09/06/19

Simone Holliger

Die Genfer Künstlerin interessiert sich für Materialverfremdungen

von Annette Hoffmann

holliger_650x488_19-04-06_062_aerni.jpg

Simone Holliger, Komplex, 2019, Ausstellungsansicht Oxyd Winterthur, Foto: Georg Aerni, © Simone Holliger

Die dritte Dimension hat ihre Tücken. Tage, die unter Murphys Gesetz stehen, erinnern uns daran. Wenn wir stolpern, das Marmeladenbrot auf die falsche Seite fällt und wir ständig irgendwo anstoßen. In der zweiten Ebene wäre das nicht passiert. Simone Holliger (*1986) arbeitet sich mit einem Material der zweiten Dimension in die dritte. Das hat unter anderem zur Konsequenz, dass ihre Objekte sich manchmal gegenseitig stabilisieren müssen, Knüffe einstecken, eindellen oder einbrechen. „Fremde im selben Raum“ hieß etwa ihre Einzelpräsentation im Aargauer Kunsthaus im Rahmen der Auswahl im vergangenen Jahr. Da war alles drin, zwischen Abstoßung und Annäherung. Ihre Inspiration holt sich die in Genf lebende Simone Holliger immer noch aus der Fläche. Sei es, dass sie Zeichnungen oder Bilder adaptiert, wie etwa vor einigen Jahren eine Serie des italienischen Künstlers Alberto Magnelli, der Steine, die nur bedingt der Schwerkraft unterlagen, zeichnete. Sei es dass die Zeichnungen eine Art Schnittmuster bilden. Die Räumlichkeit erreicht die Künstlerin durch geklebte Kanten. Titel wie „Arme werden Beine“, eine Arbeit aus dem letzten Jahr, signalisieren, wie sehr die Objekte über sich selbst hinaus in den Raum wachsen wollen.

Dennoch tut sich Simone Holliger schwer, sich als Bildhauerin zu bezeichnen. Holliger hat in Genf Kunst studiert, in den letzten Jahren haben sich ihre Arbeiten von Installationen zu Räumen verdichtet. Manchmal ist das Papier, das sie von 20-Meter-Rollen abschneidet und mit Pigmenten zum Einfärben von Stoffen oder mit Grafit- und Wachsstiften behandelt, Hintergrund eines Reliefs oder eines Objekts. Manchmal jedoch schneidet sie aus dem vorgeblendeten Papier eine Art Arabeske. Die Formen, die dabei entstehen, wirken oft wie eigenständige Charaktere, manche haben etwas Anthropomorphes, andere sind gänzlich abstrakt. Sie haben Identifikationspotential durch ihre Art, sich gegen die dritte Dimension zu behaupten, auch wenn sie dabei statisch eigentlich nur verlieren können.

Simone Holliger an den
Swiss Art Awards 2019, Messe Basel, Halle 3, Basel, 10. bis 16. Juni 2019.

Simone Holliger Soloschau bei
Galerie Nicolas Krupp, Rosentalstr. 28, Basel.
Donnerstag bis Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 31. August 2019.




Swiss Art Awards 2019
Simone Holiger
Galerie Nicolas Krupp, Basel