24/10/12

Hipster unter sich

Was macht eigentlich der Hipster und taugt der Körper als Möbelstück? Bücher geben Antworten.

von Dietrich Roeschmann

Was macht eigentlich der Hipster und taugt der Körper als Möbelstück? Bücher geben Antworten.




Marc Greif (Hg.): Hipster. Eine transatlantische Diskussion, edition suhrkamp, Frankfurt a.M. 2012, 206 S., 18 Euro | 28 Franken
br>Zehn Jahre lang prägte der Hipster das Gesicht der urbanen Szeneviertel auf dem Sprung zur Sanierung. Von Brooklyn bis Berlin streunte er in Skinny Jeans und sorgsam ausgesuchten T-Shirts durch die Straßen, trug bedruckte Stoffbeutel über der Schulter, Vollbart und Hornbrille im Gesicht und in den Augen die glamouröse Arroganz des Bescheidwissers. Welche Bar war gerade angesagt? Welche Band? Welches Fashion-Label? Keiner wusste es besser als dieser Meisterauskenner, dessen Kreativität sich im Zurschaustellen exklusiver Lifestyle-Informiertheit erschöpfte. Dumm nur: Als Vorkoster der Gentrifizierungsprozesse in den Städten verkörperte er – ganz gegen sein heroisches Selbstbild – schon immer den Mainstream, in dem er nun komplett aufgegangen ist. Ein unterhaltsamer Sammelband, herausgegeben vom New Yorker Intellektuellen Mark Greif und ergänzt durch drei Beiträge zum Berliner Modell des Hipsters, versucht sich jetzt erstmals an einer umfassenden Analyse dieses Treppenwitzes der Subkulturgeschichte.


Dietmar Dath / Heike Aumüller: Verbotene Verbesserungen, starfruit publications, Nürnberg 2012, 152 S., 24,90 Euro | 34.90 Franken
Die Karlsruher Künstlerin und Musikerin Heike Aumüller („Kammerflimmer Kollektief“) fotografiert ihren Körper gerne als nacktes Dada-Möbel, als schlaffes Ding auf dem Kleiderbügel oder als Leiche im Gras. Die zentralen Fragen, die ihre Arbeiten stellen, lauten: Wo bin ich? Und: Wer bin ich? Um das auch im Spiegel der Literatur zu klären, hat sie nun den Autor Dietmar Dath eingeladen, auf ihre cool versponnenen Selbstverortungen mit seiner nicht minder irrlichternden Prosa zu reagieren. Intuitiv, überraschend, gut – wie Ambient Free Jazz auf Papier.

Suhrkamp Verlag

Starfruit Publications