19/12/18

Blick aufs Unterholz

In der Galerie Knoell ist eine Zusammenführung von Landschaftsmalerei Friedrich Gilles und früher Fotografie zu sehen

von Annette Hoffmann

gille.jpg

Friedrich Gille, Fragment Natur. Oil and Light, Ausstellungsansicht Galerie Knoell
Auch Caspar David Friedrich hat im Plauenschen Grund gemalt. Dann aber keine moos- und flechtenbewachsene Steinplatten, die quer in einen schwefelgelben, wolkenverhangenen Himmel hineinragen. Von Dresden hat man es nicht weit und die schroffen Gesteinsformationen lockten die Maler. Christian Friedrich Gilles „Ansicht aus dem Plauenschen Grund“ ist anders, der Stein, der das Bild völlig dominiert, wirkt wie eine Grabplatte, abweisend versperrt er den Blick auf die Landschaft. Christian Friedrich Gille, der von 1805 bis 1899 lebte, zählt nicht zu denen, die in ihrer Zeit groß wurden. Die Arbeiten, die derzeit in der Galerie Knoell zusammen mit historischen Fotos der Sammlung Ruth und Peter Herzog gezeigt werden, sind nicht grundlos auf Papier entstanden, Gille starb verarmt, Leinwand war teuer.

Seine Ölskizzen wurden zu seinen eigentlichen Bildern, das seltsam Unrepräsentative, den merkwürdigen Bildausschnitt, das Interesse am Abwegigen rückt so ins Zentrum seiner Arbeit. Die Aufnahmen anonymer Fotografen, die überwiegend aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, zeigen, dass Gilles Perspektive etwas antizipiert hat: einen Blick auf das Eigentümliche, auf das Sperrige. Es ist verblüffend, wie ähnlich sich Gills „Abgestorbener Baum am Abend“ aus den 1860er Jahren und eine „Baumstudie im Wald von Fontainebleau“ ist, die wohl zehn Jahre früher aufgenommen wurde, sind. Manchmal finden sich durchaus konventionelle Landschaftsdarstellungen, meist jedoch richtet sich der Blick aufs Unterholz, mitten in einen Baum oder auf Wurzelwerk eines Baumes, das tot in die Luft ragt. Eine schöne Zusammenführung von Gleichzeitigkeiten.


Friedrich Gille. Fragment Nature. Oil and Light
Galerie Knoell
Luftgässlein 4, Basel.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 16.00 Uhr.
Bis 19. Januar 2019.




Galerie Knoell