16/06/19

Landpartie

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen.

von red.

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Schwimmende in der Aare in Bern, aus dem Band „Swim City”, Christoph Merian Verlag, Basel 2019, Foto: © Lucía de Mosteyrín


Swim City

Man könnte natürlich denken, Architekturmuseen sollen sich mal lieber um die bebauten Flächen einer Stadt kümmern, doch „Swim City“ hat sich mit dem Flussschwimmen ein derart charmantes Thema vorgenommen, dass man dies dem SAM wirklich nicht verdenken kann. Und dann sind da ja noch die architektonischen Elemente, die den Übergang zwischen Wasser und Land gestalten und die Auswirkungen auf die Lebensqualität, wenn sich ein Fluss als Flucht vor dem städtischen Dichtestress anbietet. Die Schau stellt das Schwimmen in Basel, Zürich, Bern und Genf vor –  neu ist Lausanne mit im Verein – und arbeitet die Unterschiede, die Eigenheiten von Rhein, Limmat, Aare und Rhone sowie die jeweiligen Traditionen heraus. So schwimmt man in Zürich eigentlich gar nicht im Fluss, sondern in Bädern, die in der Limmat installiert sind. Und natürlich hat die Ausstellung den Auftrag,  Flussschwimmer aller Länder zu vereinen, sei es in London, Paris oder New York und Berlin. Denn auch außerhalb der Schweiz wird in Flüssen geschwommen, nur sind dort die Widerstände oft größer. Die Gründe sind vielfältig, oft ist die Wasserqualität nicht gut genug oder es fehlt an einer gewissen Lässigkeit, was Badekleidung im öffentlichen Raum angeht. Und in Brüssel kämpft die Initiative „Pool is cool“ gar überhaupt für ein Freibad. Ein Teil von „Swim City“ ist das Rahmenprogramm mit Ferienworkshops und Erkundungstouren am und im Rhein, die Co-Kuratorin Barbara Buser übernimmt. Es wird wenige mit mehr Rhein-Expertise geben, Buser ist nicht nur Rheinschwimmerin, sondern die Architektin war auch erste Rhein-Fährfrau in Basel.  

SAM, Steinenberg 7, Basel.
Erkundungstouren am und im Rhein am 18. und 20. Juni sowie am 4. und 5. September 2019, je 18.00 bis 21.00 Uhr.
Bis 29. September 2019.
SAM

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen: Christoph Merian Verlag, Basel 2019, 224 S., 38 Euro | 43.90 Franken.

 

 

Robert Schad, Von Ort zu Ort

Robert Schad gehört nicht zu den Künstlern, die in kleinen Dimensionen denken. 2004 etwa hat er an seinem Wohnort Larians in Frankreich einen eigenen Skulpturenpark verwirklicht, in der Bretagne errichtete er vor drei Jahren einen über 300 Kilometer langen Skulpturen-Parcours mit 50 Arbeiten und 2007 wurde Schads Kreuz „Cruz alta“ im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima aufgerichtet. Es misst 34 Meter. Eine kleinere Version des Gekreuzigten findet sich nun vor dem Münster in Heiligkreuztal. Es ist einer von 40 Orten in der Region Bodensee-Oberschwaben, an denen 60 Skulpturen des Bildhauers stehen. Robert Schad wurde 1953 in Ravensburg geboren und ist der Region verbunden geblieben. Alle Skulpturen sind aus Stahl, wirken aber nicht schwer. Zudem verändert sich ihre Oberfläche je nach Sonnenstand und Witterung. Seine Skulpturen, so sagt Schad, „ziehen sich wie ein roter Faden durchs Land und bringen die unterschiedlichsten Orte in Oberschwaben in Verbindung“.

Man kann bis zum 30. November auf den Spuren des Bildhauers die Region Bodensee-Oberschwaben kennenlernen. Das Projekt wurde vom Land Baden-Württemberg, den beteiligten fünf Landkreisen und privaten Spendern realisiert. Eigens zu

seiner Organisation hat sich der Förderverein Freundeskreis Skulpturenprojekt Robert Schad gegründet. Die verschiedenen Skulpturenplätze überziehen Oberschwaben wie ein Netz und laden zu Entdeckungstouren ein, die zeitgenössische Kunst mit Kulturgeschichte verbinden. Stehen seine Werke doch an derart geschichtsträchtigen Orten wie der prähistorischen Heuneburg oder in Beuron mit seiner bedeutenden Klosteranlage. Was verblüfft und sich immer dann zeigt, wenn Schads Skulpturen im öffentlichen Raum, vor allem in der Natur ausgestellt sind, ist ihre Leichtigkeit. Es wundert nicht, dass der Bildhauer oft mit Tänzerinnen und Tänzern sowie Choreografen zusammenarbeitet. Die Linie ist es, selbst dann, wenn sie aus massivem Vierkantstahl besteht, die hier tanzt und das Material geradezu entmaterialisiert. Zumal die Werke nicht für die Ewigkeit an ihren Orten installiert sind, im Winter wird Schluss sein. Doch bis dahin sind sie Landmarken in der Region und werden sich in die Landschaft eingeschrieben haben.

Bis 30. November 2019.
Robert Schad Oberschwaben


 

Reservoir Festival

Linachtalsperre

Die 143 Meter breite Linachtalsperre bei Vöhrenbach im Schwarzwald ist die einzige Gewölbestaumauer in Deutschland. Der denkmalgeschützte Bau, 1922 von Karl Kammüller entworfen, war zwischen 1988 und 2007 außer Betrieb. Nach aufwendiger Sanierung dient die brutalistische Architektur heute wieder der Energiegewinnung – und bietet am vorletzten Samstag im Juli sowohl die Kulisse als auch die zentrale Soundressource für das von der Hochschule Furtwangen veranstaltete Reservoir Festival für experimentelle Musik und Medienkunst. Tagsüber gibt es Installationen, Konzerte und Workshops, abends Performances und Videoprojektionen auf die Staumauer, unter anderem mit einer Arbeit zur Mondlandung, die sich in dieser Nacht zum 50. Mal jährt.

20. Juli 2019, ab 15.00 Uhr.
Reservoir


 

Plateaux Festival

Samstagern

Eine Tür auf dem Acker, eine Mobilfunkantenne im Hühnerstall, ein giftig schillernder Findling im Gras – das Bio-Hofgut Froh Ussicht am unteren Zürichsee ist seit langem Schauplatz für kluge, bizarre und oft ziemlich erfrischende Dialoge zwischen Kunst und Landwirtschaft. Neben dauerhaften Installationen von Kunstschaffenden wie Dunja Herzog, Tanja Kalt oder huber.huber bietet Biobauer Martin Blum auf seinem Hof zudem regelmäßig Raum für ambitionierte Events. Das diesjährige Plateaux-Festival widmet sich hier der Frage: Wie nachhaltig kann Kunst sein? Auf der Suche nach Antworten werden bis zum Spätsommer rund 20 Künstlerinnen und Künstler das Gelände in ein Labor der Diffusion von Kunst, Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft verwandeln. 

Bis 7. September 2019.
Plateaux Festival


 

The View

Salenstein

Wenn The View – Contemporary Art Space in diesem Sommer nach Salenstein im Kanton Thurgau einlädt, dann geht der Anlass über die übliche große Sommerausstellung hinaus. The View wird in diesem Jahr zehn Jahre alt. Ein passender Anlass für einen Einblick in die Sammlung. So sind hier in den kommenden Monaten unter anderem Arbeiten von Brigitte Kowanz, Mischa Kuball, Till und Martin Walde zu sehen. Insgesamt sind knapp 30 Künstlerinnen und Künstler an dieser Ausstellung beteiligt. Doch darüber hinaus lohnt sich der Weg auch wegen der besonderen Location. Die prägnante Architektur der Räume – u.a. ein ehemaliges Wasserreservoir – ermöglichen ganz besondere Gegenüberstellungen mit der Kunst, sei es Malerei, Video, Skulptur oder Installation.

22. Juni bis September 2019.
The View


 

Paradise, lost

Kulturort Weiertal

Nicht grundlos heißt die diesjährige Skulpturenbiennale im Weiertal „Paradise, lost“. Denn Kurator Christoph Doswald hat sich über den kultivierten Garten hinaus in manch vages Terrain begeben. Und man darf dies nicht nur formal verstehen. „Paradise, lost“ setzt sich mit gesellschaftlichen Themen wie Abschottung auseinander. Die 24 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler – unter anderen haben Mirko Baselgia, Vanessa Billy, Beni Bischof und Sandra Knecht Arbeiten zur aktuellen Ausstellung beigetragen – befassen sich ausdrücklich mit dem politischen Aspekt des Themas. Wie bei jeder Ausgabe gibt es auch in diesem Jahr ein reiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Führungen und Diskussionen. Maja von Meiss, die seit 2001 im Weiertal Ausstellungen organisiert, wurde für ihr langjähriges Engagement im vergangenen Dezember mit dem Kulturpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet. Der Kulturort Weiertal ist dafür bekannt, einer interessierten Öffentlichkeit ein breites Spektrum an Kunst sowie neue Entwicklungen zu präsentieren.

Bis 8. September 2019.
Skulpturen Biennale


 

Triennale Kleinplastik

Fellbach

Wer je die Bedeutung der Kleinplastik angezweifelt hat, den sollte Brigitte Franzen in diesem Jahr eines Besseren belehren. Die Kuratorin der 14. Triennale Kleinplastik in Fellbach geht mit ihrer Ausstellung nämlich zurück zu den Ursprüngen. Und wer einmal eine steinzeitliche Venus oder den Löwenmenschen gesehen hat, der weiß: das waren zwar kleine Objekte, aber eben doch ein großer Schritt für die Menschheit. Natürlich sind in der Alten Kelter in Fellbach nicht die Originale zu sehen, die unweit von hier auf der Schwäbischen Alb gefunden wurden. Doch auch die Abgüsse haben ihr eigenes Charisma. Brigitte Franzen, die der Peter und Irene Ludwig Stiftung vorsteht, verbindet diese frühen Kunstzeugnissen mit zeitgenössischen Werken. Woher kommt die Kunst, lautet die Frage, die unter anderem Kunstschaffenden wie  Flaka Haliti, Ugo Rondinone und Haegue Yang gestellt wird. Die Alte Kelter wird bei der 14. Ausgabe der Triennale von Stellwänden befreit sein, so dass in diesem Jahr der Raumeindruck ein besonderer sein wird.

Bis 29. September 2019.
Triennale Kleinplastik


 

Kunst in die Stadt

Lahr

Guido Messer kennt sich mit Skulpturen im öffentlichen Raum aus. An seinem italienischen Wohnort Sassetta eröffnete er 2015 einen Skulpturengarten. Geboren wurde Messer 1941 in Buenos Aires, er studierte an der Kunstakademie Stuttgart und widmet sich seitdem der figürlichen Plastik.

Bis 15. September 2019.
Lahr


 

Schlosslichtspiele

Karlsruhe

In die Sterne gucken, war gestern. In Karlsruhe geht man mit der Videoinstallation von Maxin10sity einen Schritt weiter. Das ungarische Künstlerkollektiv, das in Karlsruhe zu einem Publikumsliebling avanciert ist, hat sich in diesem Jahr das All vorgenommen. Und so reist man visuell von der Ursuppe bis hin zu den schwarzen Löchern und der Verantwortung von uns Menschen für dieses Wunder.

8. August bis 15. September 2019.
Schlosslichtspiele