16/04/19

Nachspiel im Museum

Das Kunstmuseum und das Theater Basel haben sich zum „Theater der Bilder“ zusammengetan

von Annette Hoffmann

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Das Theater der Bilder, 2019, Produktionsaufnahmen mit Thiemo Strutzenberger, © Kim Culetto
Erst kürzlich kamen das Theater Basel und das Kunstmuseum Basel zusammen. Der Anlass war geradezu zwingend und stand bereits im Titel der Ausstellung: „Füssli. Drama und Theater“. Wer in etwa die Hälfte der Füssli-Schau gesehen hatte und damit eine ganze Reihe theatralischer Momente, Posen und exaltierte Gefühle stieß auf etwas, was Thom Luz, Hausautor des Theater Basel, betont widerwillig eine Videoinstallation nannte. Es war ein Video, das vor allem vermied, ein lebendes Bild zu sein. Luz‘ „Zu Füssli“ zeigte Mitglieder des Ensembles, die eben noch Museumsbesucher waren, um im nächsten Moment Figuren der Weltliteratur in der Interpretation von Füsslis Bildwelten zu werden. Um dann wieder in der Unauffälligkeit des Museumsbesuchermodus unterzutauchen.

Jetzt intensivieren die beiden Nachbarn ihre Zusammenarbeit. Für „Das Theater der Bilder“ wurden über 20 Autorinnen und Autoren eingeladen, unter anderem waren der Dramatiker Philipp Löhle, das Ensemblemitglied des Theater Basel und Hausautor Thiemo Strutzenberger sowie Elisabeth Bronfen und Dorothee Elmiger darunter, sich mit einem Werk der Sammlung zu befassen. Sie alle haben einen berühmten Vorfahren. Schließlich hat sich bereits Dostojewski in seinem Roman „Der Idiot“ mit Holbeins Christus befasst. Die verschiedenen Textformen sind dabei alles andere als ein Audioguide, sie werden von Schauspielerinnen und Schauspielern des Basler Theaters verkörpert. Und auch erst dann, wenn die eigentlichen Museumsbesucher das Haus verlassen haben. Sozusagen ein Nachspiel für eine verstärkte Verbindung zwischen Wort, Schauspiel und Bild, diesmal unter der Regie von Daniela Kranz.

Der Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss etwa hat sich im Rahmen dieses Theaterparcours Gerhard Richters „Tizian“ ausgesucht. Die 1973 entstandene Serie nach Tizians Verkündigung hängt im Kunstmuseum Basel bei den Alten Meistern, das Motiv ist bis zur Unkenntlichkeit verschwommen. Für den bekennenden Museumsgänger Lukas Bärfuss ist eine Bildbeschreibung, wie er dem Magazin des Theater Basel in einem Interview mit Josef Helfenstein erzählte, eine Eroberung. „Meine Erfahrung mit der ‚Verkündigung‘ Tizians in der Scuola Grande di San Rocco ist dafür ein gutes Beispiel. Ich verstand das Bild nicht, bevor ich es nicht erzählt hatte“, sagt er. Und das soll „Das Theater der Bilder“ ja erreichen, das was uns vertraut oder eben so gar nicht mehr vertraut ist, zum Sprechen zu bringen. Thom Luz jedenfalls hat 2018 dann noch Thomas Bernhards „Alte Meister“ im Deutschen Theater in Berlin inszeniert.       

 

Das Theater der Bilder.
Kunstmuseum Basel, Vorstellungen am 17., 27. und 28. April 2019, jeweils um 20.00, 20.30, 21.00, 21.30 und 22.00 Uhr.

 

 


 

 




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