28/10/12

Maler und andere Legenden

Monografien über die Maler Peter Dreher, Allen Jones und Günter Fruhtrunk sowie über Frank Stella.

von red.

Monografien über die Maler Peter Dreher, Allen Jones und Günter Fruhtrunk sowie über Frank Stella.

Maler und andere Legenden


Peter Dreher: Die Kleeblume, Modo Verlag, Freiburg 2012, 128 S., 26 Euro | ca. 35.60 Franken

Was lässt einen Maler über 5000 Mal ein einfaches Mostglas abmalen? Peter Dreher erklärt es im Interview mit Hans Ulrich Obrist in seinem kürzlich im modo-Verlag erschienenen Buch als Reaktion auf die abstrakte Kunst der 1960er Jahre. Eine Zeit, in der die Aussage, man male realistisch, dazu führte, dass an einem grußlos vorbei gegangen wurde. Die beharrliche, malerische Auseinandersetzung liegt ihm auch heute näher als zeitgebundene Gesten oder formale Kapriolen. Sein schlichtes Geburtstagsbuch zeugt von dieser Haltung: Ein Text, ein Interview und 80 originalgroße Reproduktion seiner Serie von einer Kleeblume im Wasserglas, deren Anzahl seiner Lebensjahre entspricht.
Sören Schmeling


Allen Jones: Off The Wall, Hatje Cantz, Ostfildern 2012, 236 S., 35 Euro | 49.90 Franken
Sexistisch! Ein Skandal! Aus Fiberglas und Stahl gefertigte Schaufensterpuppen, gekleidet mit Korsagen und Schaftstiefeln, werden zu Möbeln umfunktioniert. Die Sadomaso-Möbelskulpturen von Allen Jones polarisieren. Der 75-jährige Brite ist eine Legende der Pop Art. Der Katalog dokumentiert Jones‘ bislang umfangreichste Retrospektive in der Kunsthalle Tübingen. Jones versucht sich als Designer und Szenograf und spielt mit ungewöhnlichen Bildformaten. Feministinnen dürften kaum zu seinen Fans gehören, denn eine gewisse Nähe zum Voyeurismus ist nicht zu leugnen, auch wenn sich die Autoren des Buches redlich bemühen, seinem Werk eine höhere Bedeutungsebene zuzuschreiben.
Florian Weiland


Günter Fruhtrunk, Hatje Cantz, Ostfildern 2012, 172 S., 39,80 Euro | 52 Franken
Auf der vierten Documenta 1968 war er einer der großen Stars und sorgte mit seinen farbigen Streifenbildern für Furore. Heute ist er weitgehend vergessen. Das Kunstmuseum Liechtenstein hat mit einer großen Ausstellung an den 1982 verstorbenen Münchner Künstler Günter Fruhtrunk erinnert und dabei die Aktualität seines Werks betont. Fruhtrunk, der sich früh für den Suprematismus und Konstruktivismus interessierte, steht in der Tradition der abstrakt geometrischen Kunst. Neben einem umfangreichen Abbildungsteil bietet der Katalog eine Reihe lesenswerter Essays, die Fruhtrunks Einflüsse aufzeigen, seine Nähe zur Musik herausstellen und seine Bedeutung für die heutige Kunst hinterfragen.
Florian Weiland


Frank Stella, Hatje Cantz, Ostfildern 2012, 312 S., 49,80 Euro | ca. 69 Franken
Erstes Aufsehen erregte Frank Stella Ende der 1950er Jahre mit seinen „Black Paintings“, monochromen Bildern ganz in Schwarz, denen er provozierende Titel wie „Arbeit macht frei“ gab. Doch schon bald verabschiedete sich der US-Amerikaner vom Minimalismus. Seine Arbeiten wurden kurvenreicher, plastischer und vor allem kolossaler. Mit den „Shaped Canvases“ sprengte er schließlich das klassische Bildformat. Bekannt sind auch die monumentalen Plastiken, die er für den öffentlichen Raum schuf. Mit seinen neuen Arbeiten zeigt sich Stella, der zu den wichtigsten Vertretern des Hard Edge gehört, von einer ganz anderen Seite – seine Schaffenskraft scheint ungebrochen. Mit 20 Jahren war Stella bereits ein Star, heute ist der mittlerweile 76-jährige Künstler eine lebende Legende. In Verbindung mit dem Verfahren des „Rapid-Prototyping“ eröffnen sich ihm vollkommen neue, geradezu unbegrenzte Möglichkeiten. Der faszinierende Band, der anlässlich der großen Stella-Retrospektive im Kunstmuseum Wolfsburg (bis 20.1.2013) erschien, gibt nicht nur einen breiten Überblick über das Werk dieses bedeutenden, oft unterschätzten Künstlers, sondern erzählt nebenbei auch 50 Jahre amerikanische Kunstgeschichte.
Florian Weiland

Modo Verlag

Hatje Cantz