24/09/18

Die Komplexität der Billboards

Das Bild ist in Klodin Erbs Ausstellung "Ein langer Tag" im Helvetia Art Foyer immer schon ein Hybrid

von Annette Hoffmann

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Klodin Erb, Monkey see, Monkey do (l.); J’adore with joy (r.), beide 2018, Courtesy the artist, Foto: Viktor Kolibàl
Der Titel der aktuellen Einzelschau von Klodin Erb (*1963) im Helvetia Art Foyer klingt wie ein Seufzer: „Ein langer Tag“. Tatsächlich ist niemand zu sehen, der ihn ausgestoßen haben könnte. In Erbs gleichnamiger Videoarbeit zieht eine paradiesische, einsame, gemalte Landschaft an unserem Auge vorbei. Das Licht vollzieht die Veränderungen nach, die sich im Laufe eines Tages ergeben. Es wird dunkler und irgendwann wieder heller. „Ein langer Tag“ geht auf Erbs Einzelausstellung im Kunsthaus Pasquart in Biel / Bienne zurück, wo sie Anfang des Jahres in einer langen Vitrine Landschaftsbilder aneinanderreihte und diese danach abfilmte. Die Schnitte zwischen den Bildern gehen auf die aufeinanderstoßenden Glasplatten zurück, denn hier ist alles analog.

Doch Klodin Erbs Ausstellung „Ein langer Tag“ befasst sich auf grundsätzliche Weise mit dem Bild und die Zürcher Malerin gehört bekanntlich zu jenen, die das Medium selbst für eine solche Auseinandersetzung herbeizitiert. Ihre neue Werkgruppe der „Billboards“ ist ein wilder Motivmix, der sich auch auf den verschiedenen Ebenen von Popkultur und weniger Profanem bedient. In den „Billboards“ führt Klodin Erb eine Auseinandersetzung mit dem Religiösen fort, deren Anlass für diese Ausstellung nicht zuletzt Jean Tinguelys „Cenodoxux Isenheimer Altar“ ist, der dauerhaft im Foyer installiert ist. Erb bezieht sich dabei nicht allein auf das Christentum und die anderen Weltreligionen, sie bindet auch die Versuchungen der Waren- und Werbewelt mit ein, denen sie dadurch einen quasi religiösen Status zubilligt. Im Sinne der Selbstoptimierung.

Indem Klodin Erb das Medium der Billboards aufgreift, öffnet sich ihr ein ganzes Arsenal an Gestaltungs- und Bildelementen. Ganz selbstverständlich gehören die Typografie und Slogans dazu. Ihre Bilder reflektieren auch die oft so absurde Kombinatorik der Werbeindustrie. Doch auch das Referenzsystem Kunst ist noch fruchtbar, das sie sowohl formal als auch inhaltlich zitiert.

Darüber hinaus finden sich Anleihen aus der Filmgeschichte wie „Der blaue Engel“ oder „Casablanca“, aber auch der Werbespruch einer Online-Datingplattform. Das Bild, das sich dadurch von unserer Gegenwart ergibt, erzählt von einer manieristischen Zeit und von einer tief sitzenden Angst. Wer hätte gedacht, dass man Billboards ein derart komplexes Bildsystem einhauchen kann.     

 

Klodin Erb
Helvetia Art Foyer
Steinengraben 25, Basel.
Öffnungszeiten: Donnerstag 16.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 4. Oktober 2018.