27/08/19

App Sculptures

Sylvie Fleury entdeckt die 3-D-Qualitäten von Emojis – und ist damit nicht alleine

von Dietrich Roeschmann

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Sylvie Fleury, ÎÔ, 2019, Ausstellungsansicht Kunstraum Dornbirn 2019, Courtesy the artist & Galerie Thaddeus Ropac, Foto: Miro Kuzmanovic, © Sylvie Fleury

Seit langem schon bespielt Sylvie Fleury die Nische zwischen Kunst und Konsum so ausgiebig wie kaum eine andere Künstlerin. Angefangen bei den Plüschraketen, Autofelgenbrunnen und Shopping-Bag-Installationen der frühen 2000er Jahre bis hin zu ihren jüngsten Objekten aus in Nagellack getauchten Schrottautos oder großformatigen Farbfeldmalereien im Look von Lidschatten-Paletten, die sie kürzlich im Song Art Museum in Peking ausstellte, interessiert sich Fleury in ihren Arbeiten für die Ökonomie des Begehrens. Es geht ihr um die Ambivalenz von Konsumversprechen, Luxus und Verschwendung, deren anachronistische Protzigkeit sie ebenso vorführt wie die heimliche Attraktivität, die trotz Kritik an fehlender Nachhaltigkeit, wasserdichten Belegen für Unfair Trade oder fortgesetzter Ignoranz gegenüber Öko-Standards Fetisch-Produkten wie ramponierten High-Fashion-Jeans oder Edel-SUVs anhaftet. Aus diesem Widerspruch zwischen der Anziehungs- und Abstoßungskraft des Glamours von Statussymbolen schlagen Fleurys Arbeiten ihr Kapital. Ihre Verführungsstrategie wirkt, sie produziert Begeisterung und Empörung gleichermaßen und begünstigt damit auf subtile Weise eine Rezeptionshaltung, die das Modell des kritischen Hedonismus der Neunzigerjahre wieder aufleben lässt. Im Zentrum steht dabei immer die Künstlerin selbst. Das verbindet sie mit Jeff Koons oder Damien Hirst, ebenfalls Heroen der Nullerjahre, die sich mittlerweile jedoch weitgehend in ihr Werk zurückgezogen haben und nur noch wenig Neues produzieren. Fleury dagegen ist derzeit in zahlreichen Museen präsent – nach ihrer großen Genfer Retrospektive im Frühjahr nun unter anderem auch im Kunstraum Dornbirn, wo sie mit aufblasbaren XXL-Versionen ihrer selbst und ihrer Katze auf komische und kluge Weise eine Persiflage auf Jeff Koons Balloon-Skulpturen liefert, vor allem aber die Materialisierung digitaler Symbole zelebriert. Ihre jüngsten Arbeiten entstanden mit der App Bitmoji, die aus Selfies personalisierte Emojis generiert. Dieser stark auf die visuellen Oberflächenreize der digitalen Kultur hin konzipierte Auftritt verwundert kaum. Schließlich gehört die 58-Jährige, für die künstlerische Zeitgenossenschaft immer schon die aktive Teilhabe an Hypes und Trends aller Art bedeutete, zu den lebhaftesten Instagram-Nutzerinnen ihrer Generation. 

Sylvie Fleury ist damit übrigens keineswegs allein. Im Skulpturengarten Weiertal bei Winterthur treiben im Teich auf aufblasbaren Einhörnern derzeit ein paar verrenkte Figuren von Olaf Breuning. Statt Gesichtern tragen sie kopfgroße Emojis – was ziemlich gruselig aussieht. In der Aarauer „Masken”-Schau, die Ende des Monats eröffnet, werden sich die Zwinker-Smiley-Typen des in New York lebenden Künstlers unter ihre Nachbarn aus der Analogwelt míschen.     

 

Sylvie Fleury: ÎÔ.
Kunstraum Dornbirn.
Bis 13. Oktober 2019.



Maske. In der Kunst der Gegenwart.
Aargauer Kunsthaus, Aarau.
1. September 2019 bis 5. Januar 2020.

 

 

 




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