17/12/19

Immer für einen Gag gut

Kaum war Maurizio Cattelans Banane auf der Art Basel / Miami weg, war sie schon wieder da

von Annette Hoffmann

Banana_(white_background).jpg

 

 

 

Foto: wikimedia commons
Ob Maurizio Cattelan inzwischen bereut, sich 2011 nicht wie angekündigt von der Kunst zurückgezogen zu haben, ist nicht bekannt. 2019 war jedenfalls für den 1960 geborenen, in New York lebenden italienischen Künstler ein turbulentes Jahr. Im Herbst erst wurde seine Arbeit „America“ aus dem englischen Blenheim Palast gestohlen. Das Werk, mit dem Cattelan für den hübschen Witz sorgte, dass die Anfrage der Trumps an das Guggenheim Museum nach einem Van Gogh für das Weiße Haus mit einem echten Catellan erwidert werden konnte. Echt, weil die goldene Kloschüssel „America“ eine schöne Antwort auf den amerikanischen Traum des Donald Trump war.

Nun folgte im Dezember gleich der nächste Witz, der durch den Titel von Cattelans Arbeit „Comedian“ geradezu provoziert wurde. Auf der Art Basel/Miami war die Arbeit – eine mit silbernem Tape an die Wand geklebte Banane – von einem Künstlerkollegen von der Wand der Koje der Pariser Galerie Perrotin genommen und gegessen worden. Zuvor jedoch war die Arbeit so oft fotografiert und parodiert worden, dass die Galerie einen eigenen Instagram-Account eingerichtet hatte. Man sah dort getapte Schuhe, Pizzaschnitten, Bananen mit Kondomen, Schnitzel und nicht zuletzt einen an die Wand geklebten Trump. Selbst neapolitanische Obsthändler beteiligten sich an dem viralen Gag. Das Publikum schlug sich vermeintlich auf die Seite eines Künstlers, der sich über den Kunstmarkt lustig macht, von dem er selbst lebt. Dass jemand die Chuzpe hatte, die Banane als das zu verstehen, was sie ist, war lediglich die Steigerung einer medialen Aufmerksamkeit. Sie selbst war dann schnell ersetzt.

Das ist ziemlich kurzweilig. ‒ Geschenkt, dass die Konzeptkunst, beziehungsweise Marcel Duchamps „Fountain“, auch schon über hundert Jahre alt ist. Interessanter sind die mitschwingenden Ressentiments gegenüber zeitgenössischer Kunst und die Berichterstattung der großen Agenturen, die immer dann einsetzt, wenn auf Kunstmessen Arbeiten zerstört oder beschädigt werden. Geld wird anscheinend immer und nur dann interessant, wenn es mit Kunst verbunden ist und die Kunst, wenn sie ein „Snack“ ist, wenn sie leicht konsumierbar und zumindest im Ansatz kulinarisch ist.

Cattelan wird auch dies mit bedacht haben. Denn was ist von jemandem zu erwarten, dessen erste Einzelausstellung lediglich in einem Schild bestand, auf dem eine schnelle Rückkehr angekündigt wurde. Der Ausstellungsraum selbst blieb leer und verwaist, der Künstler war nicht anwesend. Maurizio Cattelan jedenfalls hat die Pointen für unsere auf Gags ausgerichtete visuelle Kultur. Kein Wunder, dass er sich nicht zurückgezogen hat.