13/10/11

Das unsichtbare Wesen der Stadt

Vom Campus des Wissens in Basel zur verbotenen Hauptstadt Nordkoreas. Wir stellen neue Architekturbände vor.

von Administrator

Vom Campus des Wissens in Basel zur verbotenen Hauptstadt Nordkoreas. Wir stellen neue Architekturbände vor.




Tadao Ando: Novartis Campus, Fabrikstrasse 28, Christoph Merian Verlag, Basel 2011, 80 S., 32 Euro | 49 Franken
Der „Campus des Wissens“, den der Chemiekonzern Novartis bis 2030 auf einem 20 Hektar großen Areal im Norden Basels für rund 2 Mrd. Franken realisiert, gehört schon jetzt zu den Orten mit der weltweit höchsten Dichte an Spitzenarchitektur. Nach einem Masterplan des italienischen Architekten Vittorio Magnago Lampugnani als Stadt in der Stadt konzipiert, reihen sich dort bereits zahlreiche Bauten von Stars wie Frank O. Gehry, Roger Diener, David Chipperfield oder SANAA aneinander. Schade nur, dass Architekturfans allenfalls vom Zaun aus einen Blick auf dieses Labor zeitgenössischer Baukunst erhaschen können: das Gelände ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Seit 2006 kompensiert deshalb eine aufwendig gestaltete Buchreihe diesen Mangel an physischer Erfahrung. Zu jedem Gebäude legt die Architekturhistorikerin Ulrike Jehle-Schulte Strathaus einen eigenen Band vor, der sich in Essays namhafter AutorInnen und ausführlichen Bilddokumentationen den Besonderheiten der Bauten widmet. Soeben erschien nun Band 12 zu Tadao Andos spitzwinkligem Laborhaus. Eine Dokumentation, die nur einen Wunsch offen lässt: statt des hochwertigen Papiers der Fotostrecken würde man noch lieber diesen unsagbar weichen Beton zwischen den Händen spüren, für die der Zen-Architekt und Ex-Profi-Boxer Ando so berühmt ist.


Architekturführer Pjöngjang
Philipp Meuser (Hg.), DOM Publishers, Berlin 2011, 360 S., 39,90 Euro | 56 Franken

Retortenstädte, Volkspaläste, Boulevards wie Landebahnen – was auch immer die Stadtplaner der Moderne an kühnen Fantasien hegten: In Pjöngjang wurden sie gebaut. Erstmals gibt jetzt ein zweibändiger Architekturführer Einblick in die verbotene Hauptstadt Nordkoreas. Während der erste Teil als Original-Reprint des offiziellen Regierungs-Guides daherkommt, liefert der zweite gut informierte, teils böse Kommentare auf die zwischen Utopie, Kitsch und Größenwahn changierende Baulust der nordkoreanischen Operettengeneräle. Schräg.