23/03/20

Ein Platz für die Kunst

Wegen der Corona-Krise wurde die Art Basel Hong Kong abgesagt – und findet nun im Netz statt

von Annette Hoffmann

artbaselhkklein.jpgSo sieht es in diesem Jahr nicht auf der Art Basel Hong Kong aus, Foto: Art Basel Hong Kong, 2019, © courtesy art Basel

Die Bank ist zuerst da, noch vor der Kunst. Vielleicht sogar ein bisschen asiatisch gestylt, jedenfalls grundsolide. So als ob sich zwischen den Betrachter und das Werk nichts, aber auch wirklich rein gar nichts schieben könnte. Wir wissen es mittlerweile besser. Für uns ist die Bank da, dass wir uns im Virtuellen auf ihr niederlassen und Kunst anschauen können. Die Bank ist sozusagen unser Stellvertreter, denn wir müssen draußen bleiben. Die Art Basel Hong Kong ist nicht die einzige Veranstaltung, die wegen der Corona-Krise abgesagt werden musste. Doch es war eine besonders frühe und schmerzliche Absage, da sie nicht allein die Messe betrifft, sondern Galerien, ihre Künstlerinnen und Künstler, die Sammlerinnen und Sammler sowie das Publikum. Und sie trifft einen Kunstmarkt, der schon einmal bessere Tage hatte.

Corona hat etwas forciert, was längst zum Rechercheinstrument geworden ist, für alle, die sich für den Kunstmarkt interessieren. Die Kunst geht ins Netz: Online Viewing Rooms, sagt man bei der Art Basel dazu. Die Messe hat insofern nach der Absage nachjustiert, indem sie den eingeladenen Galerien eine Plattform angeboten hat, über die man sich über die präsentierten Werke informieren kann. Geradezu museal wirkt die Form, die die Messegesellschaft gefunden hat. Denn wann haben Sie sich das letzte Mal auf einer Kunstmesse auf einer Bank unmittelbar vor einem Werk niedergelassen, um es zu betrachten? Die Art Basel nutzt das Netz zur Entschleunigung, schließlich haben sich in den letzten Wochen und Tagen die Ereignisse genug überschlagen. Sie schafft eher eine museale Atmosphäre als einen Marktplatz: kein Gedränge, kein Trubel. Auch wenn mit der Entscheidung fürs Netz eine Transparenz der Preispolitik verbunden ist.

Wer sich durch die Galerien klickt, erfährt einiges vom Selbstverständnis der Galerie, kann die ausgewählten Werke heranzoomen, bei manchen Galerien wird man auf den eigenen Auftritt mit kurzen Videos verwiesen. Man blättert sich durch Vittorio Brodmann bei der Galerie Greogor Staiger, Konzeptkunst, Installationen, doch Malerei hat hier die besten Karten. Die Internetpräsenz ersetzt keine Koje und eine durchdachte Hängung. Die Online Viewing Rooms waren als Ergänzung zum Besuch der Messe gedacht. Sie werden sich in naher Zukunft verbessern, individueller werden, mehr in die Tiefe gehen. Ob sie ein Modll werden können, wird sich noch zeigen. Denn da ist die Pandemie, da sind aber auch Großereignisse, die viel Reisen verursachen und wenig nachhaltig sind.

Keine Frage, man kann hier Entdeckungen machen, doch noch ersetzt das virtuelle Schauen nicht die unmittelbare Gegenüberstellung. Das ist nahe an „Time Still Solo life“, wie eine Serie von Sun Daliang heißt, die von Hunsand Space präsentiert wird.

 

Bis 25. März 2020.




Art Basel