28/09/12

Going public

340 Tonnen Stein, Pavillons und Kletterwände für die Städte. Neuerscheinungen nehmen den öffentlichen Raum in den Blick.

von red.

340 Tonnen Stein, Pavillons und Kletterwände für die Städte. Neuerscheinungen nehmen den öffentlichen Raum in den Blick.

Going Public


Ends of the Earth: Land Art to 1974, Prestel Verlag, München 2012, 264 S., 49,95 Euro | 74 Franken
340 Tonnen wiegt der Felsbrocken, den der Landschaftskünstler Michael Heizer kürzlich vor einem Museum in L.A. abstellte – als schwerste Skulptur der Welt. Klar: dass Land Art die Kunst der Machos, Nerds und Superhelden ist, ahnten wir schon lange. Doch es geht auch anders. Entspannter, leichter, lustiger. Wie, das erzählt dieser tolle Band über die bewegte Geschichte einer Kunst, die schon immer lieber im Freien spielte als im Museum – auch wenn sie jetzt noch einmal dorthin zurückkehrt: als Highlight des Kunstherbstes im Münchner Haus der Kunst.
Dietrich Roeschmann


Alex Furger: Ruinenschicksale, Schwabe AG, Basel 2012, 319 S., 68 Euro | 98 Franken
Am Anfang stand ein Erdbeben, das es nie gab. Als Alex Furger, früherer Direktor von Augusta Raurica, nach den Ursachen forschte, welche die römische Anlage bei Basel um 250 n.Chr. zum Einsturz gebracht hatten, ließ sich seine These vom Rumoren der Erde nicht erhärten. Stattdessen stieß er im Katalog der Möglichkeiten zwischen Krieg, Bergsturz, Plünderung oder Materialraub auf stichhaltige Belege für ein verheerendes Hochwasser. Die Unmengen an Material, die er anlässlich dieses Projekts europaweit zum Verfall historischer Architekturen recherchierte, hat Furger nun in einem opulent bebilderten Band über das Schicksal ruinöser Gemäuer vom Engadin bis Griechenland zusammenfasst. Ein Standardwerk, das sich nicht nur spannend wie ein Krimi liest, sondern auch bestens als archäologisches Begleitbuch zur konzeptuellen Ruinenforschung von Künstlern wie Cyprien Gaillard, Deimantas Narkevicius oder Lida Abdul taugt.
Dietrich Roeschmann


Claus Bury: Bauernarchitektur, Wienand Verlag, Köln 2012, 120 S., 34 Euro | 49.90 Franken
Seit 30 Jahren holt sich der Bildhauer Claus Bury auf Exkursionen zwischen Acker, Feld und Wiese Anregungen für seine monumentalen Skulpturen im öffentlichen Raum. Erstmals versammelt er diese „Vorbilder“ nun in einem Fotoband. Mit dezentem Humor und nüchternem Blick, der in seiner Strenge entfernt an die Industriefotografie in Schwarz-Weiß von Bernd und Hilla Becher erinnert, erfasst Bury hier temporäre Zufallsarchitekturen, deren Formen und Ausmaße allein den Ernte- und Verwertungszyklen der Landwirtschaft gehorchen: Sauber gestapelte Heuballen, die wie struppige Modelle imaginärer Städte in der Landschaft stehen, schimmernde Monumente aus Silage-Paketen, zu Rollen gepresstes Stroh in minimalistischen Reihungen bis zum Horizont. Dieses Buch ist mehr als das Workbook eines Bildhauers: Es erzählt eine kurzweilige Geschichte der Skulptur aus der Perspektive des Bauernhofs.
Dietrich Roeschmann


Going public. Public architecture, urbanism and interventions, Gestalten, Berlin 2012, 272 S., Englisch, 49,90 Euro | 69 Franken
Sicher, man kann öffentliche Plätze auch einfach mit Parkbänken möblieren oder den Bau einer weiteren Mall veranlassen. Doch, was der Band „Going Public“ an Projekten für städtische Räume oder unscharf definierte Brachen zusammengetragen hat, ist derart inspirierend, dass es zur Pflichtlektüre für alle Stadt- und Landschaftsplaner werden sollte. Die Pavillons, Sitzgelegenheiten, Brücken oder Gärten werfen nicht nur die Frage auf, wem eigentlich der Raum gehört, sondern entwerfen zugleich Orte der Kommunikation und der Begegnung. Es braucht nicht immer die Demonstration, um Öffentlichkeit zu gestalten, manchmal genügt Muße, Bewegungsdrang und Neugierde. Die Stadt sind wir alle.
Annette Hoffmann

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