13/02/19

Bauhaus und Amerika

In Münster ist derzeit eine Ausstellung über die Entwicklung des Bauhaus in den USA zu sehen. Auch gut: der umfangreiche Katalog zur Schau

von Dietrich Roeschmann

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Xanti Schawinsky, Spectodrama: Ohne Titel, um 1938, Collage, Schwarz-Weiß-Fotografie, The Xanti Schawinsky Estate, Zürich

Fünf Jahre nach der von den Nazis erzwungenen Selbstauflösung des Bauhaus eröffnete 1938 im New Yorker Museum of Modern Art die erste um­fassende Retrospektive dieser Institution und ihrer Lehre. Einer der beiden Kuratoren der Schau war Bauhaus-Gründer Walter Gropius (1883-1969) selbst, der 1934 emigriert war und seit 1937 in den USA lebte. Sein Programm umriss MoMA-Direktor Afred Barr prominent auf dem Cover des Katalogs: „Das Bauhaus ist eine Antwort auf die Frage: Wie kann der Künstler ausgebildet werden, um im Maschinenzeitalter seinen Platz einzunehmen?“ Wie die großangelegte Schau, die in New York ihre Premiere hatte und anschließend für 16 Monate durch insgesamt 14 Städte an der Ost- und Westküste tourte, zur Verbreitung des Bauhaus-Gedankens in den USA beitrug, ist derzeit gut in der Ausstellung „Bauhaus und Amerika” im LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster nachzuvollziehen.

Ausgehend von der Schließung des Bauhaus Berlin 1933, nach der viele ehemalige Lehrende in die USA emigrierten, spannt die Schau in 150 Arbeiten von Bauhäuslern wie Anni Albers (1899-1994) und Josef Albers (1888-1976), László Moholy-Nagy (1895-1946) oder Xanti Schanwisky (1904-1979) über die damals junge US-Szene um John Cage (1912-1992), Merce Cunningham (1919-2000), Robert Rauschenberg (1925-2008) und Barbara Morgan (1900-1992) den Bogen bis hin zu zeitgenössischen amerikanischen Künstlerinnen und Künstlern wie James Turrell (*1973), Barbara Kasten (*1936) oder Daria Martin (*1973). Von Letzterer etwa stammt die betörende Filmarbeit „In the Palace“, die Oskar Schlemmers Stabtanz von 1927 in einer vielfach gebrochenen, mit zahlreichen kunsthistorischen Verweisen gespickten Reinszenierung in die Gegenwart übersetzt. Das flirrende Lichtspiel und der performative Charakter der Arbeit bringen den Schwerpunkt der Schau auf den Punkt. Es geht hier vor allem um „Experimente in Licht und Bewegung”, um die Erfindung des Künstlers als Performer, den Einsatz von Körpern, Strom und Industriematerialien zur Erzeugung ephemerer, fluider Zustände von Gegenwart statt lebloser Artefakte. Nicht zufällig steht die Bühne im Zentrum der Ausstellung. Bereits in den Vierzigern war sie Produktions- und Projektionsraum einer Kunst, in der Tanz, Skulptur, Malerei, Film, Fotografie, Licht- und Farbexperimente zu einer Einheit verschmolzen. Ihr Fokus auf Interdisziplinarität machte die aus dem Bauhaus hervorgegangenen Institutionen wie das Black Mountain College und das New Bauhaus Chicago zu Keimzellen der Zukunft.   

Bauhaus und Amerika.
LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Domplatz 10, Münster.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 10. März 2019.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen:
Kerber Verlag, Bielefeld 2018, 272 S., 58,00 Euro.




LWL – Museum für Kunst und Kultur, Münster