10/10/11

Im Spinnennetz der Geschichten

Sammlungsparcours: Die Fondation Beyeler widmet Louise Bourgeois eine Retrospektive.

von Annette Hoffmann
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Sammlungsparcours: Die Fondation Beyeler widmet Louise Bourgeois eine Retrospektive. Louise Bourgeois

Künstlerbiografien sehen üblicherweise anders aus. Sieben Jahre nach ihrer Übersiedelung in die USA hat Louise Bourgeois ihre erste Ausstellung in New York als Malerin, nach 1964 folgen weitere kleine Ausstellungen, nun als Bildhauerin. Einem größeren Publikum jedoch wird die französisch-amerikanische Künstlerin mit ihrer großen Retrospektive 1982 im MoMA bekannt. Sie ist damals 71 Jahre alt. Louise Bourgeois sei für ihn eine „museale Künstlerin“, sagt Ulf Küster, der die Ausstellung der im vergangenen Jahr gestorbenen Bourgeois in der Fondation Beyeler kuratiert hat. Eine Künstlerin also, die wusste, dass man fortan auf sie acht geben würde, dass sich ihre Werke in repräsentativen Räumen behaupten werden müssen.

Und so ist es einerseits nur konsequent, dass Küster, der Bourgeois zudem die Position eines Scharniers zwischen Pariser und amerikanischer Moderne einräumt, ihre Werke in die Sammlung integriert. Daher findet sich etwa neben Ellsworth Kellys „Blue Black Red Green“ ihre späte Serie „The Waiting Hours“, die sie aus Stoffen ihrer abgelegten Kleidung genäht hat und die die Heiterkeit eines Strandtages ausstrahlen. Und neben „Madame Cézanne au fauteuil jaune“ ist eine ihrer Skulpturen, eine Säule aus aufeinander gestapelten Gobelinkissen, platziert. Andererseits ist es eine Crux mit den Werken von Bourgeois, die kaum ohne biografische Anekdoten auszukommen scheinen. Küsters Ausstellungsparcours forciert dies, umso mehr er diese historisiert. Bourgeois’ Gobelins werden in Verbindung mit Cézannes Bild eine Chiffre für die marginale gesellschaftliche Position der Frau im 19. Jahrhundert. Das dient wenig der Rezeption von Bourgeois’ Werk und es wäre seiner Bedeutung angemessener gewesen, es autonom zu zeigen – so wie im Souterrain mit ihrer Serie „The Insomnia Drawings“ und ihrer beeindruckender Installation „Passage Dangereux“ geschehen.

Fondation Beyeler
Baselstr. 101, Basel-Riehen.

Öffnungszeiten: Täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 8. Januar 2012.
Zur Ausstellung ist im Oktober eine Publikation erschienen, Hatje Cantz 2011, 144 S., 16,80 Euro | 24.90 Franken.
Fondation Beyeler