05/05/20

Corona-Ticker: Hinter verschlossenen Türen

[aktualisiert am 5.5.] News aus den Kunsthäusern in Deutschland, der Schweiz und der Region Grand Est

von red.

[5. Mai 2020] Wie die Stadt Freiburg heute in einer Pressemitteilung bekannt gab, eröffnet ab morgen Mittwoch, 6. Mai, das Haus der graphischen Sammlung wieder und am Freitag, 8. Mai das Augustinermuseum sowie das Museum für Neue Kunst, das ab sofort  eine Einzelausstellung mit Arbeiten von Priska von Martin (1912-1982) zeigt (bis 13.9.).

[4. Mai 2020] Die neue Corona-Verordnung Baden-Württembergs vom 4. Mai 2020 ermöglicht es den Museen im Land wieder zu öffnen. In Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und anderen Städten sind die Museen, Kunsthallen und Kunstvereine demnach ab Mittwoch, 6. Mai unter Auflagen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

[30. April 2020] Das vorarlberg museum in Bregenz öffnet am 4. Juni und das Kunsthaus Bregenz am 5. Juni wieder. Dies wurde heute in der Aufsichtsratssitzung der beiden Häuser mit Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink beschlossen.

[30. April 2020] Einer gestrigen Entscheidung des Schweizer Bundesrates zufolge dürfen Museen und Kunsthallen in der Schweiz statt wie zunächst geplant am 9. Juni bereits am 11. Mai wieder öffnen. Das berichtet die Museumsplattform museums.ch

[29. April 2020] Für Wolfgang Tillmans war das Nachtleben immer schon ein Freiraum. Viele seiner ikonisch gewordenen Fotos geben dies wieder. Die Corona-Krise bedroht auch die Clubs, kulturelle und soziale Einrichtungen. Und so hat sich Tillmans nach seiner Pro-EU-Kampagne 2017 erneut dem Plakat zugewandt. Über seine Stiftung Between Bridges organisiert er eine Solidaritätsaktion, an der befreundete Künstlerinnen und Künstler und er selbst teilnehmen. Für eine Spende von 50 Euro kann man sich eines der Plakate sichern und dadurch das Kulturleben in den USA, England, Polen und Deutschland unterstützen. Unter anderem haben sich Elizabeth Peyton, Andreas Gursky sowie Tomma Abts und Luc Tymans an der Aktion beteiligt. Die Auflage ist unbegrenzt, die Zeitspanne jedoch limitiert.

[29. April 2020] Im Vitra Design Museum bleibt man derzeit natürlich daheim. Wie gut, dass man sich in Weil damit auskennt. Am Donnerstag bietet Direktor Mateo Kriens donnerstags einen Live-Talk auf Instagram. Am 30. April 2020 wird er um 18 Uhr mit Alexandra Daisy Ginsberg über Natur, Design und Technologie reden. Die Britin war im Vitra Design Museum bereits mit einer Präsentation vertreten und ist am Projekt „Resurrecting the Sublime“ beteiligt, das zuletzt im Naturhistorischen Museum Bern zu sehen war. Und nächste Woche setzt die Leiterin der Sammlung und des Archivs Susanne Graner Themenschwerpunkte aus der Sammmlung. Den Beginn macht sie mit Thonet und den Bugholzmöbeln.

[28. April 2020] Das Organisationsteam der Ateliers Ouverts in Strasbourg teilt mit, dass die diesjährige Ausgabe der Veranstaltung im Grand Est von ursprünglich Mitte Mai auf Oktober verlegt werden. Die neuen Termine sind die Wochenenden 3. und 4. sowie 10. und 11. Oktober.

[28. April 2020] Der Württembergische Kunstverein Stuttgart hat die ersten Beiträge seines Shutdown-Programms online gestellt. Iris Dressler und Hans D. Christ, die den Kunstverein gemeinsam leiten, weisen in einem kuratorischen Statement darauf hin, dass es gegenwärtig nicht darum gehen könne, die Wochen der temporären Schließung allein mit Einblicken in die aktuellen Ausstellungen zu überbrücken. „Wir sollten die Zeit des Stillstands dazu nutzen, zu diskutieren, was die Funktionen von Kunstinstitutionen angesichts von Klimakrise, sozialer Ungleichgewichte, digitaler Überwachung, wachsendem Nationalismus und Rechtsradikalismus und anderer untragbarer Verhältnisse sein können“, schreiben sie. „Die jetzige Situation zeigt mit aller Deutlichkeit, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher“. Recht haben sie. Unabhängig davon lohnt es sich dennoch, zum Beispiel einen Blick in die Dokumentation der aktuell geschlossenen Ausstellung von Alexander Kluge „Oper: Der Tempel der Ernsthaftigkeit“ werfen.

[27. April 2020] Der Verband Schweizer Kunstschaffender Visarte ermuntert alle von Einnahmeausfällen betroffenen Künstler*innen in der Schweiz eindringlich, die Corona-Notlhilfe der Suisseculture Sociale in Anspruch zu nehmen. Bisher habe jede*r Antragsteller*in einen Beitrag gesprochen bekommen, so die Geschäftsführung von visarte Zürich in einer Medienmitteilung von heute mittag.

[27. April 2020] „Touch Me, I’m Sick!“ heißt die Ausstellung, die derzeit im Kunstraum Baden auf ihre Wiedereröffnung wartet. Ab 10. Juni wird die ungeahnt aktuelle Gruppenschau mit dem Untertitel „Kunst blickt auf Krankheit“ voraussichtlich wieder zu sehen sein. Allen, die es nicht erwarten können, gibt Kuratorin Claudia Spinelli schon jetzt eine Online-Einführung. Die Ausstellung, die Arbeiten von Wilfried Bolliger, Maya Bringolf, Anna Jermolaewa, Otto Lehmann, Thomas Müllenbach, Susana Perrottet, Nicole Schmid, Ross Sinclair, Gianluca Trifilo und Artur Zmijewski zeigt, ist nun neu bis 5. Juli zu sehen.

[27. April 2020] Eigentlich hätte am vergangenen Wochenende in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell die ambitionierte Ausstellung „Emma Kunz und die Gegenwartskunst. Zahl, Rhythmus, Wandlung“ eröffnen sollen. Jetzt steht mit dem 9. Juni der neue Eröffnungstermin fest. Die Ausstellung erkundet den Einfluss der eigenwilligen Schweizer Künstlerin und Radiästhesistin (1892-1963) auf die Arbeit zeitgenössischer Kunstschaffender wie Tauba Auerbach, Vidya Gastaldon, Agnès Geoffray, Roswitha Gobbo, huber.huber und Suzanne Treister. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Universität Neuchâtel und wird bis zum 25. Oktober zu sehen sein. Im Kunstmuseum Appenzell wird parallel die Ausstellung Selim Abdullah: Mediterran eröffnen.

[26. April 2020] [artline>Nord] Die Landesregierung Niedersachsens hat beschlossen, alle Ausstellungshäuser und Museen in Niedersachsen bis einschließlich Mittwoch, 6. Mai, geschlossen zu lassen. Gleiches gilt für die Kunsthäuser in Bremen. In Hamburg planen die Kunstinstitutionen bereits am 1. Mai ihre Türen wieder für Publikum zu öffnen. Noch offen ist, wann die Museen in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wiedereröffnen werden, wie am Freitag die zuständigen Behörden mitteilten.

[25. April 2020] Die Stadt Zürich hat die tourist*innen- und passant*innenarmen Corona-Wochen genutzt, um auf Instagram ein kleines Videoarchiv ihrer Kunst im öffentlichen Raum anzulegen. Nicht vollständig, aber trotzdem ziemlich üppig bestückt. Feine Sache, auch wenn diese auf Dynamik gekämmte Werbeästhetik mit ihren weit ausholenden Kameraflugbahnen manchmal etwas störend ist.

[24. April 2020] Music, please! „Black Chapel“ heißt die Ausstellung, die der Chicagoer Künstler Theaster Gates bis Ende Juli im Haus der Kunst in München zeigt. Im Zentrum der vorübergehend geschlossenen Schau steht die Plattensammlung des afroamerikanischen Leichtathleten Jesse Owens, der 1936 bei der Olympiade in Berlin mehrere Goldmedaillen holte. Als erfolgreichster Sportler der Spiele wurde er in Deutschland von dem anwesenden Adolf Hitler konsequent ignoriert, während ihm in den USA auch Präsident Franklin D. Roosevelt die Anerkennung verweigerte, weil der die weißen Wähler in den Südstaaten nicht gegen sich aufbringen wollte. Theaster Gates, der sich in seiner Kunst immer wieder mit Archiven afroamerikanischer Kultur beschäftigt, erstand Jesse Owens’ Sammlung, die 1800 Soul-, Blues-, Jazz- und Funk-Alben aus den 1950er bis 1980er Jahren umfasst. Um die Ausstellung nun wenigstens akustisch verfügbar zu machen, bat Theaster Gates DJ Jay Scarlett einen gut halbstündigen Black Chapel Mix mit Material aus Owens' Plattenregal zusammenzustellen, u.a. mit Esther Philipps, Marlena Shaw, Art Blakey, Dizzy Gillespie. Sehr cool. Und wer nicht genug von den DJ-Sets des Londoners bekommen kann: Angemessen auf die Ohren gibt es vom ihm z.B. auch im Boiler Room Berlin.

[24. April 2020] Im Kunstraum Dornbirn öffnet am 27. April die Ausstellung „Talk a Walk on the Mind Side“ von Werner Reiterer wieder – einen ersten Eindruck gibt dieses Video. Die spektakuläre Gewitterschau läuft bis 17. Mai, die Blitz- und Donnerzeiten sind täglich von 18 bis 20 Uhr.

[23. April 2020] Die Kunsthalle Zürich hat die Laufzeit der Ausstellung Gilbert & George: The Great Exhibition 1971-2016 bis zum 12. Juli 2020 verlängert. Bis zur voraussichtlichen Wiedereröffnung des Hauses am 9. Juni stehen auf der Homepage zahlreiche digitale Inhalte zur Verfügug, darunter fünf Künstlerfilme des Paares.

[23. April 2020] Trotz der durch die Corona-Pandemie bedingten Absage der Ausstellung aller Nominierten für das Aeschlimann Corti Stipendium 2020 im Kunsthaus Pasquart in Biel traf sich die Jury im virtuellen Raum nun zur Entscheidungsfindung. Die Hauptstipendien in Höhe von je 15.000 Franken erhalten Gil Pellaton und Kevin Aeschbacher, ein Förderstipendium in Höhe von je 10.000 Franken Maya Hottarek und Daniel Kurth. Den ausführlichen Jurybericht finden Sie hier. Zudem sind auf der Homepage des Kunsthauses Pasquart alle Bilder und Dossiers zum Wettbewerb einsehbar.

[23. April 2020] Das Kunstmuseum Solothurn hat die Tage ohne Publikum genutzt und eine Onine-Videothek mit Beiträgen zu Wechselausstellungen und Sammlungspräsentationen eingerichtet, darunter eine Sneak Peek in die Ausstellung „Genius Loci Salodorensis“. Darüber hinaus bietet das Museum Hörbilder an, einen Online-Zugang zur Sammlung sowie eine Virtuelle Tour durchs Haus.

[23. April 2020] Spickt man im Kunstmuseum Olten derzeit durch die Fenster, prangen an den Wänden fein säuberlich ausgeschnittene Planen, welche die Bilder passgenau abdecken und damit vor dem Tageslicht schützen, das hier seit Wochen der einzige Besucher ist – und bis 8. Juni wohl auch bleiben wird, wenn die Schweizer Museen dann wieder öffnen dürfen. Fest steht schon jetzt, dass die Ausstellungen „Rendevous. Kostbarkeiten aus den Sammlungen der Stiftung für Kunst des 19. Jahrhunderts und des Kunstmuseums“ sowie „Und Hasen, Hasen schneit es fort, Millionen jede Stund“ bis 16. August verlängert werden. Die Ausstellung „Der schöne Aare naa“ mit Interventionen im öffentlichen Raum dagegen, die im Mai u.a. mit Arbeiten von Zilla Leutenegger, Michael Meier & Christoph Franz und Andreas Hofer starten sollte, wird auf den Sommer 2021 verschoben. Einblick in die Vorbereitungen gibt Direktorin Dorothee Messmer demnächst auf dem frisch aus der Taufe gehobenen Blog „Der Lift“.

[23. April 2020] Es gibt nur wenige Künstler*innen, die Bilder in derart großen Dimensionen denken, wie der Ghanaer El Anatsui – und das in doppelter Hinsicht. Seine herrlich bunten, weichen und schwerelosen Gebilde kapern oft nicht nur die komplette Architektur, in der sie hängen, sondern legen in ihrer anschmiegsamen Schönheit auch den Finger in die Wunde unserer Gesellschaft, die weltweit zunehmend Ungleichheit produziert. El Anatsui macht Kunst aus dem Müll, den die Europäer nach Afrika verschiffen, um ihn dort zu entsorgen. Die metallisch schimmernden Flaschenverschlüsse, aus denen er seine Bilder wie Tarnnetze webt, erzählen von der langen, oft dunklen Geschichte der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Beziehungen zwischen den Kontinenten. Im derzeit noch geschlossenen Kunstmuseum Bern warten seine Arbeiten in der spektakulären Retrospektive Triumphant Scale auf Publikum. Bis zur Wiedereröffnung der Schau am 8. Juni, die regulär dann noch zwei Wochen zu sehen sein wird, führt Dirketorin Kathleen Bühler in insgesamt 8 (acht!) Videos durch die Säle. Da soll keine*r sagen, sie / er hätte nicht die Chance gehabt, sich in dieser Mini-Fern-Universität zur / zum Anatsui-Expert*in weiterzubilden. Hier geht’s zu den Videos eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben und acht

[22. April 2020] Die dritte Ausgabe der 2014 gegründeten Klönthal Triennale, die vom 6. Juni bis 4. Oktober im ehemaligen Industriegebiet auf dem Legler Areal in Glarus stattfinden sollte, wird aufgrund der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Das teilte Alexandra Blättler, Co-Kuratorin des Festivals, heute auf Anfrage mit. Ebenso wird die dreijährlich ausgerichtete Freilicht-Ausstellung Art en plein air in Môtiers im neuenburgischen Val-de-Travers verschoben und startet nun erst am 20. Juni 2021.

[20. April 2020] Die 9. Schlossmediale, die unter dem Thema „Gross und klein“ ursprünglich vom 29. Mai bis 7. Juni im  Schloss Werdenberg stattfinden sollte, wird aufgrund der Beschränkungen in Folge der Corona-Pandemie auf das Jahr 2021 verschoben. Das teilten die Organisator*innen des Festivals für audiovisuelle Kunst am Nachmittag mit.

[20. April 2020] Die Kunsthalle Arbon eröffnet am 8. Juni neu. Die aktuell dort installierte Ausstellung Sonja Lippuner: orten wird bis zum 19. Juli verlängert. Die ursprünglich für April geplante Aktion von Christoph Rütimann verschiebt sich auf einen noch unbestimmten Termin in diesem Jahr, die Soloschau von Reto Boller auf 2021.

[20. April 2020] Aufgrund der Corona-Pandemie muss die Ausstellung TOP_0020 – Meisterschüler*innen der Kunstakademie Karlsruhe auf Januar 2021 verschoben werden. Das teilte die Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe heute auf Anfrage mit. Ursprünglich sollte die Schau am 17. Mai im Alten Dampfbad Baden-Baden eröffnen. Angesichts des logistischen und kuratorischen Aufwands, den die Einrichtung der Ausstellung mit meist eigens für diesen Anlass entstandenen Arbeiten von insgesamt 32 teilnehmenden Künstler*innen bedeutet, ist nach der Wiedereröffnung das verbleibende Zeitfenster für den Aufbau mittlerweile jedoch zu knapp geworden– daher die Entscheidung zur Verschiebung der Eröffnung.

[19. April 2020] Der Kunstverein Nürnberg hat gute Nachrichten. Zwar wird die Ausstellung „Ground“ der legendären New Yorker Künstlerin und Experimentalfilmemacherin Leslie Thornton (*1951) vorübergehend noch geschlossen bleiben, ist nach Wiedereröffnung dann aber bis 26. Juli zu sehen. Gut so. Noch besser: Wer will kann jetzt schon das ausführliche Interview lesen, das Kunstvereins-Direktor Milan Ther kürzlich mit Thornton führte. Und das Beste: Die Künstlerin, die schon im New Yorker MoMA ausstellte, an der Whitney Biennal oder im Centre Pompidou Paris ausstellte und regelmäßig an den international führenden Kunstfilmfestivals beteiligt ist, stellt anlässlich ihrer Schau in Nürnberg wochenweise Screenings einiger ihrer Filme ins Netz. Den Anfang macht Ground (2020). Es folgen ab 24.2. „Cut from Liquid to Snake“ (2018), ab 1.5. „Peggy and Fred in Hell: Folding“ (1983-2016), ab 8.5. „The Last Time I Saw Ron“ (1994), ab 15.5. „Jennifer, Where Are You?“ (1981) sowie „X-TRACTS“ (1975).

[18. April 2020] Momentan ist nichts zu hören, aber es ist da – definitiv. Als hätte Werner Reiterer es schon im vergangenen Jahr bei den Planungen zu seiner aktuellen Ausstellung im Kunstraum Dornbirn geahnt, verfügte der österreichische Künstler mit seiner jüngsten Arbeit „Talk a Walk on the Mind Side“ eine Ausgangssperre – und zwar für ein Gewitter. Eingefangen in der alten Halle des Kunstraums schmollt es gerade beleidigt vor sich in und wartet auf den ersehnten Ausbruch. Nachdem dieser Mitte März zur abgesagten Eröffnung ausblieb, steht er nun endlich kurz bevor, denn in Österreich werden derzeit die Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder spürbar gelockert. Einen eindrucksvollen Einblick in die tolle, witzige Arbeit gibt dieses Video. Krawumm! Übrigens: Parallel dazu sollte ursprünglich Reiterers Ausstellung „Projects, Drawings & Film“ in der Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle zu sehen sein. Ob diese verlängert wird, ist bei der Galerie zu erfahren.

[18. April 2020] Der Freiburger Galerist Albert Baumgarten hat heute schon mal kurz die Tür aufgemacht, zum Durchlüften seiner Räume für die nächste Woche, wenn die Galerien in Deutschland unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Viele werden dann ihre laufenden Ausstellungen um ein paar Wochen verlängern (wie Baumgarten mit Arbeiten von Volker Blumkowski, bis 30.4.), damit sie überhaupt noch eine Chance auf Publikum haben, andere lassen sich etwas Zeit und eröffnen erst, wenn ihre kommende Schau hängt. Auf der News-Plattform Artnet.com gibt es einen ersten Überblick.

[17. April 2020] Als erste Kunstinstitution in der Schweiz kündigte das Kunstmuseum Luzern heute nachmittag seine Wiedereröffnung nach der durch die Corona-Pandemie bedingten Schliessung für den 9. Juni 2020 an. Während die im Februar eröffnete Retrospektive von Marion Baruch nun neu bis 11. Oktober läuft, werden die Ausstellungen von Natalie Djurberg & Hans Berg, Hodlers Holzfäller: Die Schweizer Erfolgsserie sowie die Gruppenschau „I like a bigger garden“ erst 2021 zu sehen sein.

[17. April 2020] Eigentlich hätte jetzt am Wochenende die Aeschlimann Corti-Stipendienausstellung im Kunsthaus Pasquart in Biel eröffnen sollen. Und wie immer bei dieser wichtigen Schau der Bernischen Kunstgesellschaft wäre es voll geworden. Damit nun die ganze Aufmerksamkeit auf diese jüngere Generation Kunstschaffender des Kanton Bern nicht verpufft, hat man sich in Biel entschlossen zum einen Videos über die Preisträger zu produzieren und zu anderem mit Filmen einen Eindruck von der gesamten Präsentation zu geben. Sie werden während der Laufzeit der Präsentation veröffentlicht.

[17. April 2020] Auch die Plattform 20 wird verschoben. Die Präsentation ausgewählter Positionen von Schweizer Kunsthochschulen, die in diesem Jahr in der Fri Art Kunsthalle in Fribourg stattfindet, ist nun auf den Zeitraum vom 8. bis 23. August 2020 anberaumt.

[17. April 2020] „Ah, humanity!“ heißt die Ausstellung von Véréna Paravels und Lucien Castaing-Taylor, die am vergangenen Wochenende im Kunsthaus Hamburg vor Publikum eröffnen sollte. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen hat Direktorin Katja Schroeder sie nun zwar ohne Publikum auf Instagram eröffnet, aber nicht ohne Programm. Dazu gehört die inspirierende, äußerst lesenswerte Reflexion Life is wonderful des Filmwissenschaftlers Philipp Stadelmaier über die Gleichgültigkeit von Viren und Mikroben gegenüber Zukunftshoffnungen oder Krisenängsten der Menschen, um welche die Ausstellung kreist. Good read!

[16. April 2020] Das Weserburg – Museum für moderne Kunst in Bremen startet zusammen mit dem Forum demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst eine kleine Vorlesungsreihe zum Thema Antimoderne Kontinuitäten. Es geht um Strategien und Wirkungen des Kulturpessimismus. Die erste Video Lecture Kulturpessimismus als Querfront widmet sich der gegenwärtig beobachtbaren Aufweichung der Konturen vermeintlich gegensätzlicher politischer Lager durch gemeinsame Feindbilder. Drei weitere Folgen werden im Wochenrhythmus aufgeschaltet. Autoren der Lectures sind Fabian Bechtle und Leon Kahane.

[15. April 2020] Plötzlich diese Übersicht“: nichts wäre derzeit wünschenswerter. Damit wir wissen, wie lange die Pandemie noch unseren Alltag bestimmt, damit alles ein bisschen eindeutiger wird. Fischli/Weiss haben zwar eben diese Übersicht als Bär und Ratte für sich reklamiert, sie aber auch mit viel anarchischem Humor unterlaufen. Wenn also schon Lebenskunst in der Krise, dann sollte sie von Peter Fischli & David Weiss kommen. Die Basler Galerie Weiss Falk hat anlässlich der Corona-Quarantäne das Kino Süd reanimiert, das mit der Ausstellung von Timothée Calame 2016 seinen Anfang nahm. Jeden Tag gibt es auf Kino Süd ein neues Video zu entdecken, unter anderem von Fabian Marti, Marie Karlberg und Mathis Gasser. Das Schöne daran, meist geben gleich eine Reihe von Arbeiten Einblick in das Werk. Von Fischli/Weiss sind etwa „Der Lauf der Dinge“, „Der Rechte Weg“ und „Der geringste Widerstand“ zu sehen.

[15. April 2020] Schon was vor am Donnerstag um 19 Uhr? Da Apéro und Treffen mit Freunden, Kino und Theater und so manches mehr, gerade ausfällt, bietet das Act V2.0-Festival an, sich intensiv mit Performancekunst auseinanderzusetzen. Die Veranstaltung der Schweizer Kunsthochschulen (HGK FHNW Basel, HKB Bern, HEAD Genf, HSLU D & K Luzern, EDHEA Sierre, F+F Zürich und ZHdK Zürich) geht dieses Jahr ins Netz. Unter act-perform.net kann man bis zum 15. Mai 2020 meist jeweils zwei Performances schauen. Insgesamt sind es 44 Arbeiten. Sollte die Quarantäne bis Mitte Mai aufgehoben sein, das kann man auch zusammen machen. Am 16. April 2020 startet Act V2.0 um 19 Uhr. Melanie Meistre von der ZHdK mit „Frame“.

[15. April 2020] Schluss jetzt. Genug zuhause rumgesessen und tatenlos abgewartet, bis die Langeweile vergeht. Das Migrosmuseum für Gegenwartskunst in Zürich hat den Autor Urs Küenzi deshalb gebeten, uns zum Schreiben zu animieren. Kreativ werden, immer gut! In 15 Minuten – Uhr läuft – sollen wir uns am 18. April 2020 in seinem Schreibworkshop zur aktuellen Ausstellung Potential Worlds 1: Planetary Moments etwas zum Thema „Zimmerpflanzen im Museum“ einfallen lassen. Danach wird ausgetauscht und diskutiert. Klingt interessant? Dann aber schnell: der erste Termin ist bereits ausgebucht. Hier geht’s zur Anmeldung zum Zusatztermin: kunstvermittlung@migrosmuseum.ch

[15. April 2020] Das Kirchner Museum in Davos verlängert die aktuell geschlossene Ausstellung Die Skizzenbücher Kirchners. Vom Bleistiftstrich zum Hologramm nach Wiedereröffnung bis zum 8. November 2020. Erstmals wird dann auch der Kirchner Park aktiv genutzt. Zu sehen sind hier Skulpturen von Not Vital und Martin Disler.

[15. April 2020] Mit dem Projekt Museum zu Hause bietet das Kunstmuseum St. Gallen zahlreiche praktische Anregungen zur kreativen Beschäftigung für alle an, die sich gestalterisch mit der Sammlung des Hauses auseinandersetzen möchten. Aufgaben zum Weiterdenken, Rätseln, Gestalten regen an zum spielerischen Umgang mit ausgewählten Kunstwerken. 

[14. April 2020] Das Haus Konstruktiv in Zürich verlängert die beiden aktuellen Ausstellungen von Brigitte Kowanz und Otto Piene nach der Wiedereröffnung zum noch nicht näher bekannten Termin bis zum 13. September 2020. Eine gute Gelegenheit also, vor der ebenfalls verschobenen Art Basel (17. bis 20. September) noch schnell in Zürich vorbeizuschauen. Die für den Sommer geplanten Soloschauen von Mira Schendel und Oscar Tuazon hingegen werden auf 2021 verschoben. Ansonsten bietet das Haus derzeit online ein Best of der Ausstellungstrailer vergangener Jahre, unter anderem mit William Kentridge, Tobias Putrih und den Dada-Frauen Sophie Taeuber-Arp, Hannah Höch und Elsa von Freytag-Loringhoven.

[14. April 2020] Die Aufhebung der Grenze zwischen von öffentlich und privat ist ein Ansatz für die Perspektivverschiebungen in der Produktion und Betrachtung von Kunst. Wenn also rundherum die Ausstellungshäuser geschlossen sind, muss folglich das Ausstellungsprogramm in die Wohnzimmer kommen. Marco Hompes, Leiter des Museums Villa Rot in Burgriegden-Rot, hat das wörtlich genommen und stellt in entspannter Atmosphäre im Netz mit #stayathome – Filme zum Innen und Außen eine Auswahl von Videos zum Thema dieses weltweiten Appells vor.

[14. April 2020] Die bereits im artline>Jahreskalender für diesen Sommer angekündigte Ausstellung von Kathrin Sonntag: ICHDUERSIEESWIRIHRSIE im Kunstmuseum Solothurn verschiebt sich um ein ganzes Jahr in die Frühlings- und Sommermonate 2021. Alle aktuell geschlossenen Ausstellungen werden bis in den Sommer 2020 verlängert und können wieder besucht werden, sobald die Massnahmen des Bundesrats und der Kantone für die kommende Zeit geklärt sind.

kiwanga.jpgKapwani Kiwanga, Subduction Study #4, 2017, Ausstellungsansicht Kunsthaus Pasquart 2020, Courtesy the artist and Galerie Tanja Wagner, Berlin, Foto: Stefan Rohner, © Adagp, Paris, 2020

[14. April 2020] Das Kunsthaus Pasquart in Biel/Bienne lädt anlässlich der derzeit geschlossenen Soloschau von Kapwani Kiwanga zur Collage selbst fotografierter Steine mit den Bildern der in Paris lebenden kanadischen Künstlerin aus der Serie „Subduction Studies“ (2015-2017) ein. Das Projekt #collect:connect verbindet auf wunderschöne Weise Kunst und Natur, Ortsspezifität und Partizipation, Isolation und Gemeinschaft, analoge Erfahrung und soziale Medien.

[13. April 2020] Die Fondation Beyeler hat anlässlich der vorübergehenden Schließung ihr Digitales Programm überarbeitet und deutlich ausgeweitet ins Netz gestellt. Neben Artist Talks und thematischen Serien auf Social Media gibt es nun die Möglichkeit, per Video und Podcast einen Blick in die Sammlung sowie aktuelle Ausstellung mit Werken von Edward Hopper zu werfen.

[12. April 2020] Das Kunst(Zeug)Haus Rapperswil verlängert die aktuelle Ausstellung von Anna-Sabina Zürrer: Apokope bis 2. August 2020. Die hier ursprünglich ab Mai geplante Schau „shrarity – teilen, tauschen, verzichten“ wird auf Februar 2021 verschoben.

[10. April 2020] Was passiert im Museum, wenn niemand da ist? Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe berichtet darüber seit Anfang März in ihrem Blog, u.a. mit  Beiträgen zu Baldung Grien, Petersbúrger Hängungen und DIY-Tutorials, inspiriert von Werke aus der Sammmlung. Die Ausstellung „Inventing Nature – Pflanzen in der Kunst“, die am 29. Mai 2020 eröffnen sollte, wird um etwa ein Jahr auf Mai 2021 verschoben. Auch das Kunstmuseum Stuttgart infomiert sein Publikum regelmäßig über die Arbeit im geschlossenen Haus. Neben einem Rundgang durch die Sammlung gibt es sogenannte Museumsstorys, in denen Mitarbeitende per Video über ihre Projekte während des Shutdowns erzählen.

[9. April 2020] Das Kunsthaus Glarus hat heute die ausführliche Dokumentation seiner beiden aktuell nicht zugänglichen Ausstellungen Caroline Bachmann: 58 av. J.-C. und Jan Vorisek: Collapse Poem ins Netz gestellt. Ebenfalls digital verfügbar ist der Sammlungskatalog des Hauses.

[9. April 2020] Wer nicht sehen kann, soll hören: Die Freiburger Paul Ege Art Collection, kurz PEAC, ermöglicht den Zugang zu ausgewählten Arbeiten aus ihrer Sammlung schon seit längerem per Audio-Guide. Neue PEAC Podcasts gibt es jetzt zu Werken von Katharina Hinsberg, Peter Tollens und Reiner Ruthenbeck.

[9. April 2020] Das Aargauer Kunsthaus hat das neue Jahresprogramm 2020 bekannt gegeben. Demnach werden die Ausstellungen Sammlung Werner Coninx – Eine Rundschau, Denise Bertschi – Manor Kunstpreis 2020 (vgl. unser Künstlerin-Porträt) sowie CARAVAN 1/2020: Dominic Michel bis 9. August 2020 verlängert. Die folgende Ausstellungen von Julian Charrière ist auf den 5. September 2020 bis 3. Januar 2021 verschoben, die CARAVAN-Ausstellungen von Martina Mächler und Rachele Monti finden parallel vom 5. September bis 25. Oktober 2020 statt. Emma Kunz’ Dialog mit der zeitgenössischen Kunst eröffnet ebenfalls später. Die Ausstellung läuft vom 23. Januar bis 24. Mai 2020. Während der aktuellen Schließung des Museums bietet das Aargauer Kunsthaus unter dem Titel Live zu Hause verschiedene digitale Workshops mit Laura Flück an.

[9. April 2020] Andrea Domesle, Kuratorin des Videokunstprojekts videocity.bs, das seit 2013 in Basel Videokunst im öffentlichen Raum zeigt, hat in Kooperation mit der Mediathek der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW eine Video-Playlist zum Thema Food mit 14 Arbeiten von Judith Albert, Anette C. Halm, Wenfeng Liao, Jerôme Leuba u.a. ins Netz gestellt. Ein schöner, kurzweiliger Appetizer zum bevorstehenden Osterschmaus.

[9. April 2020] Die Zürcher Galerie Peter Kilchmann hat Videoarbeiten ihrer Künstler*innen ins Netz gestellt. Zu sehen sind unter anderen Tobias Kaspars „Hydra Life“ (2013) und “Give Me Pleasure“ (2019), eine Performance von Monica Bonvicini.

[8. April 2020] Das Genfer Centre d’Art Contemporain bespielt wegen der vorübergehenden Schliessung anlässlich der Corona-Pandemie seine virtuelle fünfte Etage mit zeitgenössischer Videokunst, Soundarbeiten und Künstler*innen-Statements. Aktuell zeigt das Projekt 5e bislang unveröffentlichte Arbeiten von Jon Rafman, Boris Mitic, Carola Bonfili, Cheryl Donegan u.a. Sehr cool.

[8. April 2020] Das CRAC Alsace in Altkirch präsentiert derzeit im wöchentlichen Wechsel auf seiner Homepage Video- oder Filmarbeitvon Künstler*innen aus seinem Programm. Aktuell ist die französisch-japanische „Conversation avec un cactus“ (2017, 45 Min.) von Elise Florenty und Marcel Türkowsky zu sehen.

[7. April 2020] Der Badische Kunstverein Karlsruhe hat bekannt gegeben, dass die beiden Ausstellungen von Jeremiah Day und Rory Pilgrim je nach Zeitpunkt der Wiedereröffnung des Kunstvereins mindestens bis zum Sommer verlängert werden. Die Ausstellungsprojekte Dinge, die wir voneinander ahnen und Dinge, die wir miteinander teilen hingegen, die im Rahmen der 25. Europäischen Kulturtage am 7. Mai 2020 eröffnet hätten, werden erst im Frühjahr 2021 stattfinden, da das Festival in diesem Jahr ausfällt

[6. April 2020] Die Alte Pinakothek in München ist seit Anfang April mit ihrer ständigen Sammlung weltweit über die internationale Plattform Google Arts & Culture im digitalen Raum zugänglich. Zu sehen sind Meisterwerke der europäischen Malerei vom 14. bis zum 18. Jahrhundert, 25 davon aufbereitet in ausführlichen interaktiven Erzähleinheiten. Zudem gibt es per Smartphone die Möglichkeit zum Virtual Reality-Rundgang.

[5. April 2020] Die Kunsthalle Palazzo in Liestal verlängert die derzeit geschlossene Ausstellung Intense Impressions: Figurative Malerei nach der Wiedereröffnung bis 21. Juni 2020. Die anschliessend geplante Ausstellung „Why so serious?“ wird erst 2021 stattfinden.