24/10/18

Zurück zur Haptik

Die Gruppenschau "Material Gestures" im E-Werk Freiburg spürt der Eigenproduktivität von Keramik, Ton und Latex nach

von Annette Hoffmann

material.jpgLiesl Raff, Hanging, 2017,  Installationsansicht E.-Werk Freiburg, Courtesy the artist, Foto: Marc Doradzillo

Mit dem Material ist es so eine Sache. Es kann Anlass größter sinnlicher Freuden sein, doch manchmal nervt es einfach nur. Mit seinem Video „Long-distance“ hat William Cobbing (*1974) so etwas wie eine Allegorie auf den Ton geschaffen, mit dem der Londoner arbeitet. Zwei blinde Hände greifen lustvoll in den Ton und kneten den Steg, der zwei klobige, grob geformte Köpfe miteinander verbindet. Immer wieder. Darunter verbergen sich der Künstler und seine Assistentin. Das Paar ist in einer nicht enden wollenden Annäherung auf Distanz gehalten. Ton kann manchmal eben auch ein wirklicher Widerstand sein.

Dass das Material derzeit verstärkt Thema der Kunst ist, nachdem unser Alltag immer virtueller wird, ist sich Heidi Brunnschweiler sicher. Es ist der Grundgedanke der von ihr kuratierten Ausstellung „Material Gestures. Material und Materialität in der Gegenwartskunst“, die in der Galerie für Gegenwartskunst im Freiburger E-Werk zu sehen ist. Nicht nur bei William Cobbing meint Material Ton. Die Gruppenschau bezieht den Freiburger Künstler Stephan Hasslinger (*1960) ein, der seit Jahren daran arbeitet, der Keramik die Schwere auszutreiben, indem er textile Strukturen, Spitze und Muster formt. Ton und Keramik standen über Jahre im Ruf des Kunsthandwerklichen und galten nicht eben als besonders zeitgenössisch. Die letzten Jahre haben diesen Standpunkt geändert. Carla Lavin (*1994) hat einen gänzlich anderen Weg als Hasslinger gewählt. Die junge Britin interessiert sich gerade für die Eigenschaften des Tons. Mehrere ihrer großen Gefäße der Installation „Bodies of the Anthropo­cene“, die die Tragfähigkeit des Materials testen, sind bereits kollabiert. Zwischen die Skulpturen, die Naturformen wie Blüten aufnehmen, hat Lavin mehrere Bildschirme verteilt, auf denen zu sehen ist, wie Ton in Gruben gewonnen wird. Ganz bewusst brennt Carla Lavin ihre Skulpturen nicht, so dass das Material wieder verwertet werden kann.

Auch natürlichen Ursprungs ist der Stoff, aus dem Liesl Raff (*1979) ihre Kunst macht. Raff gießt aus Naturkautschuk, dem sie Farbpigment beigibt, lange Latexstränge, die sie auf unterschiedliche Weise weiter verarbeitet. In ihrer Installation „Hanging“ sind die Stränge, die Raff über eine Metallstange gelegt hat, je nach Gussprozess und verwendetem Pigment mehr oder weniger lang. In ihrer Skulptur „Figure“ hat sie diese so um eine Stange gewunden, dass sie an Drechslerarbeiten erinnert. Auch das Material kann täuschen.


Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk Freiburg,
Eschholzstr. 77, Freiburg.
Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 17.00 bis 20.00 Uhr, Samstag 14.00 bis 20.00Uhr, Sonntag 14.0 bis 18.00 Uhr.
Bis 28. Oktober 2018.




Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk Freiburg