20/09/11

Blickfänge zum Saisonstart

In Basel hat die Kunstsaison begonnen. Wir zeigen, was in den Galerien läuft. Ein Rundgang.

von Sören Schmeling
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In Basel hat die Kunstsaison begonnen. Wir zeigen, was in den Galerien läuft. Ein Rundgang.Günther Holder

Die Jagdsaison scheint eröffnet, das jedenfalls legt der Titel der Ausstellung „Röhrender Hirsch“ der Galerie Karin Sutter nahe, die zum „Saisonopening“ in Basel mit einer Gruppenschau erstmals am neuen Ort ihre Tore öffnet. Da steht er dann auch, in gelacktem Schwarz, der große Kunststoffhirsch neben einem kriechenden Jäger. Auch eine Sammlung von Bildertrophäen auf seidiger Jägertapete ist in der Ausstellung zu finden. Alles wirkt poppig bunt und quietscht oder röhrt angenehm schräg.

Wer nach derlei weidmännischen Freuden Lust auf Wald bekommt, der kann in einigen versteckten Winkeln der Galerie Katharina Krohn in Basel Entdeckungen machen. Zwar gehören die frühen „Waldstücke“ Günther Holders, fast zum Privatbesitz der Galeristin, doch hier und da zeigen sich noch ein paar der hochglanzlackieren Holzsegmente, die der Künstler aus seinen einstigen Großskulpturen herstellte. Sie zeigen organische Baumstrukturen, die durch Mehrfarblackierung ihre einstige Natürlichkeit verdecken wie hervorheben.
Seine neuen Arbeiten verweigern jedoch stärker diese „natürlich-künstliche“ Dichotomie: Holder verwendet jetzt schichtgeleimtes Holz, was seinen naturgegebenen Ursprung allein an den planen, seitlichen Schnittkanten durch gegenläufige Maserungen zu erkennen gibt. Auch die bisherige changierende Monochromie seiner schichtgelackten Objekte erweitert Holder stärker ins Malerische: Neben farblich zusammengehörigen Ensembles, weisen seine neuesten Arbeiten zwei Binnenfarbflächen auf einem Objekt auf, die mittig vertikal zusammenstoßen. Auch wenn der Farbkontrast durch die zurückhaltende fast ins Pastellhafte gleitende Farbwahl gemildert wird, erscheint hier, im Gegensatz zu den korrespondierenden Ensembles, die Immaterialität der Farbgrenze augengreiflich.
Weniger den Wald vor Augen als den Knall im Ohr evozieren die Arbeiten Roman Signers in der Galerie Stampa. Ob ein durchschossener „Koffer“, ein „Stiefel mit Kanone“, eine „Leiter mit Raketen“, immer scheint es grade gekracht zu haben. Auch seine „brandaktuelle“ performative Arbeit „Vier Schritte“ besteht aus vier durch das das Betreten der Auslöser gesprengten Tonpackungen, die nun zwischen floraler Ornamentik und einem im Ansatz steckengebliebenen Plastiksprengstoffanschlag oszillieren. In Signers Aktionsplastiken schwingt immer ein explosiv ironischer Mehrwert als das rein Sichtbare mit.

Nicht um den Knall, sondern ums Feuer dreht es sich dem Titel nach bei der Arbeit „Feuerstelle“ von Thomas Baumann in der Galerie Nicolas Krupp. Ein schlichter Tetraeder aus Stahlprofilen umrahmt einen Motor, der ein Gummiseil antreibt, in das eine Schlinge geknotet ist. Ging es bei Beuys’ „Feuerstätte“ noch um die Vermittlung von Wärme und Kälte, gerade der gesellschaftlichen, geht es Baumann wohl eher um eine Kritik an Ökonomie und Gesellschaft, die wie ein leerlaufender Motor seine letzten Reserven verbrennt und sich selbst die fremdgesteuerte Schlinge um den Hals legt. Das zumindest legt sein Zyklus „The Constitution of Liberty“ nahe, der Namensgeber der Ausstellung ist. An die leere, dem Verfall preisgegebene Central-Station der einstigen Autostadt Detroit befestigte der Künstler ein überdimensionales Buch. Dessen Titel, „Die Verfassung der Freiheit“, verweist dabei auf eine Schrift des Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich A. Hayek, der ein Verfechter des Wirtschaftsliberalismus war.

Wieder zurück zur Natur und zur Geschichte des Bildes geht es bei der Ausstellung von Werner von Mutzenbecher in der Galerie Gisèle Linder. Neben abstrakten Appropriationen ägyptischer, mittelalterlicher oder symbolistischer Gemälde – wie etwa Cranachs Eva oder Böcklins „Spiel der Najaden“ – zeigt von Mutzenbecher auch Aneignungen ornithologischer und botanischer Darstellungen. Und zwar in der ihm eigenen geometrischen Sachlichkeit und farblichen Prägnanz.
So bleibt am Ende des Rundgangs nur eines unklar, nämlich ob die Saison der Jäger oder doch eher der Sammler eröffnet ist.

Galerie Karin Sutter
Rebgasse 27, Basel.
Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 14.00 bis 18.30 Uhr, Freitag 11.00 bis 18.30 Uhr, Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr.
Bis 22. Oktober 2011.


Galerie Katharina Krohn
Grenzacherstr. 5, Basel.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 15.00 bis 198.00 Uhr, Samstag 12.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 8. November 2011.

Galerie Stampa
Spalenberg 2, Basel.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.30 Uhr, Samstag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 5. November 2011.

Galerie Nicolas Krupp
Rosentalstr. 28, Basel.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 29. Oktober 2011.

Galerie Gisèle Linder
Elisabethenanlage 54, Basel.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.30 Uhr, Samstag 10.00 bis 16.00 Uhr.
Bis 22. Oktober 2011.

Galerie Karin Sutter

Galerie Katharina Krohn

Galerie Stampa

Galerie Nicolas Krupp

Galerie Gisèle Linder