28/03/20

Tanz nach Abstandsregeln

Stay At Home in Basel

von red.

effinger.jpgLotte Meret Effinger, Surface-Glaze, 2015, Videostill, zu sehen in der Kunsthalle Basel Artist's Video Playlist, Courtesy the artist

Kunsthalle Basel
Ein Blick in die Artist’s Video Playlist der Kunsthalle Basel bestätigt: unsere Erinnerung täuscht uns nicht. Hier gab es in den vergangenen Jahren so viele tolle, packende, unheimliche, lustige und glamouröse Videoarbeiten zu sehen, dass man gut eine kleine Kunstfilmnacht damit veranstalten könnte. Bei einigen lohnt es sich, wuchtige Lautsprecherboxen anzuschließen, bei anderen den HD-Beamer ins Wohzimmer zu schleppen für den Ganz-großes-Kino-Effekt. Mit Arbeiten von Lotte Meret Effinger, Raphaela Vogel, Wong Ping, Mark Leckey, Joanna Piotrowska, Kaari Upson, Marina Pinsky u.v.m.


Und damit es zwischendurch nicht zu gemütlich wird, empfiehlt das Kunsthalle-Team, es Frank Fannar Pedersen & Javier R. Cobos nachzutun, die sich in diesen Tagen streng nach geltenden Abstandsregeln im leeren Oberlichtssaal als Gruppe von nicht mehr als zwei Personen zum „Physical Disdancing“ verabredeten. Sehr toll, so machen wir das auch!


Kunstmuseum Basel

Das Kunstmuseum Basel hat für die Öffentlichkeit zwar geschlossen, aber wirft man einen Blick in den Blog des Hauses, ahnt man, dass hier hinter den Kulissen schwer gearbeitet wird. Künstler*innen sprechen über ihre Werke, die in den verwaisten Ausstellungsräumen gerade vor sich hin schlummern – und vermutlich von geselligeren Tagen träumen. Mitarbeitende stellen ihre Lieblingsbilder vor, informiert und sehr persönlich. Für Kinder gibt es Mitmachbögen zum Download und für die Großen gleich ganze Bücher im PDF zu aktuellen Themenschauen, wie etwa den ambitionierten 200-Seiten-Reader zu „Circular Flow – On the Global Economy of Inequality“. Gut so, denn wann hätte man sonst die Muße und Konzentration, sich so intensiv auf diese komplexe Ausstellung vorzubereiten?



Cartoonmuseum

Auf der Website des Cartoonmuseums gibt Museumsleiterin Anette Gehrig eine Einführung in die Ausstellung des Zeichners Christoph Fischer. Der gebürtige Luzerner wurde bekannt mit eindringlichen Sozialreportagen wie „Chicago Westside“ (2011) oder „Auf der langen Bank“ über prekäre Lebensverhältnisse und Armut in der Schweiz. Andere Arbeiten entstanden auf ausgedehnten Reisen wie die Serie „Roadkill Road“ über todgefahrene Tiere auf US-amerikanischen Highways. In seiner jüngsten Serie „Während ich schlief“ skizziert Christoph Fischer Hunderte von Träumen. Wer sie sich trotz der geschlossenen Türen des Cartoonmuseums schon einmal ansehen möchte, kann sie in Buchform bestellen: Christoph Merian Verlag, Basel 2020, 192 S., 38 Euro / ca. 39 Franken.


Kunsthaus Baselland

Während die Pflanzen in Marlene McCartys Ausstellung „Into the Weeds“ einfach weiterwachsen, ist auch im Kunsthaus Baselland der Ausstellungsbetrieb zum Erliegen gekommen. Doch gleich ein ganzes Paket an Vermittlungsformaten gibt Einblicke in die Arbeit des Kunsthauses und seine Ausstellungen. So lädt Ines Goldbach donnerstags zwischen 10 und 12 Uhr zum Gespräch über Werke der aktuellen oder vorherigen Ausstellungen (Anmeldungen unter office@kunsthausbaselland.com). Und dann sind da noch Online-Führungen und der Book-Launch von Christoph Oertlis Monografie. Kann man sich alles in Ruhe ansehen: Christoph Oertli, Sensing Bodies, Verlag für moderne Kunst, Wien, 2020, 200 S., 28 Euro / ca. 43,90 Franken.


Museum Tinguely
Als Daniel Spoerri, dieses „bewegliche Multitalent“ (taz), am 27. März 2020 seinen 90. Geburtstag feierte, war das Museum Tinguely wegen der Coronavirus-Pandemie bereits seit zwei Wochen geschlossen. 2001 hatte hier Spoerris bislang grösste Retrospektive stattgefunden: „Metteur en scène d'objets“. Flankiert wurde die Schau von einem schönen Bildband und einem Hörbuch, für das der Künstler und Tänzer kurzweilige Beschreibungen und Anekdoten zu den 54 ausgestellten Werken eingesprochen hatte. Um uns die Zeit in der aktuellen Kunstpause zu vertreiben, hat das Museum die Audio-Dateien dieses längst vergriffenen Hörbuchs jetzt online gestellt. Ein Geburtstaggeschenk für Daniel Spoerri – und irgendwie auch für uns, denn wir dürfen es auspacken.






Museum Tinguely, Basel
Kunstmuseum Basel
Kunsthalle Basel
Cartoonmuseum, Basel