licht! – Ich suche Lichts ins Dunkel zu bringen, da wo ich noch nicht war, wo noch niemand war oder nur wenige sind.

Dabei habe ich auch lernen können, dass unsere Freie Landesakademie Kunst, die zuerst eine Verein werden sollte, als gemeinnützige GmbH selbst schon von künstlerischem Charakter ist: Als gemeinnützige GmbH dürfen wir keinen Gewinn erwirtschaften; als GmbH muss man Gewinn erwirtschaften. Dass es bei uns eine etablierte Rechtsform gibt, die Unvereinbares zusammenfügt, hat mich begeistert. Kunst ist immer gemeinnützig, aber ohne ökonomischen Ertrag, geht es halt auch nicht.

In der Tat, das habe ich noch nie so gesehen, leuchtet mir aber sehr ein. In Vorbereitung zu unserem Interview haben meine Recherchen ergeben, dass sie für Tageszeitungen, aber auch für Kunstzeitschriften geschrieben und kollegiale Arbeiten besprochen haben. 1988/89 haben sie als freier Mitarbeiter für den damaligen Südwestfunk Kommentare und zahlreiche Ausstellungsbesprechungen produziert. Waren das nicht doch journalistische, kunstkritische Beiträge, aber eben keine Kunstwerke?

Es war der verzweifelte Versuch, mich zuerst in diese Medienwelt einzuarbeiten, um dann nach künstlerischen Möglichkeiten zu suchen. Ich habe meine damalige Rundfunkarbeit immer auch als künstlerischen Beitrag verstanden und für mich den Anspruch formuliert, dass ich mich als Künstler anders zur Arbeit von Kolleginnen und Kollegen äußern können dürfen sollte, als die professionellen journalistischen Mitarbeiter des Rundfunks. Das hat mitunter zu großem redaktionellem Streit geführt.

Was war passiert?

Ich sollte für den Rundfunk ein Interview mit einem Sammler Ehepaar in Basel machen, dass durch seine Arbeit in der Pharmaziebranche zu sehr viel Geld gekommen war und eine große Sammlung von Beuys Arbeiten besaß. Zu diesem Zeitpunkt war Joseph Beuys bereits verstorben. Aber im Gespräch hatte ich den Eindruck, als säße er mit uns am Tisch. In den O-Ton meines Beitrags habe ich, um diese Erfahrung auch für Hörer erfahrbar zu machen, Äußerungen von Joseph Beuys eingeschnitten. Eben so, als säße er tatsächlich mit uns beisammen. Ich war davon ausgegangen, dass dies spätestens in der Ab-Moderation gesagt werden konnte. Aber der stellvertretende Chef der Redaktion hat dies vehement abgelehnt und darüber hinaus meinen Beitrag eigenmächtig gekürzt - weil, wie er sagte, dies keine radiophone Form sei. Jedenfalls kam es zu Türen-Knallen und Geschrei. Und das war letzten Endes auch das Ende meiner Zu- und Mitarbeit. Bestimmt habe ich in mancherlei Hinsicht die Möglichkeit in öffentlich-rechtlichen Medien, an diesem Macht-Pol, wie Theweleit sagt, als Künstler tätig zu werden, nicht richtig gesehen. - Auf YouTube gibt es einen Beitrag von damals zu einer Ausstellung von Dellbrügge & De Moll, den man nachhören kann.

Bestimmt kommen wir im Verlauf unseres Sendungsgesprächs auf das ein oder andere noch einmal zu sprechen. Vorrangig soll es jetzt, nach dieser Kennenlernrunde, um die Corona-Ausnahmesituation gehen. Näher um die Frage, wie sie als bildender Künstler damit umgehen. Wir Journalistinnen und Kunstkritikerinnen fragen uns, was für Auswirkungen die Situation für Ihre künstlerische Praxis hat, wenn es doch geboten ist, sich in die eigenen vier Wände zurück zu ziehen. Und vielleicht können wir, wenn wir uns die Zeit dazu nehmen wollen, in einem zweiten Abschnitt über eine andere Sache noch sprechen, die uns als Kunstkritikerinnen auch beschäftigt – und zwar die Möglichkeiten der Kunstkritik in Zeiten des Lockdowns. Mich würde interessieren, wie Sie diese Möglichkeiten einschätzen. Wären sie damit einverstanden, Herr Schindler?

Aber ja, gerne Frau Bach.

Bevor wir zum Künstlerischen im engeren Sinn kommen, möchte ich Sie eingangs fragen, wie Sie grundsätzlich zur aktuellen gesellschaftlichen Situation und den anhaltenden Debatten und Kommentaren, die die Corona-Situation wesentlich bestimmen, stehen? Was sagen Sie dazu?

Je mehr darüber gesprochen wird, umso weniger verspüre ich Neigung mich dazu zu artikulieren. Aber ich will mich dem auch nicht verweigern. Ich erlebe die Auseinandersetzung zur Corona-Situation ähnlich der, in Sachen Ernährung, Landschaftsschutz oder Klima: Bin ich aufrichtig mit mir selbst, muss ich eingestehen, dass ich auf Grundlage der mir bekannten Sachstand-Informationen keine eindeutige rational begründete Positionierung mir erlauben kann. (kurze Pause) Standpunktschwierigkeiten sind Indiz eines Dilemmas. Ich glaube, die Ambivalenz der eigenen Empfindungen und Gedanken zur uneindeutigen Sachlage, spiegelt als Resonanzphänomen unsere generelle Lebenssituation.

Wenn sich Laien, Amateure, Wissenschaftler und Politiker miteinander auseinandersetzen und uneins zu keinem abschließenden Urteil, zu keinem eindeutigen Handlungsentscheid kommen (eine Situation, die ich für grundsätzlich positiv ansehe), kann man es sich natürlich einfach machen und sich auf die ein oder andere Seite schlagen (also z.B. immer noch strengere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen oder sie ganz fahren lassen) je nach dem, was einem optimistische oder pessimistische Lebenserfahrung und Alltagsverstand nahe legen.

In Sachen Ernährung oder Klima ist es für mich eine Herausforderung, Uneindeutigkeit auszuhalten und entsprechend zurückhaltend zu sein. Dabei ist es überaus interessant und aufschlussreich zu sehen, wie die Vertreter des einen oder des anderen Lagers ihr Anliegen vorbringen. Dabei konnte ich feststellen, dass in entsprechenden Kinofilmen, zum Beispiel zum Klimawandel, wie etwa in Al Gore`s „Eine unbequeme Wahrheit“ oder im Film „Unsere Erde“, die visuellen Ausdrucksgestalten rekonstruierbar das Gegenteil von dem artikulieren, was sie erklärtermaßen meinen oder vorgeben zu tun.

Wollen Sie uns vielleicht ein Beispiel geben?

In einer Fachzeitschrift zu Fragen der Ökologie lese ich das Statement eines engagierten Wissenschaftsjournalisten und Naturschützers: Er sagt, wir müssen die Natur schützen, weil wir uns anderenfalls, über kurz oder lang, selbst den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Ich verstehe natürlich was gemeint ist, aber gesagt ist ohne Zweifel auch, dass Natur um der Menschen willen schützenswert ist und eben nicht um ihrer selbst willen. Ich erkenne darin keine andere Logik als die, gegen die man sich kämpferisch wendet.

Und wie positionieren sie sich da? Als aufmerksamer Beobachter müssen sie doch eine dezidierte Meinung dazu haben.

Künstlerische Artikulation ist immer auch Selbstauskunft, Zeugnis und Bekenntnis. Auch die geäußerte Meinung ist eine Selbstauskunft. Aber im Unterschied zu jener ist die „persönliche Meinung“ allenfalls mit dem gesunden Menschenverstand geprüft. Dazu hat Adorno einmal gesagt, der ganze Schwachsinn der Verhältnisse setzt sich aus lauter gesundem Menschenverstand zusammen. Und das bedeutet wohl auch, dass zwar jede einzelne Maßnahme durchaus rational nachvollziehbar und einsichtig sein mag, dass sie insgesamt aber doch fehl gehen. Im Übrigen sah sich auch Hegel veranlasst fest zu stellen: ein trockenes Versichern ist so trocken, wie das andere – wirkliche argumentative Kraft hat auch das aufrichtige Meinen nicht. Was soll ich ihnen also sagen, meine Meinung ist allenfalls für meine Familie und Freunde interessant.

Dann lassen Sie uns doch Ihre Freunde sein. (lacht)

Ingeborg Bachmann wurde in einem Interview, ziemlich penetrant übrigens, nach ihrer Meinung zur aktuellen politischen Situation befragt. Meinung, sagte sie, ist eine Sache für den Wirtshaustisch, als Dichterin ist sie um sprachlich prägnanten Ausdruck bemüht. Schließlich, offenbar genervt, fragte sie, ob sie etwas aus ihrem Werk vorlesen dürfe. Und das tat sie dann auch. Heute beobachte ich, dass im journalistischen Kontext das Wort Meinung durch den Ausdruck Einschätzung ausgetauscht ist. Journalisten bedanken sich bei ihren Kolleginnen und Kollegen am jeweiligen Ort des Geschehens für deren Einschätzung der Situation. Als neulich Minister Altmaier zu seiner Einschätzung der Sachlage gefragt wurde, antwortete er - und das hat mir gut gefallen -, dass seine Einschätzung als Bundesminister, wie er es nannte, Börsen-relevant sei und er deshalb an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt sich nicht dazu äußern wird. Für mich ist allein die künstlerische Äußerung angemessen – auch wenn nichts von dem Börsen-relevant ist, was ich äußere. (lacht) Es gibt für mich nur den point of view der Kunst.

Wenn sie ihre Meinung nicht äußern wollen, warum haben sie diesem Interview dann überhaupt zugestimmt?

Wenn ich Auskunft geben darf über meine Arbeit und wenn ich durch Fragen provoziert werde laut über Kunst nachzudenken, nehme ich die Chance dazu gerne an. Im Übrigen sind ihre Fragen ja auch meine Fragen. So gesehen führe ich ein Selbstgespräch.

Wenn sie ein Selbstgespräch führen, können wir ja auch die unsere Rollen tauschen!?

Gewiss können wir das. Kommen wir also zu unserer zentralen Frage: Wie denken wir über die besonderen Umstände der Kunstproduktion im Rückzugs-Modus? Rechnen wir mit möglichen nachhaltigen Effekten auf künstlerisches Schaffen?

Nein, ich rechne nicht mit nachhaltigen Effekten. Jedenfalls nicht, soweit es in künstlerischer Verantwortung steht. Was ja nicht ausschließt, dass sich die gesellschaftlichen Umstände, unter denen Künstlerinnen und Künstler zukünftig werden arbeiten müssen, ändern. Da könnte ich mir zwar Steigerungen gegenwärtiger Verhältnisse vorstellen, aber nicht wirklich prinzipielle, strukturelle Änderungen.

Wenn ich gleich hier mit einer Nachfrage unterbrechen darf: Was genau soll das heißen „Steigerungen gegenwärtiger Verhältnisse“?

Die gegenwärtigen, technisch fortentwickelten Gesellschaften sind ja zum Beispiel ohnehin schon mit weitreichenden Kontroll- oder Disziplinierungsmechanismen ausgestattet. Es gibt längst die Möglichkeit eigene geografische Bewegungen in Routing-Apps zu tracken. Diese Technik für eine Corona-Tracking-App einzusetzen und eine Gesamtbevölkerung damit zu kontrollieren, wäre ja nur eine andere Anwendung einer bereits vorhanden technischen Möglichkeit. Vorhersehbar werden damit aber auch weitgehende Erfassungs-, Koordinierungs-, Speicherungs- und Verarbeitungsprozeduren geschaffen, die, einmal vorhanden, zu jedem späteren Zeitpunkt und für andere Zwecke genutzt werden können.

Die vermessene Welt ist total geworden. Und wird es wohl weiter.

Ich denke zum Beispiel an die Unterbringung der Lebra-Kranken in eigens erbauten Siechenhäusern. Dort waren die Erkrankten von der übrigen Bevölkerung abgesondert, weggesperrt worden. Als die Krankheit Ende des 16. Jahrhundert weitgehend verschwunden war, gab es aber immer noch die architektonischen Überbleibsel, die umstandslos zu Gefängnissen gemacht werden konnten. Michel Foucault hat das in seiner Geschichte der Gefängnisse rekonstruiert. Ähnliches wird mit einer App möglich sein, die heute nützt oder nützen soll, Ansteckungswege dingfest zu machen. Und die heute verordneten Pflichten zu Abstandshaltung und zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz etablieren Strukturen, die sicher auch dann, wenn sie einmal nicht mehr gebraucht sind, jederzeit, und gegebenenfalls auch mit ganz anderer Motivation, in Kraft gesetzt werden können.

Ja, das ist vorstellbar. Im Umgang mit Kranken und Kriminellen ging es um die Ausgrenzung gefallener Körper. Heute werden Tracking-Techniken zur Erfassung von Körperbewegungen genutzt werden – zu welchen nicht vorhersehbaren Zwecken, weiß natürlich niemand.

Die Technik der Verfolgungsaufzeichnung dann auch noch mit Feedback-Schleifen zu versehen, wie zum Beispiel bei der Steuerung von Flugabwehr-Lenkwaffen, ist dann eine Kleinigkeit. Jedenfalls ist nicht zu sehen, dass diese Entwicklung eine qualitative Veränderung bringt, vielleicht doch eher eine strukturelle Steigerung. Das soll zukünftige Szenarien natürlich nicht verharmlosen. Vielmehr ist deutlich, dass es das alles doch schon gibt.

Wir beobachten eine gigantische Disziplinierungsmaßnahme …

… bei der es um die Verteilung der Menschen im Raum geht und bislang gewohnte Zeitplanung ins Stocken gerät. Räume fallen (wieder und auf andere Weise) in Orte und Plätze auseinander. Es behaupten sich kleine und kleinste Welten in der globalen Welt.

Menschen werden wie Dinge: Ein jedes Ding an seinen Ort, erspart dir Müh und böse Wort.

In Peking war zu sehen, wie Menschen mit der App am Handgelenk leben, mit Soft- und Hardware, die stündlich Feinstaubwerte, Daten zur Luftverschmutzung aller Art anzeigt. Das macht deutlich, dass die Erde ein unwirtlicher Planet ist. Menschen leben im 12ten, 20ten oder 60ten Stockwerk, mit Klimaanlage und Luftreinigungsgerät, groß wie ein Heizkörper, in privaten Raumschiff-Zellen -, die sie mit Kindern nicht verlassen, ohne geprüft zu haben, was die Messwerte über die Lebensbedingungen outside anzeigen.

Aber das gilt doch jetzt wirklich nur für Peking oder China  ...

Im Waldboden versteckt untergebrachte Messstationen, sichtbar an ihren überirdischen Fühlern, machen auch das Naturschutzgebiet des Bayerischen Waldes, zu einem großen Experimentallabor.

Nun hatten wir uns ja eben unterbrochen, als es um den anderen Teil der Frage ging. Die Frage war: Was ist über die besonderen Umstände der Kunstproduktion im Rückzugs-Modus denken?

Ja, stimmt. Künstlerinnen und Künstler befinden sich in keinem Rückzugs-Modus. Was mit der Frage in den Blick genommen werden will, sind verordnete Umstände, die für Kolleginnen und Kollegen anderer künstlerischer Bereiche von großer Bedeutung sind. Wer als Ensemblemitglied auf Mitspieler angewiesen ist, wie Musikerinnen, Tänzer oder „Bühnenarbeiter“, für den oder sie ist die professionelle Ausübung der künstlerischen Tätigkeit radikal verhindert oder zumindest sehr eingeschränkt. Für bild-künstlerisches Handeln haben die Maßgaben der Politik keine Bedeutung. Jedenfalls nicht mehr und nicht weniger wie sonst auch. Vermutlich sind diese weltbewegenden, tagespolitischen Verhältnisse noch nicht einmal eine besondere Herausforderung.

Hmmm – wie können wir das weiter erläutern?

Na ja, sagen wir mal so: im deutschen Sprachraum gibt es ja die schöne Wendung „Kunst und Kultur“. Damit ist deutlich gesagt, dass Kunst nicht gleich Kultur ist. Zwar wird in allen politischen oder journalistischen Reden und Debatten genau diese Wendung gebraucht, aber doch auch zugleich überhört. Kunst und Kultur werden nicht unterschieden. Hat man sich aber einmal den Unterschied klar gemacht oder, wie Nietzsche sagen würde, hat man sich erst einmal die Augen dafür eingesetzt, sieht man manches klarer: Kunst nämlich reflektiert Kultur. Kunst fungiert sozusagen als Metaebene, als Reflexionsmedium, als kritischer Bereich der Thematisierung von Kultur. Künstlerische Praxis, die sich so versteht, kann sich nicht in ihre vier Wände, wie eingangs gesagt, zurückziehen, da kann es keinen Rückzugs-Modus geben.

Kunst in dieser kultur-reflektierenden Rolle, – gilt das generell?

Sigmund Freud hat seine Tätigkeit einmal mit der eines Archäologen verglichen und das Unbewusste mit einer damals modernen Zaubertafel, auf die man schreiben und das Geschriebene auch wieder löschen kann. Die Pointe bestand darin, dass in den Tiefen der Wachsschicht das Geschriebene, wie rudimentär auch immer, erhalten bleibt. Wollten wir ein technisches Gerät als Metapher verwenden, könnten wir sagen, Künstler sind ausgestattet mit einem Autofokus für die sichtbaren Ausdrucksgestalten des Lebens; für Bilder, die nicht als Bilder gedacht sind, aber bedeutsames Menschenleben ausmachen. Man könnte deshalb auch sagen, für das Wesentliche.

Sollte das wirklich für alles künstlerische Handeln gelten?

Auch überkommene künstlerische Tätigkeit, wie Malerei oder Bildhauerei, ist nie ohne gesteigerte Sensibilität für diese Ausdrucksgestalten ausgekommen. So gesehen hat sich nur der Schwerpunkt zunehmend eben darauf verschoben. Neben der Erfindung oder Findung neuer, eigener Bilder, kommt es sicher auch darauf an, die bereits vorhandenen aus ihrer ja allgemein zugänglichen Wahrnehmbarkeit in präzise Sichtbarkeit zu überführen.

Sagen wir es gibt keinen Rückzugs-Modus. Und doch können bildende Künstler z.B. ihre Arbeit nicht ausstellen. Ist das nicht gleichbedeutend mit Rückzug?

Nicht alles, was bisher möglich war, ist unter den aktuell gegebenen Umständen möglich. Dem ist auch für bildende Künstler so. Wir können zwar nach wie vor im Atelier unserer Tätigkeit nachgehen und dort, wie vielleicht die meisten, alleine arbeiten; unter Umständen sogar in besonderem Maße, weil weitgehend ungestört. Aber in der Tat, eine öffentliche Präsentation der Arbeitsergebnisse findet derzeit nicht statt. Und das ist tatsächlich ein wesentlicher Aspekt, oder richtiger, ein Effekt der erzwungenen Umstände.

Und was bedeutet das? Man könnte doch sagen, nun gut, dann arbeiten die Künstler eben eine Zeitlang alleine im Atelier und präsentieren ihre Kunstwerke später. Nach dem Motto: aufgeschoben ist nicht aufgehoben?

Gewiss, man kann und muss natürlich auch auf eine bessere Zukunft hoffen. Und doch ist das nicht alles. Es hat ja nicht nur in Deutschland Zeiten gegeben, in denen Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten nicht öffentlich zeigen konnten. Solche Verhältnisse gibt es in anderen Ländern und Erdteilen heute ebenfalls – und zwar zum Nachteil der Menschen und zum Schaden der Kultur. Es ist Ausdruck politischer Unterdrückung.

Politische Kultur – oder sollen wir sagen: Unkultur? - unterdrückt geistige Auseinandersetzung, also die (etablierte) öffentliche künstlerische Reflexion der jeweiligen Verhältnisse. Kunstvereine und Museen sind geschlossen.

Oder anders gewendet: Gemeinnützige kulturelle Einrichtungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Raum für Kunst zu bieten, Räume für sinnliches und geistiges Erleben zu öffnen, haben aufgehört zu sein.

Ist das so schlimm? – eines (hoffentlich) nicht so fernen Tages werden sie ja doch wieder geöffnet.

Es ist schlimm für Journalistinnen oder Kunstkritikerinnen. Dass keine Ausstellungen stattfinden, hat natürlich dramatische Konsequenzen für deren Berufsstand. Es wird dabei einmal mehr deutlich, wie sehr genau diese Berufsgruppe auf die Arbeit anderer angewiesen ist. Kritiker selbst vergessen zu leicht, dass dem so ist, weil sie mit ihrer Tätigkeit ja doch sehr häufig aller erst dazu beitragen, dass Werke überhaupt wahrgenommen und gegebenenfalls adäquat ernst genommen werden. Manche hegen die Hoffnung – nicht ganz ohne Grund – dass diese Räume der Kunst nach ihrem Verschwinden sogar gestärkt wieder erscheinen - weil wir erlebt haben, was uns fehlt, wenn wir keine Konzerte, keine Theater, keine Ausstellungen besuchen können.

2002 stürmten sogenannte Freiheitskämpfer der tschetschenischen Märtyrer- Brigade ein Theater an der Dubrowka in Moskau. Damit war Lebenswelt selber auf dramatische Art und Weise in den Kunstraum eingebrochen. Im zweiten Akt einer laufenden Vorstellung des Musicals „Nord-Ost“ wurde das Konzerthaus zum Tatort gemacht. Bühne und Zuschauerränge vermint, überall bewaffnete Geiselnehmer. Am Ende des Theaters, nach dem Eingreifen der russischen Alpha-Kämpfer, Leichen auf den Sesseln, in den Gängen. Damit war in Moskau ein Kunstwerk – jedenfalls eine aktuell realisierte Kunstform - zerstört, der Raum der Kunst war beschädigt worden. Der Ort, sagte der Produzent Georgi Wassiljew, ist ein verfluchter geworden.

Na ja, die „nur“ geschlossenen Ausstellungsräume – und übrigens ja auch Kirchen, die ebenfalls geschlossen bleiben, weil auch dort, wie in Ausstellungsräumen, Begegnungen gesundheitsschädlich, im schlimmsten Fall tödlich enden können – sie sind deshalb ja sicher keine verfluchten Orte.

Aber es ist auch nicht ausgemacht, dass sie – oder wir – in the long run schadlos aus dieser Situation hervorgehen.

Ist das nicht weit hergeholt? Was für einen Schaden können Kunstvereine und Museen denn nehmen? Und sind die jetzt wachsenden Aktivitäten im Internet nicht ein guter Ausgleich?

Die Erfindung, Programmierung und Pflege der Internetplattform "Private Eye on Art" von 1995 bis 2006, war natürlich auch Reflektion auf kulturelle Gegebenheiten, also auf den Umstand, dass Anfang der 90iger Jahre die Internettechnik allgemein zur Verfügungstand stand, in eben diesem Medium. Ein wie immer gedachter Ersatz für traditionelle Atelierarbeit war das nicht – und ist es auch heute nicht. Es ist nicht anzunehmen, dass Ausstellungen durch Arbeiten im Internet ersetzt werden können.

Ist das denn ein Schaden?

Möglichen Schaden will und muss ich mir ja nicht ausdenken – die Zeit wird es weisen. Ich unterscheide gerne zwischen Körperertüchtigung einerseits und Sport andererseits. Während das erste gleichsam ohne Publikum, unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich geht und dem eigenen Wohlbefinden zu Gute kommt, ist das zweite eine Veranstaltung, die prinzipiell für die Augen der Welt bestimmt ist. Entsprechend könnte man unterscheiden, kreatives Gestalten ganz allgemein und professionelles künstlerisches Handeln. Und wie Sport den verifizierenden Blick der anderen bedarf, so bedarf auch künstlerisches Handeln den immer auch kritischen Blick der Anderen. Wenn daher Kunstwerke aus welchen Gründen auch immer nicht gezeigt werden oder gezeigt werden dürfen, ist dies eine unmittelbare Bedrohung für die Kunst selbst.

Das ist in Zeiten diktatorischer Herrschaft ganz offensichtlich. Dann sind Künstlerinnen und Künstler genötigt im Verborgenen tätig zu sein. Was unter diesen Umständen Zutrauen nährt, sind die bis dahin gemachten Erfahrungen, Hoffnung und Zuversicht auf Zeiten, in denen wieder öffentliche Bewährung möglich ist. Jedenfalls waren diese Räume dann schon einmal als Leben-gefährdende Orte eingestuft. Warum sollten sie das nicht wieder einmal werden? Gerade darum, weil die Kunst, die dort verhandelt wird, ohnehin das etablierte Leben (für manche Beobachter auf gefährliche Art und Weise) thematisiert und in Frage stellt. Vielleicht verhält es sich also ähnlich wie mit den vorhin erwähnten Techniken. Die dann ja erprobten Schließungs-Mechanismen sind schnell bei der Hand, wenn ganz andere Verhältnisse herrschen. Aber wir sollten nicht über Zukünftiges spekulieren, halten wir uns lieber an das Sichtbare – wie die sichtbar geschlossenen Kunstvereine und Museen.

Ist das wirklich so bedeutsam?

Vermutlich war Sherlock Holmes der Erste, der in Erläuterung zur Lösung eines Kriminalfalles darauf hingewiesen hat, dass auch das Ausbleiben eines erwartbaren Ereignisses, signifikantes Indiz sein kann. Seine knappe, lapidare Feststellung, die zur Lösung des Falls führte: Der Hund hat nicht gebellt. Zurzeit ist das Ausbleiben erwartbarer Vorgänge sichtbare Ausdrucksgestalt der Pandemie und ihrer Folgen. Am auffälligsten und vielfach notiert: die menschenleeren Straßen in sonst stark belebten Städten, die wenig oder gar nicht befahrenen Straßen und Autobahnen, das Ausbleiben des am Himmel sichtbaren Flugverkehrs. Ganze Flugzeugflotten stehen anhaltend lange am Boden, statt zu fliegen. Motorenlärm, unten wie oben, ist nicht oder wenig zu hören. Der Hund hat nicht gebellt.

Ja – und inzwischen gehören ja auch die geschlossenen Geschäfte dazu.

Und die abgesperrten Kinderspielplätze und der überall sichtbare Mund-Nasen-Schutz.

Was können wir dazu sagen, wenn wir die sichtbare Erscheinung als Bild nehmen und wie ein Kunstwerk betrachten?

Da können wir keine gesicherten oder auch nur vorläufigen Arbeitsergebnisse vorlegen. Auch diese Dingbilder erfordern genaue und sorgfältige Zuwendung. "Man muss bereit sein", schreibt Foucault einmal, "im Detail auf der Stelle zu treten und auf Kleinigkeiten zu achten" Und jetzt sind wir verführt zu improvisieren.

Na dann!

Erst einmal ist wichtig zu sagen, dass alles Bedeutsame auch sichtbar ist. Wie Blitzableiter und Feuerlöscher hierzulande anzeigen, welcher Gefahr sich Menschen ausgesetzt erleben, sind es in Tokio Schutzhelme und Strickleitern, die bei Erdbeben lebensrettende Flucht ermöglichen sollen

Sorgen und Ängste der Menschen haben eine sichtbare, materiale Ausdrucksgestalt, in Peking, hier wie überall. Und deren Sinnstruktur kann, wie die aller Bilder, rekonstruiert werden. Oder, anders gewendet: Schutzhelme, Strickleitern und Mund-Nasenschutz sind Realisierungsformen kollektiv geteilter und individuell überformter, ausdifferenzierter Empfindungen und Weltsichten. Wiederkehrend beobachtbare zwischenmenschliche Abstände sind die Außenseite der Distanzregeln, von deren Bedeutsamkeit wir ohne deren gelebte Bildhaftigkeit nicht einmal wüssten, dass es sie gibt.

Was können wir jetzt zu den sichtbaren Erscheinungen der Pandemie, den abgesperrten Kinderspielplätzen und den Gesichtsmasken sagen. Gerne langsam und auf gewundenen Umwegen (lacht). Umwege erhöhen die Ortskenntnis, sagt man – und das kann ja nicht schaden. (lacht)

Wir können den sichtbaren öffentlichen Raum, nicht nur die öffentlich sichtbaren Erscheinungsformen der Pandemie, als die sichtbare Außenseite des Privaten verstehen. Die Gestaltung der Straßen-Fenster und Vorgärten privater Häuser, Straßen-Kleidung, modische Accessoire und Frisuren der Menschen, das alles prägt das Bild einer Stadt.

Kaum weniger als gesellschaftlich zu verantwortende Straßen, Plätze, Architekturen und technische Installationen wie Ampelanlagen, Elektroschaltkästen an Straßenecken, Deckel der Abwasseranlagen unter der Straße. Nun kann man zeigen, dass die privat zu verantworten Bilder, also die sichtbare, den Anderen öffentlich hergezeigte Seite des Privaten, kulturell präformiert ist. Was öffentlich sichtbar wird, verdankt sich nicht nur dem Habitus Einzelner, sondern auch dem Lebensstil einer Gesellschaft.

Und genau das ist schön nachvollziehbar am verpflichtend angeordneten Mund-Nasenschutz. Dabei macht die Wortwahl schon deutlich, dass es kein einheitliches Erleben, kein Einheitliches Verständnis dieses Sachverhalts gibt. Man liest oder hört ebenso: Atemschutzmaske oder Gesichtsmaske.

Es ist erst mal davon ausgehen, dass es mehr oder weniger exakt formulierte medizintechnische Vorgaben gibt, die rechtlich und verwaltungstechnisch verbindlich einzuhalten sind. Industriell gefertigte Vorkehrungen sollten diesen Anforderungen wenigstens prinzipiell entsprechen und man kann sich damit begnügen, sie so, wie angeboten und gekauft oder erhalten, auch verwenden. Aber jetzt sehen wir in den Straßen und Geschäften, zunehmend im Internet und, eben weil es so auffällig sichtbar ist, neulich auch in einer Tageszeitung, dass Menschen, zum Teil sehr eigenwillig, selbst solche Vorkehrungen basteln oder die vorgefertigten umarbeiten.

Das ist schon deshalb interessant, weil man sich in diesen Fällen nicht mit der Einlösung der rechtlich vorgeschriebenen und medizintechnisch geforderten Vorrichtung begnügt. Vielmehr wird die technische Vorrichtung – ein Werkzeug – bildnerisch verfremdet. Damit wird dem Erscheinungsbild nicht nur eine symbolische Bedeutung zugewiesen, sondern ihre immer schon gegebene bildnerische Bedeutung wird kenntlich gemacht und eigens hervorgehoben. Dinge – und übrigens auch Natur, wie Klaus Eder gezeigt hat – sind für uns Menschen nie nur systemisch oder nur technisch-funktional relevant und entsprechend zu verstehen. Menschen leben in einer sinnstrukturierten Welt. Dinge, mit denen wir leben – Heidegger würde sagen, mit denen wir wohnen – sind immer auch bildnerisch bedeutsam und sinnstiftend.

Hinzu kommt ein anderes noch: Wie wir uns selbst und vor anderen erscheinen, verdankt sich mehr oder weniger großen Freiheitsgraden: dem individuellen Gestaltungswillen und Vermögen einerseits und zugleich den Gepflogenheiten und Normen der Gesellschaft andererseits. Bildnerische Erfahrung lehrt: Wo überhaupt keine oder nur sehr geringe öffentlich wirksam werdende Gestaltungsmöglichkeiten bestehen, scheinen sich Ausdruckswillen und Ausdrucksnotwendigkeit auf die Gestaltung des eigenen Körpers zu konzentrieren. Sichtbar etwa als Extrem-Piercing, das mitunter das ganze Gesicht bedeckt oder als Ganzkörper-Tattoos. Daraus erhellt: Die jetzt immer noch zunehmende Vehemenz, Atemmasken zu basteln und zu verfremden, ist sichtbare Artikulation einer derzeit herrschenden gestalterischen Ohnmacht.

Gibt es das wirklich, eine Ausdrucksnotwendigkeit?

Dass es sich um eine innerpsychischen Artikulations-Notwendigkeit handelt, mag daran kenntlich sein, dass Menschen zugrunde gehen, wenn sie in totalen Institutionen, in Gefängnissen oder geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen, ihrer individuellen Ausdrucksformen beraubt werden - durch Wegnehmen persönlicher Gegenstände etwa. Goffman hat gezeigt, mit welch verzweifelten und bescheidenen Methoden Menschen dann suchen sich ihrer Identität zu versichern.

Durch Anlegen geheimer Depots etwa, in denen sie kleine und aller kleinste Nichtigkeiten vor den Blicken anderer verborgen aufbewahren - einen kleinen Stein, eine Vogelfeder. Menschen brauchen einen Anhalt in der realen, materialen Welt und letztlich in der anerkennenden Bestätigung Anderer. Ja gut – aber was heißt das in Bezug auf die Atemschutzmaske?

Zur Anerkennung durch andere gehört die generelle Möglichkeit, über das Bild, dass wir uns und anderen gegenüber zeigen, zu verfügen. Überall dort, wo diese Verfügungsmöglichkeit über unser Erscheinungsbild dominant untersagt ist, ist zugleich das innerpsychische Leben gefährdet. Denn, wie Hegel mit seinem Begriff der Anerkennung gezeigt hat, ist jedes Ich, von der anerkennenden Bestätigung Anderer abhängig. Ohne das kann man nicht einmal gegenüber sich selbst sicher sein, nicht wahnsinnig oder verrückt zu sein. In ungezählten Spielfilmen ist das immer wieder in Szene gesetzt. Die Verfügung über die Gestaltungsmöglichkeit unserer Erscheinung vor uns selbst und vor Anderen, ist wesentlich für die Konstitution und Gesunderhaltung jedes Einzelnen. Deshalb darf man begründet vermuten, dass individuell gestaltete Vorkehrungen zum Tragen im Gesicht, Ausdrucksgestalt bedrohter Individualität sind. Und zwar bedroht durch gesellschaftlich oder eben staatlich verordnete Uniformität. Wohingegen das Ausbleiben individueller Gestaltung weitaus komplexere Bedeutungsstrukturen vermuten lässt – nicht weniger, wie modische Erscheinungen überhaupt.

Ja, es hat etwas mit Mode zu tun. Die jetzt sichtbar dominierenden Gestaltungsformen sind jedenfalls auf den ersten Blick entweder einem Modewillen zuzuordnen oder einem Anspruch auf wahrnehmbare Individuation. Hier stehen sich das Einzelstück und die mehr oder weniger limitierte Massenware gegenüber. Die einen sind Einzelstücke, die nicht kommerziell vervielfältigt und unter die Leute gebracht werden wollen, während andere offensichtlich von vorne herein auf Vervielfältigung und aufs Geschäft mit der Angst und dem Widerstand zählen. … (Pause) Was aber ist mit den nicht gestalteten Atemschutzmasken? Die werden ja doch auch getragen.

Das ist nicht weniger bedeutsam. Es verhält sich damit ähnlich der zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Fotografie. Als Farbfotografie noch nicht erfunden war, war Schwarz-Weiß-Fotografie eine Notwendigkeit. Heute ist es eine Option. Wer also heute auf Farbe verzichtet, gibt eben damit ein Statement ab. Entsprechend dem Diktum von Watzlawick, man kann nicht nicht kommunizieren, müsste man sagen, dem bildnerischen Ausdruck ist nicht zu entkommen.

… Bitte, fahren Sie fort!

Ich warne sie (lacht) ich werde weiter ausholen müssen.

Nur zu, ich fürchte nichts. (lacht)

Ich kann, wie gesagt, kein fertiges Arbeitsergebnis vortragen, und ich weiß nicht einmal, ob es sich lohnt, dem vertiefend nach zu gehen. Aber soviel kann ich doch wagen: Eine ausführliche bildnerische Rekonstruktion der Sinnstruktur der Mund-Nasen-Schutzvorrichtungen müsste erst einmal streng an der generellen (nicht individuierten) Erscheinung ansetzen, von der gerade die Rede war. Also von dem schlichten Umstand, dass die medizintechnische Vorkehrung einen Großteil des Gesichts bedeckt: Kinn, Mund, Wangen und Nase sind bis zu den Ohren und dicht unter die Augen nicht mehr sichtbar. Dass dies bedeutsam ist, spricht sich schon in der Benennung der Vorrichtung aus: niemand spricht formal-technisch präzise von Gesichtsbedeckung, sondern Maske. Erst langsam ist mittlerweile von Mund-Nasenschutz die Rede.

Stimmt. Wir wissen, unabhängig vom konkret vorliegenden Fall, Masken bedecken nicht nur. Sie bringen, und zwar zugleich, zweierlei zur Sichtbarkeit: Sie machen die Bedeckung als Verdecken sichtbar und sie bringen zugleich Anderes, nämlich das Antlitz der Maske selbst, zur Sichtbarkeit - so, wie wir es zum Beispiel im Zirkus oder in Fastnachtstraditionen kennen: wir sehen das Antlitz eines Clowns oder einer Hexe. In den jetzt getragenen Gesichtsbedeckungen ist entsprechend sichtbar und bedeutsam die technische Vorkehrung als solche und das vorhandene oder eben nicht vorhandene andere Gesicht der Maske (was sich dann der individuellen Gestaltung zuordnen lässt).

Die Vorkehrung verdeckt identifikatorisch bedeutsame Teile des Gesichts. Deshalb ist sie nicht nur Maske, die uns ein anderes Antlitz hinhält, sie ist ebenso Vermummung oder Verschleierung. Und dies auf besondere, aber keineswegs unbekannte Art und Weise. Ist nämlich der größte Teil des Gesichtes in der benannten Weise bedeckt, konzentriert sich der betrachtende Blick auf den einzig verbliebenen freien Gesichtsteil: die Augenpartie (und das sichtbare Haupt, die Haare, wenn nicht eine Kopfbedeckung, wie eine Kapuze, auch das verunmöglicht).

Was wir sehen, ist also zuerst die Teilung eines Ganzen (eben des Gesichts). Es erscheint in zwei Hälften geteilt, gestückelt und zwar durch eine äußerliche Hinzufügung. Das Erscheinungsbild des Menschen ist tatsächlich zerstört, zumindest schwer gestört. Die Stückelung bringt die angesprochene Identitätsbedrohung nicht nur sinnbildlich zum Ausdruck oder setzt sie nur in Szene, sie ist vielmehr eine besondere Form ihrer Realisierung. So viel sollte deutlich geworden sein.

Ja, genau. Während uns zum Beispiel eine im Gesicht getragene Brille eine Sehbehinderung sichtbar macht, verweist diese Gesichtsbedeckung auf eine nicht kenntliche Behinderung; wir sehen nicht, was für eine Not diese Gesichtsbedeckung sinnvoll scheinen lässt. Wir bleiben, wenn wir ganz beim Sichtbaren bleiben, völlig im Ungewissen, was diese Erscheinung motiviert

Das vollständig bedeckte Gesicht ist übrigens nur bei bestimmten chirurgischen Eingriffen (bei medizinisch oder ästhetisch indizierten Operationen) und bei Verstorbenen üblich; manchenorts auch bei besonders gefährlich eingestuften terroristischen Gefangenen.

Ja, wie viel angenehmer und ganz anders muten dagegen transparente Visiere an, die jetzt hier und da in Geschäften von Angestellten getragen werden. Wie ein Weltraumanzug, um den erwähnten lebensfeindlichen Planeten zu betreten.

Hinzu kommt: Beim nur teilweise bedeckten Gesicht werden uns die freibleibenden Partien besonders bedeutsam. Sie sind die einzigen, die das Begehren befriedigen können, Rückschlüsse auf denjenigen oder diejenigen zu ziehen, die uns maskiert, vermummt, verschleiert begegnen. Dies gesagt, kann deutlich werden, dass die individuell modifizierte Erscheinung der Gesichtsbedeckung zweierlei „Gesichter“ zeigt: Zum einen ist es gesuchte Rückeroberung, der durch die Verdeckung verloren gegangenen Identifikationsmöglichkeit. Ein hilfloser Versuch übrigens, soweit beliebig reproduzierbare „Überarbeitungen“ diesbezüglich nicht wirklich weiter führen – Menschen, die die gleiche Gesichtsbedeckung tragen, werden dadurch (wie durch eine Uniform) als Zugehörige einer (anonymen) Clique oder (Glaubens-) Gemeinschaft kenntlich; Gleichgesinnte erkennen einander. Psychoanalytisch gesprochen könnte man dies wahrscheinlich als individuelle Bewältigungsstrategie bezeichnen, die von gleichmachender Uniformierung wegführt. Vermutlich wenig erfolgversprechend, sofern sie ihrerseits auf präformierte Gestaltungsmuster zurück reicht. Es gibt ganz individuell gestaltete, bezeichnete oder bemalte Stoffe, die vor das Gesicht gebunden explizit als Schutzvorkehrung funktionieren und doch meist etablierte Ausdrucksformen rekapitulieren.

In den uns bekannten Formen der Gesichtsverhüllung, ist diese Praxis der Unkenntlichmachung in der Regel ja selbst gewählter Personenschutz: Der maskierte Einbrecher, der Vermummte Protestler will und kann nicht erkannt werden. Aber schon beim Motorradhelm wird Unkenntlichkeit (nicht einmal immer notgedrungen) in Kauf genommen. Gleiches gilt wohl für Ärzte oder die Arzthelferinnen, die eine OP-Maske tragen, sie sind in ihrer Individualität nur sehr bedingt erkennbar. Und, was mir gerade dazu einfällt: Im Badischen müssen einheitliche, nur schwer unterscheidbare Fastnachtsmasken mit einem „Nummernschild“ versehen sein, um Vergehen durch Maskierte zu erschweren.

Genau. Der Fall einer verschleierten Frau, von der ebenfalls nur die Augen sichtbar sind, ist komplexer. Ihre Unsichtbarkeit ist in Kulturen, die das vorschreiben, psychoanalytisch gesehen Schutz der Frau vor begehrlichen männlichen Blicken, aber zugleich auch Schutz der Männer vor dem verführerischen Anblick der Frau. Die so verschleierte Frau wird kaum gesehen und nur bedingt erkannt. Wobei die bekannte biblische Wendung: Adam erkannte sein Weib, auf die sexuelle Konnotation des Erkennens verweist. Wie natürlich auch das Erkennen der Nacktheit und das scientes bonum et malum, das Wissen, was gut und böse ist, dem Genuss des Paradiesapfels folgt.

Unkenntlichmachung durch partielle Gesichtsbedeckung jedenfalls, ist ein nicht zu eliminierender und nicht zu unterschätzender objektiver Umstand, der zwar hinter der erklärten Absicht zurück steht, aber sicher nicht ohne verunsichernde Wirkung bleibt.

Das mag tatsächlich so sein. Denn bisher sind nur hoch entwickelte elektronische Apparaturen und Programme in der Lage, Menschen allein anhand ihrer Pupillen zu identifizieren. Aber messen wir dem nicht eine viel zu große Bedeutung bei? Die Unkenntlichkeit gilt ja ohnehin doch nur für einander Fremde – ein Mann erkennt seine Frau, auch die Frau am Bankschalter erkennt ihren langjährigen Kunden. Außerdem hat das Tragen des Mund-Nasenschutzes tatsächlich ja doch einen ganz anderen Grund

Ja gewiss – das Moment der Unkenntlichmachung ist selbst unsichtbar - solange man die Gesichtsbedeckung nicht Mund-Nasenbedeckung, sonder „Mund-Nasenschutz“ oder „OP-Maske“ nennt und darauf abhebt, dass sie dem Schutz von Patienten vor Infektion durch Krankenhauspersonal dient. Das berührt aber nicht die Sinnstruktur der Unkenntlichmachung. Wir wissen doch, wir sind alle ungeheuer begabt, überzeugende Gründe, Ausreden für unser Tun zu erfinden. Und wir sind geneigt das zu glauben, was man uns erzählt. Weitaus seltener vertrauen wir auf das, was wir sehen. Und wenn doch, schilt man uns schnell: ungläubiger Thomas! Dieser Erfahrung wegen hat sich Nietzsche gefragt: Muss man den Menschen erst die Ohren zerschlagen, damit sie mit den Augen hören?

Nun gut, hören wir weiter mit den Augen ….

Die individuell gestaltete Gesichtsbedeckung, kaum anders als modische Schminke, Schmuck oder designte Brillengestelle, lenken den Blick ab. Sie sind Blickablenkung, ein Ablenkungsmanöver, das sowohl von der Augenpartie, als auch von der faktischen bildnerischen Stückelung des Gesichts ablenkt. Wobei es für die nüchterne Betrachtung und Bedeutungsrekonstruktion wiederum keine Rolle spielt, ob das von den Autoren so gedacht und intendiert ist oder nicht. De facto machen wir die Erfahrung, dass (gelungener) Schmuck unseren Betrachterblick auf sich zieht, wie Extrem-Piercing, Tattoos oder eben besonders gestaltete Mund-Nasenschutzmasken. Damit ist der Gestaltungswille selbst dominant sichtbar. Die feinen Unterschiede, von denen Baudrillard sprach, werden, je länger die aktuelle Situation anhält, sich mehr und mehr ausdifferenzieren.

Ich möchte auf etwas Anderes noch hinweisen, ohne das weiter zu erörtern: Nämlich auf den Umstand, dass so maskierte Menschen sehen, ohne selbst gesehen/erkannt zu werden. In Zusammenhang mit meinen Ausführungen zur Burka habe ich zu zeigen versucht, dass dieses Kleidungsstück nicht nur die Frau verhüllt und dem (männlichen) Blick entzieht, sondern zugleich auch den weiblichen Blick inthronisiert: Sehen, ohne gesehen zu werden, war in unserer abendländisch-christlichen Kultur dem göttlichen Blick vorbehalten, nicht den Sterblichen. Aber damit stoßen wir auf vehementen Widerspruch! Sicher ...

Bestimmt sogar. Aber, können wir mit Nietzsche antworten: Was kümmert es den Baum, wenn seine Früchte keinem schmecken? Dennoch, versuchen wir das zu erläutern. Während eine Ski-Brille, eine Schweiß-Brille oder eine Taucherbrille, die offensichtlich dem Schutz der eigenen Augen dienen und Ausdruck dieses Selbstschutzes sind, ist die Auslassung der Augen durch partielle Gesichtsabdeckung eine ausdrückliche Exposition der Augen und des Blicks. Auf diese Weise sind die Augen zwar ungeschützt zurückgelassen, aber doch an herausgehobene Stelle gerückt.

Es ist wie mit der Entdeckung der Erdumlaufbahn um die Sonne. Als mit dieser Entdeckung die Menschen im Selbstverständnis ihrer Stellung im Kosmos aus dem Zentrum, um das sich bis dahin alles drehte, herausgerückt waren, sind sie doch zugleich ins Zentrum einer anderen Aufmerksamkeit geraten: der Wissenschaft, der Aufklärung … So auch Augen und Blick, wenn von Frau oder Mann kaum anderes mehr zu sehen ist, als eben das Augenpaar.

Das hat auch Konsequenzen für den städtischen Raum. Während sich Menschen auf dem Land oder auf Wanderungen mit einem freundlichen Guten Tag oder Grüß Gott begegnen und sich damit wechselseitig versichern, dass man voneinander nichts zu fürchten hat, ist das in der Stadt nicht so – hier grüßen sich Fremde nicht. In der Stadt begegnen wir uns, wie Oevermann sagt, als neutrale Fremde: weder als Freund noch als Feind, auch ohne Gruß. Anders als in einer dörflichen Gemeinschaft ist es im urbanen Raum nicht unhöflich und befremdend, sich nicht zu grüßen. Die Stadt ist der Raum, der durch neutrale Fremde konstituiert ist. Dennoch können sich natürlich Fremde prinzipiell nähern und ansprechen - – und zwar durch den die Interaktion eröffnenden Gruß.

Was aber geschieht diesem Raum, wenn sich Menschen begegnen, die durch Gesichtsbedeckungen unkenntlich sind? Menschen, die sich beim Blick in den Spiegel selbst fremd sind? Bekanntlich hatte ja Lacan die jubilierende Freude entdeckt, die Kleinkinder erleben, wenn sie sich entgegen ihrem zerfaserten Körperempfinden zuerst im Spiegel als ganz erfahren. Jetzt, als Erwachsene mit Mund-Nasenschutz, sehen wir uns selbst gestückelt und entfremdet im Spiegel an. Und die unkenntlich gemachten Gesichter der Anderen, weitgehend regungslose Gesichter, sind nur mehr Erscheinungen, die, auf den Ausdruck der Maske reduziert, nicht wirklich mehr ansprechbar sind. Kaum ein Lächeln, das dazu einlädt. Visualisiert die Atemschutzmaske nur die Gefahr, die als (potentielle) Ansteckungsgefahr von jedem Maskierten und von jeder Maskierten für Andere ausgeht? Oder ist sie nicht auch zugleich, da sie teilt, zerteilt, nicht vielmehr selbst die Gefahr?

Jedenfalls artikuliert sich hier eine Ambivalenz, wie sie auch sonst Einheitskleidung evoziert. Uniformen schützen und bedrohen zugleich: Wer in beruflicher Arbeitskleidung tätig ist, genießt den Schutz des Unternehmens für das er oder sie arbeitet. Uniformierte sind, im Namen der Institution für die sie handeln, von persönlicher Verantwortung ganz oder weitgehend befreit. Dieses Moment der Entlastung von Entscheidung und Verantwortung ist aber nicht nur erlösende Freistellung, sondern zugleich Bedrohung für das autonome Selbst. Dieses Zugleich inkompatibler Begehren, dem Verlangen nach Entlastung einerseits und dem Wunsch nach autonomer Lebensgestaltung andererseits, ist nur schwer auszuhalten und je nach Konstitution der Einzelnen wird das eine oder das andere überwiegen.

Das ist interessant: Für Kritikerinnen, wie für manche andere Berufsgruppen, Politiker, Wissenschaftler und eben auch Künstler, gibt es keine ausgesprochene Berufskleidung. Umso bedeutsamer scheint es, dass manche sich durch besonders ausgesuchte Kleidung oder Accessories besondern. – Was auch mit den Augen zu hören ist: Als Alternative zum Hände-reichen haben sich neue Formen des Grüßens entwickelt. Abgewandelte Formen freundschaftlicher Körperberührungen.

Die währen sicher alle aufschlussreich zu interpretieren. Besonders interessant scheint ein aktuell geübter Ferngruß: Die wie zum Schwur erhobene Hand, die in reduzierter Form unwillkürlich auch den sogenannten Deutschen Gruß erinnert. Jedenfalls ist diese Übung weithin sichtbar, mehr als nur der zum Dank erhobene Finger auf dem Lenkrad eines Autos, wenn ein entgegenkommendes Fahrzeug den Vortritt gelassen hat oder die seitlich vom Lenker genommene Hand, der sich begegnenden Motorradfahrerinnen und -fahrer.

Auf öffentlichen Plätzen kann man auch sehen, dass Menschen in ungewohnt großem Abstand zueinander stehen, wenn sie miteinander sprechen.

Und Spaziergänger, Jogger oder Menschen auf dem Gehweg wechseln mitunter frühzeitig schon die Wegseite. Auf diese Weise wird die absehbare Begegnung schon von weitem eingeleitet. Es wird deutlich, dass auf diese Weise das ausdrückliche Sich-Aus-dem Weg-gehen vermieden ist – man geht ja ohnehin schon auf der anderen Seite. Diese Praxis ist eine fern-wirksame, Gruß-ähnliche Äußerungsform, die kenntlich macht, dass man gewillt ist, einer feindlichen Konfrontation aus dem Weg zu gehen.

Es ist zurzeit sehr viel Neues, Ungewohntes zu sehen. Aber auch Altes: Fernsehaufzeichnungen vergangener Fußballspiele zum Beispiel werden nicht nur in besonders interessanten Sequenzen, sondern in voller Länge gezeigt. Auch ein European Song Contest von vor Jahren wird im Fernsehen wiederholt. Vorgeführt wird dem Fernsehpublikum die „immer so viel bessere“ Vergangenheit. Vergangenes, abgelegtes und archiviertes Leben wird aktualisiert, wiederbelebt. Kittler hatte ja bemerkt: die elektronischen Speichermedien sind die besseren Mumien.

Wenn wir es nicht mit traumatisierenden Wiedergängern zu tun haben, sind es Rituale der Beschwörung, die tröstend auf die Wiederbelebung einer guten alten Zeit setzen. Auch das ist natürlich Ausdruck einer sowohl geschürten, als auch angenommenen, Verunsicherung. Die Aufzeichnungen sind wie Antiquitäten – ihr schierer Besitz demonstriert die Verfügbarkeit des Vergangenen. Das Vergangene ist in Besitz überführt und damit kann, wie mit allem, was einem eignet, beliebig umgegangen werden. Und das verleiht ein gewisses Maß an Sicherheit – wie es umgekehrt Unsicherheit maskiert.

Ist es ein allzu großer Sprung, wenn wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf die neue Sichtbarkeit lenken? Auf die Absperrungen der Kinderspielplätze etwa? Kindheit ist ja an sich schon eine gar nicht so alte Erfindung der Erwachsenen und, wenn sie in den Blick gerät, immer schon vergangen; verbunden mit Schmerz und mit Glück. Karl Kraus beteuerte, in seiner Kindheit hatte er auf den Feldern und Wiesen hinter dem Haus seiner Eltern ausschließlich Verkehr mit Admiralen. Während Friedrich Nietzsche fragte: Welches Kind hat nicht Anlass, um seiner Eltern Willen zu weinen.

Abgesperrte Kinderspielplätze muten erst einmal unmittelbar traurig an. Meist sind es rot-weiße Flatterbänder, die auf einfachste Art und Weise um einzelne Spielgeräte oder den ganzen Spielbereich geschlungen sind. Diese wenig aufwändige Absperrtechnik ist sehr vertraut von sonst frei zugänglichen, meist kleineren Baustellen, von denen nur in sofern Gefahr ausgeht, als sich Personen dort selbst gefährden können. Flatterbänder finden Verwendung zur Kennzeichnung von eher geringen Gefahrenstellen.

Wenn dagegen Umstände gesichert werden sollen, die durch unerlaubten Zugang beschädigt oder gar zerstört werden können, sind meist massivere Maßnahmen im Einsatz, wie zum Beispiel hohe, flexible und eigens dafür geschaffene Metallzäune. Auch bei Gefahrenlagen, die Unbefugte unmittelbar bedrohen, wie zum Beispiel Starkstromanlagen, Steilhänge oder tiefe Schächte etc. bei denen also Personen und nicht die Anlagen geschützt werden sollen, werden ebenfalls stabilere Absperrtechniken verwendet. In Ausstellungen von wertvollen oder berührungsempfindlichen Exponaten – in Installationen mithin, die nur zum Betrachten, nicht zur anderweitigen Nutzung gedacht sind, gibt es häufig zwar sichtbare, aber nicht physisch absperrende Linien-Markierungen am Fußboden.

Folgt man dieser bekannten Logik, macht die Flatterband-Absperrung der Kinderspielplätze jedenfalls klar, dass man sich dort selbst gefährden kann. Nicht, dass die Anlage als solche gefährdet ist, sondern vielmehr, dass man sich dort selbst gefährden kann. Damit herrscht aber die eigentümliche Gleichzeitigkeit sich widersprechender Aufforderungen. Es ist sichtbar, wozu die Plätze gedacht und eingerichtet sind, es gibt einen Appeal der Einrichtungsgegenstände, der Materialien und Geländeformen. Und es ist zugleich sichtbar, dass genau das verhindert ist.

In pädagogischen Verhältnissen können simultane, aber sich widersprechende Aufforderungen zu schizophrenen Pathologien bei Kindern führen. Kinder können in quälende Verzweiflung stürzen, wenn ein Verhalten verbal streng getadelt wird, aber zugleich mit wohlwollendem Lächeln gelobt wird: Ein Kind soll ein anderes nicht stoßen und schlagen, es soll sich aber auch tatkräftig durchsetzen und wehren. Mehrdeutigkeit ist unter Umständen besser auszuhalten oder einer Klärung näher zu bringen, als sich widersprechende Zweideutigkeit. Was sagt uns das?

Solange man in Laboratorien zur Erforschung des Lichts nur sich widersprechenden Beobachtungen vor sich hatte - in einigen Experimenten verhielt sich Licht wie Wellen, in anderen aber wie Teilchen – so lange war keine befriedigende Eindeutigkeit zu erzielen. Der beobachtete Widerstreit zwischen Wellen und Korpuskeln war erst zu schlichten, als es eine nicht-beobachtbare theoretische Sichtweise erlaubte, die Beobachtungen anders als sich ausschließend zu denken. Auf gleiche Weise kann der sichtbare Widerstreit der „abgesperrten Spielplätze“ nur durch das Wissen um die Hintergründe, im Wissen um Sinn und Zweck der sich ausschließenden Appelle ertragen werden.

Ohne dieses Wissen ist die Erscheinung abgesperrter Spielplätze ein recht trauriger Anblick. Und der verweist, wenn wir uns unwissend wie Kinder einstellen, genau auf ein Wissen, das wir nicht haben. Wenn, wie bei einem tiefen Schacht, nicht unmittelbar sichtbar ist, wie sich das Flatterband motiviert, ist es ein Zeichen der Unwissenheit. Das bedeutet aber, man muss darauf vertrauen, dass es seine Richtigkeit hat und, dass es für mich besser ist, mich daran zu halten. In diesem Sinn ist das Flatterband ein Appell zu glauben und zu vertrauen. Eine Übung, zu der wir angesichts der uns berichteten Bedrohungslage ohnehin angehalten sind.

Wenn wir spekulativ nach der Motivation der besprochenen Erscheinungen fragen, berühren sich da nicht auch die Feststellungen zur Gesichtsbedeckung mit denen zu den abgesperrten Kinderspielplätzen? Sowohl beim Mund-Nasenschutz, als auch bei den abgesperrten Spielplätzen ist ja keine Motivation zu erkennen – man muss glauben, akzeptieren, was uns dazu gesagt ist. Beide, Maske wie Flatterband sind Absperrungen – ohne dass erkennbar ist, wozu oder warum.

Deshalb sind diese Dingpraktiken so überaus spannend zu sehen. Der Apell zu glauben und zu vertrauen ist, auch ganz ohne Worte, in der bildnerischen Installation mit Flatterbändern oder Gesichtsbedeckung, unmissverständlich sichtbar. In allerkleinsten, aber sichtbaren Mikropraktiken finden gesamtgesellschaftliche Umstände prägnanten Ausdruck. Besser wiederum: Hier realisieren sich gesellschaftliche Verhältnisse unmittelbar, sichtbar und unverfälscht.

Die Erwachsenen haben den Kindern Plätze zu spielen zugewiesen und Spielgerät für sie aufgebaut. Jetzt nehmen Sie sie ihnen ohne erkennbaren Grund wieder weg.

Mit anderen Worten: Tatsächlich sind diese Orte auch vordem schon nur die sichtbaren eigens eingerichteten Orte der Erwachsenen, nicht Spielorte der Kinder. Kinder-Spiel-Plätze entstehen überall, wo Kinder sind. Öffentliche Kinderspielplätze aber sind Orte, auf die die Lebenden, wie auf Friedhöfen die Toten, verband sind. Jetzt fehlen die Spielplätze den Eltern, wie Ihnen Krabbelgruppe, Kindergarten und Schule fehlen. Diese handelsüblichen Orte der Disziplinierung sind geschlossen, während die ganze Gesellschaft, ganze Nationen sich in deutlich unterkomplexe, strenge Disziplinareinheiten verwandeln.

Jetzt werden andere Orte und Räume wichtig, der Garten, die Garage, der Keller, der Balkon. Mitunter vernachlässigte Räume, die jetzt, wie alles andere, auch in Ordnung gebracht werden. Für diejenigen, für die es überhaupt möglich ist, zu Hause zu arbeiten, ist das Home Office - wenigstens zeitweise – gemütlich: Im Jogginganzug und ungekämmt, wie eine Beamtin am Telefon auf Nachfrage sagte. Solange keine Video Konferenz ansteht. (lacht)

Jetzt haben wir uns ja doch einiges verdeutlicht.

Na ja, dies sind ja alles auch nur Momentaufnahmen. Hegel hat ein sehr schönes Bild dafür gefunden, um deutlich zu machen, dass wir ja immer erst im Nachhinein so einigermaßen gesicherte Erkenntnis erwarten dürfen: Die Eule der Minerva, sagt er, beginnt erst in der Dämmerung ihren Flug. Wenn überhaupt, dann zum Ende des Tages wird man einigermaßen verlässliches Wissen haben.

Künstler muten Nach-Denken sich selbst und anderen zu - im Modus ihrer Werke. Derzeit ist Nach-Denken in vielerlei Hinsicht beunruhigend und verstörend. Was andere vor-gedacht haben, hilft kaum weiter. Wie sollen wir zusammen denken, was vielleicht zusammen zu denken wäre: das, was Carl Schmitt gefasst hat mit dem Begriff der Ausnahmesituation, mit der wir es ja auch zu tun haben (also mit dem temporären Außer-Kraft-Setzen geltenden Rechts, um das (Lebens)Recht zu schützen; wie Guantanamo als rechtsfreier Raum seine Legitimation dadurch erhält, dass genau dieser Umstand, dem Recht zu seinem Recht verhelfen soll). Wie können wir das zusammen denken mit dem, was Foucault im Begriff der Heterotopien dachte (Orte, an denen andere Regeln gelten also sonst) und das dann verbinden mit der Lager-Situation, wie sie Agamben beschriebenen hat (als Reduktion menschlichen Daseins, auf das bloße, auf das nackte (Über)Leben,). Wie soll man das zusammen denken mit dem Begriff der totalen Institution, wie Goffman ihn beschrieben und Foucault in seiner Gefängnis-Studie untersucht hat? Wie das zusammen denken mit dem Begriff der "bösen Liebe", den Adorno geprägt hat – bevor das Stockholm-Syndrom seinen Namen bekam (der Liebe der Menschen zu dem, was sie kaputt macht)? Alles das und mehr, ist auf unheilige Weise zugleich gegenwärtig, wenn wir versuchen, über die aktuellen Vorgänge nachzudenken und uns mühen zu verstehen.

Wau! das ist ja aber auch ein Gebirge! Ich fürchte ich verstehe nicht nur die Welt nicht, sondern auch das nicht, was sie meinen … (lacht)

Hatten wir uns nicht schon daran gewöhnt, politisches Handeln immer nur im Schlepptau der Wirtschaft, der großen globalen Player zu sehen? Und sind nicht gerade auch diese jetzt, und zwar durch politische Entscheidungen, wie sie behaupten, schwer getroffen? Oder ist auch das wieder nur deren Gewinnspiel? Man nennt die wirtschaftliche Krise Kollateralschaden der unverhältnismäßigen politischen Maßnahmen. Aber sind nicht genau durch diese Maßnahmen dem grenzenlosen Profitstreben, der maßlosen Instrumentalisierung von Allem und Jedem, plötzlich doch Grenzen gesetzt? Nämlich durch das, gegenüber dem Wirtschaftsliberalismus behauptete höherwertig gesetzte Leben? Ist das aber nicht gleichbedeutend mit einer Reduktion menschlichen Daseins auf das nackte Überleben? Und sind nicht Menschen weitgehend damit einverstanden, im selbst gewählten Lager zu leben, als würde ein Überlebensinstinkt sie nötigen dankbar genau das auch zu lieben? Begegnet hier nicht auch das Prinzip der Isolierung und deren flexiblen Bemessung, das Gefängnisse auszeichnet? Werden zugleich nicht auch alle Spielstätten, von Kinderspielplätzen bis zu Konzertsälen und Theatern, plötzlich als wesentlich für das gesellschaftliches Leben erfahren? Wenn Menschen tatsächlich nur da Mensch sind, wo sie spielen, sind sie es dann jetzt freiwillig gerade nicht mehr, sofern sie sich nur mehr um ihr nacktes Leben sorgen? Erweisen sich jetzt Spiel und Kunst als jene Ausnahmen von Zweckrationalität, um die sich letztlich doch alles dreht? Nichtigkeiten vor dem Ernst des Lebens, ohne die es kein menschenwürdiges Dasein gibt

Also mir jedenfalls irrlichtern solche Gedanken. Auch deshalb vermutlich suche ich mich lieber an Dingbilder zu halten, die uns allen sichtbar sind. Wie eben der Mund-Nasen-Schutz oder versperrte Kinderspielplätze.

Ich danke für das ausführliche Gespräch, Herr Schindler.

Sehr gerne, Frau Bach.

Darf ich Sie abschließend noch etwas fragen: Was werden Sie jetzt anschließend tun? (schmunzelt)

Ich werde einen Grappa trinken. (lacht)

Einen Grappa? (erstaunt)

Ja, einen Grappa – ich liebe klare Sachen. (lacht) Und wenn ich daran denke, wie voraussetzungsreich dieses Getränk ist, dass zuerst Wein kultiviert werden musste – dass angebaut, geerntet und gekeltert werden muss, bevor auch nur das Material vorhanden ist, aus dem Grappa gewonnen werden kann - das gefällt mir. (lacht)

Ja dann: Zum Wohl! (lacht) --- Aber halt, ein Letztes noch, Herr Schindler, bevor wir unsere Internetverbindung abbrechen.

Ja bitte ...

Unsere Schalte hat ja nun doch, zeitlich wie thematisch, weitaus mehr Raum eingenommen, als ursprünglich gedacht. Ich kann daher leider nicht sicher stellen, dass unsere Aufzeichnung in voller Länge in dem dafür vorgesehenen Sendeformat Platz finden wird. Währen Sie denn mit einer redaktionellen Kürzung einverstanden.

Wir sollten diesen Umstand als Indiz dafür nehmen, dass es wichtig ist, auf unserer eigenen Zeit zu beharren. Dabei kann spürbar werden, dass die Zeit, die eine Institution uns zum Nachdenken einräumt, niemals genügt. Auch, dass es eine Sinnlichkeit aufregender Gedanken gibt. Und dass wir keineswegs nur theoretisieren und spekulieren, sondern dass vieles, wenn nicht alles daran hängt, wie wir uns und unser Weltverhältnis denkend gestalten. Um nichts anderes geht es ja, wenn wir die Frage nach der künstlerischen Praxis in Zeiten der sogenannten Corona-Krise gesprächsweise thematisieren.

Das wäre ein sehr schöner Schlussgedanke. Aber ich habe doch noch zwei allerletzte Fragen mit der Bitte, um eine knappe Antwort. – Jetzt, zu einem vorläufigen Ende gekommen, wie sehen Sie unser Interview? (Scherzhaft) Ist es ihrer Meinung oder Einschätzung nach gelungen?

Den Versuch dazu haben wir jedenfalls unternommen. Aber wesentliches Moment jeder Kunst ist das Selbstmissverständnis. Andere werden mit den Augen hören müssen, ob das Unterfangen geglückt ist. (lacht) Wenn es nicht so wäre, brauchten wir Kritikerinnen und Kritiker nicht. Wir sind beide auf Andere angewiesen - und gerade dann, wenn wir selbstkritisch sind. Kritik ist ja nicht nur ein wesentlicher immanenter Aspekt künstlerischen Handelns, sondern auch eine nach Außen gestülpte Notwendigkeit.

Sie sprachen ganz zu Beginn von ihren auch medialen Experimenten. Gilt dies denn auch für unser (lacht) Selbst-Interview? Ich kann, aufrichtig gesagt, nichts „experimentelles“ erkennen.

Aber ja, das gilt auch für unsere gemeinsame Zeit. Und wie gesagt, ihre Fragen sind auch meine Fragen. Und die sind, wie meine Antworten und sie selbst, Frau Bach, frei erfunden. Was diese Erfindungen übrigens nicht zu fake-news macht. Im Gegenteil, es galt in der Wahrheit zu sein. 

In der Wahrheit sein?

Die französische Kinder-Psychoanalytikerin Françoise Dolto hat einmal notiert, Kinder werden in die Schule geschickt, damit sie zuhören, damit man sie aufklärt, damit man ihnen die Wahrheit sagt. Aber zum Analytiker kommen sie, um in der Wahrheit zu sein.


— Richard Schindler, *1949, lebt und arbeitet in Freiburg.

Zuletzt waren Ausstellungen von ihm zu sehen im Kunstverein Kirchzarten und im Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg. Arbeiten aus seiner Werkgruppe "Kool Killer Systems" sind zudem permanent installiert im Museum für neue Kunst, Freiburg.

Homepage des Künstlers