28/04/20

Das schreiben die anderen

[aktualisiert am 28.4.] Lesenswertes zu Kunst & Corona in Feuilletons und Blogs

von red.

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[28. April 2020] Das Kunstnews-Portal Artnet.com und andere Medien berichten übereinstimmend, dass die Art Basel die Bewerbungsfrist für Galerien vom 1. Mai um einen MOnat auf den 1. Juni verlängert hat. Ursprünglich sollte die 50. Ausgabe der weltgrößten Kunstmesse im Juni stattfinden, wurde aufgrund der Corona-Pandemie zuletzt aber auf den 17. bis 20. September 2020 verschoben. Ob sie in diesem Jahr allerdings überhaupt als physisches Event stattfinden kann oder – wie schon im März die Art Basel Hongkong – lediglich als Online-Ereignis, ist laut Insidern derzeit noch nicht absehbar.

[23. April 2020] Das Kulturmagazin des ORF – Radio Vorarlberg lenkt mit der Podcast-Reihe „Kunst im Kopf – Bilder zum Hören“ den Blick nach innen. Zuletzt erschienen dort zwei Beiträge zum Werk des 2005 verstorbenen New Yorker Künstlers Steven Parrino, dem das derzeit geschlossene Kunstmuseum Liechtenstein die Ausstellung „Nihilism is Love“ gewidmet hat. Auch gut in dieser Reihe: Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthaus Bregenz, mit einem Sonic View der kleinen Tafel Der Paradiesgarten eines Oberrheinischen Meisters um 1410/20 aus dem Frankfurter Städel. Zudem erzählt er dem ORF in einem Interview, was ihn gerade bewegt.

[22. April 2020] Seit Anfang der Woche haben in Deutschland wieder viele Galerien geöffnet. Abstandsregeln und Hygienevorschriften machen es möglich. Wie es dem Kunsthandel nach dem Shutdown geht und was die nahe Zukunft bringen wird, fragte der SWR gestern Stefan Geiger von der Konstanzer Galerie Geiger. Das Interview finden Sie hier.

[21. April 2020] Auf Frieze ist ein Interview von Pablo Larios mit der Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grüters (CDU) zu lesen. Grüters spricht über das Engagement der deutschen Bundesregierung für Freiberufler und Kunstschaffende sowie mögliche europäische Initiativen. Der Titel „Can Germany’s cultural Bailout set a groundwork for a 21st century New Deal?“ mag hoch gehängt scheinen. Doch über die staatlichen Aufträge im Rahmen des New Deal an Kunstschaffende (unter anderem kamen sie Lee Krasner zu Gute, eine Besprechung der Lee Krasner-Ausstellung in Bern finden Sie in den Reviews) wird schon länger diskutiert wie auch eine Unterstützung von Galerien und Künstlerinnen und Künstler durch staatliche Aufträge.

[20. April 2020] Es soll Menschen geben, die auf diese Krise kreativ reagieren. Zu ihnen gehören die beiden in New York lebenden Filmemacherinnen Orian Barki & Meriem Bennani. Die erste Episode ihrer „Series from Self-Isolation“ ist seit ein paar Tagen zu sehen auf Artforum, inzwischen sind auch Episode 2 und Episode 3 online. Zwei Eidechsen sind die Protagonisten dieser Animationen, die mal den Straßenkonzerten ihrer Nachbarn lauschen, mal zunehmend panisch durch das nächtliche New York fahren. Tiere sind ja überhaupt die heimlichen Stars dieser Krise, wie sie (wild) sich Lebensraum nehmen oder wie sie (zahm) das Leben von Kunstschaffenden sowie Galeristinnen und Galeristen etwas heiterer machen, zu sehen auf Artnet.

[20. April 2020] Kunstschaffende in Existenznot – mittlerweile bereiten sich die ersten Galerien in Deutschland auf die Wiedereröffnung ihrer Räume nach dem fünf-wöchigen Shutdown vor, doch für viele Kunstschaffende wird die Lage zunehmend prekär, die Zukunft so ungewiss wie nie zuvor. Die Redaktion von Spiegel Online berichtet heute anlässlich der Forderung des Deutschen Kulturrats nach einer Aufstockung und besseren Koordinierung der unterschiedlichen Hilfsprogramme für die Kultur über die aktuelle Situation.

[19. April 2020] Spiegel Online startete gestern mit Allein im Museum eine Serie von Videos, in denen Kurator*innen berühmter Museen Werke aus der Kunstgeschichte vorstellen, die einen wichtigen oder unerwartet aktuellen Bezug zum gegenwärtigen Ausnahmezustand unseres Alltags haben. Den Anfang machen Eike Schmidt, Direktor der Uffizien in Florenz, mit einer Bildlektüre von Sandro Botticellis „Primavera“ (Frühling, um 1482) sowie Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, mit Adolph von Menzels "Die Aufbahrung der Gefallenen der Märzrevolution in Berlin“.

[16. April 2020] Am vergangenen Dienstag wurde bekannt, dass sich fünf große Aussteller von der Baselworld, der einst wichtigsten Uhrenmesse der Welt, zurückziehen werden. Für die Messebetreiberin, die Schweizer MCH Group, ist diese Ankündigung ein schwerer Schlag – und dürfte erhebliche Folgen für die ebenfalls von ihr ausgerichtete Art Basel haben, die erst vor wenigen Wochen aufgrund der Corona-Pandemie in den Frühherbst verschoben werden musste und mit ihrer Hongkonger Ausgabe im März lediglich online präsent war. Der Zürcher Tagesanzeiger fragt heute: „Ist nun auch die Art Basel unter Beschuss?“ und antwortet: „Davon ist auszugehen. Nachdem der Kulturevent bereits vom Juni in den September verschoben worden ist, darf nicht damit gerechnet werden, dass im Herbst – falls die Art überhaupt stattfinden kann – die wichtigen Partner aus den USA und China nach Basel reisen wollen“. Die MCH Group selbst habe sich dazu bislang trotz mehrfacher Anfrage nicht äussern wollen.

[16. April 2020] Der Deutsche Kunstrat hat sich heute mit einem Appell an die Politik gewendet. Die Sprecher*innen Dagmar Schmidt vom BBK (Berufsverband Bildender Künstler) und Wolfgang Suttner von der ADKV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine) fordern unter dem Slogan: „Kunst auf Distanz ermöglichen!“ die „sukzessive Öffnung von Ausstellungsorten“. Wenn jetzt erste Lockerungen der durch die Corona-Pandemie bedingten Beschränkungen im Gespräch seien, dann dürften Orte der Kunst davon nicht ausgenommen sein. „Kunst macht kreativ, regt an, stiftet Sinn“, schreiben die beiden. Galerien, Kunstvereine und Museen könnten über den Tag verteilt den Zugang von Besucher*innen gut steuern, die in Ausstellungseinrichtungen per se achtsam seien, jetzt eben nicht nur in Distanz zu Kunstwerken. „Ein Zeichen der Perspektive, einen unschätzbaren Gewinn für die Gesellschaft bedeutete es, wenn zumindest die Kunst schon einmal Inspiration in diese kulturarme Zeit bringen dürfte“.

[15. April 2020] Egal ob Kinobetreibende oder Kunstschaffende: „Sie alle benötigen jetzt Hilfe“, sagt die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Interview mit der Süddeutschen Zeitung Denn: „Es geht um gesellschaftliche Solidariät“. Die CDU-Politikerin spricht darin heute mit Jörg Häntzschel u.a. über die Bedeutung von Kultur in der Krise, die aktuelle Situation für die Künstler*innen sowie die Perspektiven für Buchhandel, Galerien, Zeitungen oder Theater in Post-Corona-Zeiten.

[15. April 2020] „Öffnen ist machbar“, lautet die Devise, mit der der New Yorker Kulturmanager Andras Szanto in seinem Gastbeitrag "People Need Art in Times of Crisis" auf der Online-Plattform artnet.com für die baldige Rückkehr zum Besuchsrecht in Kunsthäusern wirbt – und schiebt hinterher: „was nicht heißt, dass das bequem wird“. Nach ausführlichen Gesprächen mit Akteur*innen des Kunstbetriebs empfiehlt er u.a. die konsequente Beschränkung der Museumseintritte per Zeitticket, spezielle Öffnungszeiten für gefährdete Personengruppen, den verstärkten Einsatz von jüngerem Personal in öffentlichen Bereichen, Schutzmaskenpflicht für alle Besucher*innen und Mitarbeiter*innen, Sanktionen bei Missachtung der Abstandregeln sowie – etwas schräg – eine Art Ganzkörperdesinfektion per Bestäuber im Eingang, vergleichbar mit den Scanner-Rahmen zur Waffenkontrolle. — Ungeachtet dieser Vorschläge von Andras Szanto gilt jedoch: Weder in den USA noch in Deutschland, der Schweiz oder in Frankreich wird aktuell erwogen, die Museen zeitnah wiederzueröffnen.

[13. April 2020] Die Sonne scheint, die Knospen sprießen – Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang? Klar, wären da nicht die Ausgangsbeschränkungen. Schade. Wer also lieber doch zuhause bleiben möchte, für den hat die Redaktion von Spiegel Online einen Osterspaziergang in 12 Bildern zusammengestellt. Einmal um den Block, frische Luft schnappen in der Kunstgeschichte. Geht auch.

[3. April 2020] Und was jetzt? Gute Frage. Der New Yorker Kunstkritiker Jerry Saltz hat sich Gedanken über die Zukunft der Kunstwelt nach dem Corona Shutdown gemacht. Seinen lesenswerten Essay im Online-Magazin Vulture finden Sie hier.