17/03/09

Kunsthandlungen

Wie man erfolgreich Kunst studiert, einen Museums- besuch plant und wie Frauen Galerien führen.

von Annette Hoffmann

Wie man erfolgreich Kunst studiert, einen Museums-
besuch plant und wie Frauen Galerien führen.




Claudia Herstatt, Frauen die handeln. Galeristinnen im 20. und 21. Jahrhundert, Hatje Cantz 2008, 208 S., 29,80 €, 52.00 CHF
2008 waren von den 31 Ausstellern der Art Statements 16 Frauen, berichtet Claudia Herstatt in ihrem Buch „Frauen, die handeln. Galeristinnen im 20. und 21. Jahrhundert“. Der bewusst doppeldeutig gehaltene Titel verliert je jünger die Galeristinnen werden den Appellcharakter. Für die Galeristinnen der ersten Generation, von denen die Kunstmarktexpertin Claudia Herstatt Annely Juda, Denise René sowie Ileana Sonnabend und Antonia Gmurzynska porträtiert, mag der Schritt, eine eigene Galerie zu eröffnen, ein emanzipatorischer Akt gewesen sein, für diejenigen, Frauen, die dies in den letzten Jahren getan haben, ist er viel selbstverständlicher. Der Schnitt von wirklich erfolgreichen Künstlerinnen unter der Künstlerschaft mag anders aussehen, der Kunstmarkt jedenfalls ist nicht mehr eine überwiegend männliche Angelegenheit.

Kunstmarktgeschichten sind Erfolgsgeschichten, das ist auch in der vorliegenden Publikation nicht anders. Berichte von Fehlschlägen oder dem einen oder anderen nicht ganz so sauberen Deal, sucht man hier vergebens. Und auch der Optimismus, für den diese 32 vorgestellten Frauen stehen, dürfte angesichts der weltweiten Finanzkrise, nicht mehr ganz so aktuell sein. Man mag die eine oder andere Galeristin vermissen und den Aufbau der Porträts ein wenig schematisch finden. Doch Claudia Herstatt hat sich in Europa, Asien und den USA umgetan und zeigt eine Innensicht auf das Beziehungsgeflecht des Kunstmarktes. Zugleich versucht der Band zu klären, was eine erfolgreiche Galeriearbeit ausmacht. Begeisterung für die Kunst als notwendige Grundbedingung, aber auch Weiterentwicklung in die Breite oder in die Tiefe, neue, junge Positionen und immer wieder Loyalität zu den Künstlern. Ob Frauen den Handel mit der Kunst anders betreiben als ihre männlichen Kollegen, ist schwer zu sagen und dafür fehlen in diesem Band Vergleiche. In der Einleitung deutet Sandra Bürgel an (die nicht unter die Porträts aufgenommen wurde), dass Frauen im Kunstmarkt oft eine eher mütterliche Rolle zukommt. Erwin Wurm formuliert es anders; irgendwann, so kündigt er an, werde er seine Galeristin Ursula Krinzinger in eine Skulptur verwandeln. Wenn das keine symbiotische Beziehung ist.


Andreas Blühm, Fit fürs Museum, Illustrationen von Klaus Stuttmann, Hatje Cantz 2008, 128 S., 14,80 €, 26.00 CHF

Früher war alles klarer: „Das Museum ist jeden Sonntag von 12 bis 14 Uhr geöffnet. Es ist täglich für Ausländer und Touristen geöffnet, bei Vorlage des Reisepasses. Auf Anfrage des Direktors der Kunstakademie können Studenten vom 1. April bis zum 1. September von 7 Uhr am Morgen bis zum Abend das Museum besuchen. Wenn die Kunstklasse kommt, soll der Direktor die Modelle möglichst auf einen Saal konzentrieren, um die Aufsicht zu erleichtern. Studenten, die Lärm machen, stören und sich nicht an die Regeln halten, wird der Eintritt verwehrt. Kein Gemälde darf ohne Zustimmung des Konservators von seinem Platz bewegt werden. Es ist verboten, Hilfslinien auf den Gemälden anzubringen, die kopiert werden“, so 1829 der Bürgermeister von Dijon. Heute herrscht weniger Eindeutigkeit. Es gibt Museen zum Thema Brot, Flugzeugen, Salz und dem Tod. Sie alle eint, bei aller Verschiedenheit die Funktion des Museums, die das International Council of Museums so definiert: „Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“
Ganz so trocken fasst es Andreas Blühm in seiner Publikation „Fit fürs Museum“ nicht – noch weniger Klaus Struttmann, der den Band mit launigen Illustrationen versieht. Denn auch wenn der Titel eher Ratgeberliteratur vermuten lässt, erinnert der Direktor des Wallraf-Richartz-Museums an Aufgaben des Museums, die über dem Kunsthype fast vergessen wurden. Dass zum Erforschen und Bewahren auch die eigene Sammlungsgeschichte als Teil des kulturellen Erbes gehört und dass sich der Kunstgeschmack wandelt und jedes Bild so seine zweite Chance bekommt.

Kunst aus Bildung, hrsg. von Montag Stiftung Bildende Kunst, Bonn, Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2008, 112 S., 24,00 €, 43 CHF
2:98 . Die Zahlen sprechen für sich. Und doch lag es wohl kaum an der schlechten Quote von Akademieabsolventen, die erfolgreich auf dem Kunstmarkt agieren, dass Mitte November 2007 an der Kunstakademie Münster das Symposium „Kunst aus Bildung“ stattfand. Man muss wohl der eingeladenen Ruth Nowak Recht geben; es ist der Bologna-Prozess, der die Kunstakademien zur Selbstreflexion zwingt. Also jene politische Entwicklung hin zu einer europäischen Vereinheitlichung der Studiengänge. Der Buchtitel dieser Zusammenfassung des Symposiums „Kunst aus Bildung“ sagt es bereits, die Kunstakademien folgen nicht den Vorgaben von Bologna, statt Ausbildung setzt man auf den traditionsreichen Begriff der Bildung. Und man hält in Deutschland an dem Meisterschülersystem fest, auch wenn die Zahl derjenigen Absolventen, die von ihrer Kunst leben wird können, bei zwei Prozent liegt.
Viel ist in den ausgearbeiteten und erweiterten Tagungsbeiträgen von der Autonomie des Einzelnen und der individuellen Verantwortung zu lesen. Die Wiener Hochschulprofessorin Sabeth Buchmann spricht vom Hervorbringen von Künstlerinnen und Künstlern, die es auch werden wollen, die Schriftstellerin erinnert an die gesellschaftliche Tugend des Citoyens der Teilhabe. Und Helmut Draxler sieht in der Anstiftung zu Autorschaft und Selbstorganisation die Voraussetzung zur jeweiligen politischen und ästhetischen Autonomie. Doch was hilft’s, wenn die finanziellen Mittel zur Teilhabe fehlen. Symptomatisch scheint, dass viel über die Ausbildung zum freien Künstler, kaum aber über die zum Kunsterzieher gesprochen wurde. Noch immer bildet der scheiternde Künstler wohl die notwendige Kehrseite des erfolgreichen Künstlers in unserer Gesellschaft.