19/11/18

Gasträume für die Kunst

Die Veranstaltung „Kunst: Szene Zürich” will die Szenen der Stadt verbinden

von Annette Hoffmann

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Kunst in allen Kreisen: Plakatkampagne für die „Kunst: Szene Zürich 2018”, Courtesy Stadt Zürich
Wann fing das an, dass man sich in Zürich die Quo Vadis-Frage stellen kann? Lange stand nicht außer Zweifel, dass alles besser, größer und bedeutender werden würde. Und auch der Ort war nichts, über das man sich den Kopf zerbrach. Die Limmatstraße war lange das Zentrum für alle, die sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander setzen wollten. Nun ist diese Sicherheit verflogen. Und wohl schon bevor das Löwenbräu-Areal umgebaut wurde, hatte die Adresse einiges von ihrem Charme verloren. Natürlich sind hier immer noch bedeutende Häuser wie die Kunsthalle Zürich, das Migros Museum für Gegenwartskunst, Luma Westbau und wichtige Galerien. Doch ein bisschen hat das Quartier seine Lässigkeit eingebüßt. Hinzu kommt, dass es in den letzten Jahren nicht einfacher geworden ist, Kunst zu verkaufen. Trotz Beteiligungen an wichtigen Messen und hippen Programmen sind auch Zürcher Galerien nicht da­-vor gefeit, schließen zu müssen. Künstlerinnen und Künstler hatten es ja noch nie wirklich leicht.

Was macht eine Stadt, wenn sie merkt, dass etwas in Bewegung geraten ist, dass sich Szenen verändern, ohne dass man wüsste, wohin sie sich bewegen? Sie eröffnet die Diskussion und bringt Künstler mit Vermittlern und dem Publikum zusammen. Vom 23. November bis 2. Dezember 2018 findet die „Kunst: Szene Zürich“ statt, die eigentlich eine Ausschreibung ist. Nicht nur Zürcher Kunstschaffende konnten sich bewerben, sondern auch Gastgeber, die gerne Teil der Projekts sein wollten und temporär Kunst- und Veranstaltungsort werden wollten. Wie weit es möglich ist, derartige Veränderungsprozesse zu steuern oder zu beeinflussen, sei dahingestellt. Die Stadt zeigt auf „Kunst: Szene Zürich“ auch, was sie tut. Die Ausstellung der städtischen Kunstankäufe im Helmhaus ist Teil des Programms und demonstriert, die Kunst ist der Stadt etwas wert.

Ein bisschen Wildwuchs ist erwünscht, lediglich die knapp 30 Ausstellungsorte wurden juriert, nicht aber die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler. So finden sich unter den Kunstschaffenden etwa Daniela Keiser, die 2017 mit dem Prix Meret Oppenheim ausgezeichnet wurde, Com & Com oder die 1987 geborene Kathrin Affentranger. Andere Künstlerinnen und Künstler sind nur einem lokalen Publikum bekannt. Vor allem sollen die Szenen ordentlich durchmischt werden. So zeigt die Kunsthalle Zürich etwa die Independent Art Publishing Fair Volumes, im Cabaret Voltaire wird zur Book Launch von

Fucking Good Art eingeladen, während im Quartiertreff Zehntenhaus nach neuen Perspektiven für die Kunst gefragt wird. Und dann gibt es noch die

„kleine Zürcher Off-Safari“ mit dem Titel „Quo vadis. Wenn „Kunst: Szene Zürich“ gelingt, muss dies nicht in neue Veranstaltungsformaten münden, sondern darin, die Szenen um ihre eigenen Gewissheiten gebracht zu haben.  

 

Kunst: Szene Zürich.
23. November bis 2. Dezember 2018.

Kunstankäufe der Stadt Zürich 2011-2018.
Helmhaus Zürich
Limmatquai 31, Zürich.
Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
29. November 2018 bis 20. Januar 2019. .

 

Bild:

Kunst in allen Kreisen: Plakatkampagne für die „Kunst: Szene Zürich 2018”, Courtesy Stadt Zürich




Helmhaus Zürich
Kunstzene Zürich