16/10/19

Zeichnung des Klangs einer geplanten Skulptur

Angela Bulloch ist an den Donaueschinger Musiktagen und im Museum Art.Plus zu Gast

von Dietrich Roeschmann

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Angela Bulloch, Elliptical Song Drawing, Peacock Blue, 2018, Courtesy the artist, Foto: Eberle & Eisfeld
Hört man den jüngsten Arbeiten von Angela Bulloch (*1966) beim Entstehen zu, klingt das so, als würde ein Teamleiter beim Arbeitsgruppen-Meeting am Flip Chart die Vertriebsgebiete für das kommende Quartal skizzieren. Mit quietschendem Filzstift auf Papier legen sich dann die Kreise und Ellipsen übereinander, in verschiedenen Farben, bis am Ende eine diese luftig-abstrakten Zeichnungen fertig ist, die derzeit an den Litfasssäulen in der Region und an den schwarzen Brettern von Musikhochschulen in ganz Europa in Plakatform auf die Donaueschinger Musiktage 2019 hinweisen. Dass die Wahl der Veranstaltenden bei der Motivgestaltung in diesem Jahr auf Angela Bulloch fiel, ist nur konsequent. Seit den frühen 1990er Jahren experimentiert die Kanadierin, die heute in London und Berlin lebt, mit künstlerischen Verfahren, die durch bestimmte Systeme und Regeln unsere Wahrnehmung strukturieren. Nicht anders funktioniert Musik.

Bekannt wurde Bulloch um 2000 mit ihren „Pixelboxes.” Die würfelförmigen Leuchtkästen waren im Kunstraum beliebig stapelbar und interpretierten die Minimal Art eines Donald Judd oder die Konzeptkunst eines André Cadere aus der Perspektive von Design und Popkultur neu. Jede Box enthielt drei Leuchtstoffröhren mit einem Spektrum von je 256 Farbtönen, die sich einzeln am Computer programmieren ließen. Die enorme Variationsbreite der Farbwerte setzte Bulloch zur Übertragung von Film- in Lichtsequenzen ein, etwa in „Z Point” (2001),  der Verpixelung eines winzigen Ausschnitts aus Michelangelo Antonionis Kinoklassiker „Zabriskie Point”.

Auch die Plakatmotive für die Donaueschinger Musiktage verdanken sich dem Delegieren des Bildprozesses an technisches Gerät, in diesem Fall an eine zweidimensionale Zeichenmaschine, die digitale Soundinformationen in elliptische Bewegungen eines mit Stift versehenen Roboterarms übersetzt. Das Musikstück „Heavy Metal Hercules” für sechs E-Bässe, das Bullochs automatischen Zeichnungen zugrunde liegt und Stimme für Stimme per MP3-Datei eingelesen wurde, entstand wiederum nach den Koordinaten einer Skulpturenserie im Look von Constantin Brancusis „Endless Column”, die sie zum Zeitpunkt der Komposition allerdings noch nicht realisiert hatte. Bulloch und der französische Komponist Augustin Maurs (*1975) entwarfen also gewissermaßen einen Klangkörper als Modell für eine künftige Skulptur. Die Künstlerin, die seit 2018 als Professorin für zeitbasierte Medien an der HFBK Hamburg lehrt, kehrt mit ihrer „Song Activated Drawing Machine” an die Anfänge ihrer Karriere zurück. 1990 bereits hatte sie eine Maschine entwickelt, die für die Anfertigung einer Zeichnung exakt so lange brauchte, wie die Ausstellung dauerte, in der sie zu sehen war. Ihre jüngste Maschine steht nun im Zentrum einer kompakten Soloschau, die das Museum Art.Plus Angela Bulloch anlässlich der Musiktage widmet.    

       

Donaueschinger Musiktage.
17. bis 20. Oktober 2019.

Angela Bulloch.
Museum Art.Plus
Museumsweg 1, Donau­eschingen.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
17. Oktober bis 17. November 2019.

 

 

 




Museum Art Plus