14/03/12

Wissen, das keinem Kanon folgt

Neues aus den Verlagsprogrammen: von Raben, Skulpturen und der anderen Seite des Mondes.

von red.

Neues aus den Verlagsprogrammen: von Raben, Skulpturen und der anderen Seite des Mondes.

Wissen, dass keinem Kanon folgt


Janet Cardiff, Georges Bures Miller, The Murder of Crows, 112 S., Hatje Cantz 2011, 39,80 Euro, 53,90 Franken
Umfassender als Janet Cardiffs und Georges Bures Millers “The Murder of Crows” lässt sich eine Publikation kaum denken. Nicht nur enthält der Band ein Interview mit dem Künstlerpaar sowie einen Aufsatz von Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev, ihm ist auch eine 30-minütige Dokumentation ihrer Audio-Arbeit „The Murder of Crows“ beigefügt und zudem eine 3D-Brille, damit dem Betrachter kein Effekt der Fotos entgeht. Suggestion ist nicht von geringer Bedeutung bei den drei alptraumhaften Sequenzen der Installation „The Murder of Crows“. 2009 wurde sie im Hamburger Bahnhof in Berlin als Klangfeld mit knapp 100 Lautsprechern präsentiert. Hell ausgeleuchtet sind Janet Cardiffs Träume deswegen nicht, aber die Perfektion, die die beiden Kanadier hier bewiesen haben, erzählt womöglich mehr über ihre Arbeitsweise als eine herkömmliche Dokumentation es vermocht hätte. Einen neuen Trend muss man in diesem Band jedoch nicht sehen.
Annette Hoffmann


Vaclav Pozarek: Library of Sculpture, Scheidegger & Spiess, Zürich 2012, 128 S., mit Beiheft, ca. 48 Euro, 54 Franken
Fällt das Begleitheft heraus, sind wir plötzlich alleine mit den Bildern in Vaclav Pozareks Künstlerbuch. Eine eindrucksvolle Begegnung: Dutzendfach hat der in Bern lebende Bildhauer hier gefundene Fotografien, faksimilierte Postkarten und Katalogabbildungen von Porträtbüsten aus rund zwei Jahrtausenden versammelt. Entstanden ist so ein dichter, intimer Bildessay über die Frage, auf welche Weise subjektive Wahrnehmung eigene Ordnungssysteme kreiert, die ihrerseits ein Wissen hervorbringen, das keinem Kanon folgt.
Dietrich Roeschmann


Die andere Seite des Mondes, Dumont Verlag 2011, 288 S., 39,95 €, 53 Franken
Man kennt sie als Muse, Modell und verstrickt in komplizierte Liebesgeschichten: Frauen in der Kunst. Der Ausstellungskatalog „Die andere Seite des Mondes. Künstlerinnen der Avantgarde“ zeigt sie nun als Akteure. Avantgarde meint hier gleichermaßen Dada, Surrealismus und Konstruktivismus und damit Strömungen der Kunst des 20. Jahrhunderts, die einen unabhängigen Frauentyp propagierten. Die acht Porträts – darunter Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp, aber auch die wieder zu entdeckenden Katarzyna Kobro und Claude Cahun – stellen keine Einzelkämpferinnen vor. Sie waren eingebunden in die Avantgardebewegung, mit Künstlerkollegen zusammen oder befreundet und verdienten ihr Geld durchaus auch mal im Kunstgewerbe. Der sorgfältig recherchierte Band erschließt ihr Werk und ihren Werdegang. Dass unter den abgebildeten Arbeiten viele Selbstporträts zu finden sind, dürfte kein Zufall sein. Selbstentwurf und künstlerisches Werk sind nicht voneinander zu trennen.
Annette Hoffmann


Hatje Cantz
Scheidegger & Spies
Dumont Verlag

Vaclav Pozarek, The Library of Sculpture
Bündner Kunstmuseum
Postplatz, Chur.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 6. Mai 2012.