25/06/19

Chen Fei

Der junge Maler und Bildhauer entwirft Raumzeichnungen zwischen technischem Bauen und organischem Wachstum

von Manuel van der Veen

IMG_1990.jpgChen Fei, ohne Titel, 2015, Courtesy the artist, Foto: Chen Fei

Chen Fei ist pure Kraft. Und diese überträgt er auf seine Werke. Das darf man nicht als einschlägige Gewalt missverstehen. In seinen Arbeiten wird vielmehr ein Energiefluss manövriert, der gebündelt erscheint oder gleichmäßig und ruhig ausgedehnt wird. Jede der Bewegungen ist äußerste Präzision, die kraftvoll ausgeführt eine Harmonie bedeuten.

Chen Fei, 1986 im südchinesichen Putian geboren, lebt in Freiburg, wo er an der Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Leni Hoffmann studierte und 2016 als Meisterschüler abschloss. Zurzeit arbeitet er mit einem Jahresstipendium des Förderprogramms Atelier Mondial in Paris. Seine Werke lassen sich durch zwei unterschiedliche Weisen, wie sie Energie lenken, charakterisieren. Zum einen wären da seine Arrangements aus unzähligen genormten Holzlatten. Innerhalb dieser Gebilde entsteht eine Spannung zwischen Zeichnung und Architektur, da der Künstler das Holz als Linie begreift. In der massenhaften Häufung der Linien wird ein äußerst raffiniertes Spiel aus Kraft und Gegenkraft sichtbar. Etwa inmitten einer Staffelung von Holzlatten, die sich an der Wand stapeln und schichten, um eine Art Relief zu bilden. Chen Fei bohrt bis zu 20 Zentimeter lange Schrauben durch das Holz, bis diese die über oder unter ihnen liegenden Latten von sich drücken. Was als gleichmäßig und gerade ausgerichtete Linie beginnt wird dadurch stetig umgelenkt.

Die neueren Holzkonstruktionen ruhen dagegen auf einem stabileren Fundament. Breite Balken lasten in „Turm” von 2018, realisiert auf dem Kunstweg am Reichenbach, wie ein stattlicher Leib in verharrender Pose. Die Offenheit der Form, die an Sol LeWitts „Open Cubes” denken lässt, nutzt das Volumen der Luft, ohne diese einzusperren. Die intelligente Verschränkung dreier geometrischer Körper lässt das Gebilde, je nach Standpunkt, immer neue Formen annehmen. Chen Fei gelingt es, eine Vielzahl an Kraft-Vektoren gegeneinander auszuspielen, sodass sie mal tektonische Ausgeglichenheit darlegen, mal organisches Wachstum.


Eine zweite Möglichkeit der Energieverteilung lässt sich in Chen Feis forschendem Umgang mit Flächen beobachten, deren Form, Bewegung und Valeur einen Farbfluss lenkt. 2016 platzierte er eine 1,5 mal 3 Meter lange Fläche horizontal auf einem hüfthohen Holzgerüst. An eine Tischtennisplatte erinnernd, bestand diese jedoch aus sechs einzelnen Platten, die keine Mitte aufwiesen. Vielmehr wurden die Segmente durch den Pinselstrich von links nach rechts mit dunkelgrünem Lack verbunden. Das leicht lasierende Grün zeigte Chen Fei als große, ausgedehnte Farbfläche mit waberndem Fluss, in deren sinnlicher Untiefe die Blicke versanken. Weitere Assoziationen zum Pool oder Teich gaben dem leeren Raum unter der Platte ein elementares Volumen.

Die künstlerische Forschung von Chen Fei entwirft sich somit auch entlang der Grundelemente. Der grüne Lack wird als plane, stille Wasseroberfläche gezeigt. Mit den Holzkonstruktionen fängt er dagegen das Volumen der Luft ein, wie auch die Stabilität und natürliche Unebenheit der Erde. Letztlich spielt Feuer eine entscheidende Rolle, denn häufig verbrennt der Künstler die ephemer platzierten Gebilde am Ende der Ausstellung. Im Video hält er dann die Vergänglichkeit und Metamorphose des Materials fest.

Es ist diese Natürlichkeit, die Chen Fei mit dem technischen Bauen konfrontiert, um seine Werke mit dem sie umgebenden Ort zu vereinigen. Zwischen Zeichnung und Architektur, zwischen flächenbetonter Untiefe und räumlicher Konstruktion steht die trainierte Bewegung, welche unterschiedlichste Kräfte mit harmonischer Eintracht betitelt.


Chen Fei & Annabella Spielmannsleitner & Benjamin Köder
Kunsthaus L6
Lameystr. 6, Freiburg.
Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
29. Juni 2019 bis 28. Juli 2019.




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