04/03/19

Von Nahem betrachtet

Volker Reinhardt berichtet von der Möglichkeit und Verzerrung einer großen Biografie

von Manuel van der Veen

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Volker Reinhardt, Leonardo da Vinci. Das Auge der Welt, C.H. Beck, München 2018, 383 S., 111 Abb., 28 Euro, ca 41.90 Franken


Mit der Biografie zu Leonardo da Vinci in der Hand, steht man ganz dicht neben dem Allround-Genie der Renaissance. Doch von Nahem betrachtet verfliegt etwas vom Glanz des strahlenden Heroen, der selbst penibel auf Sauberkeit bedacht war und sich nie an Deadlines halten konnte. Volker Reinhardt, der in Freiburg habilitierte und kurze Zeit unterrichtete, schafft es ganz nüchtern und wunderbar detailliert über Leonardos Malereien und seine Wege zwischen Florenz, Mailand und Rom zu berichten, ohne ihm übermenschliches anzudichten. So ist nach dem Buch völlig klar, wie viel man vielleicht nie erfahren wird und wie viel Legende im Leben und Nachleben des Künstlers eine Rolle spielt! Dadurch wird Leonardo wieder ganz aktuell, weil sichtbar wird, dass sich am vielschichtigen Mythos, der die allzu berühmten KünstlerInnen umgibt, bis heute nichts geändert hat. Volker Reinhardt schreibt voller Eleganz zwischen Sein und Schein und zeigt, dass Leonardo abseits von Humanisten und Theologen, auf die Malerei vertraute und sein Auge die schärfste Waffe war, um gegen festgefahrene Denkweisen Widerstand zu leisten.