16/08/18

Sieben Jahrzehnte Gegenwart

Drei Fragen an Helen Hirsch, Direktorin am Kunstmuseum Thun, zur Sammlung des Hauses

von red.

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Reto Camenisch, Niesen, 2001, Courtesy Kunstmuseum Thun, Fotos: Christian Helmle
Artline: Frau Hirsch, die Kunstsammlung Thun wurde gegründet, um „die geistige Haltung der Bevölkerung zu fördern”. Welche Funktion erfüllt die Sammlung heute?

Helen Hirsch: Die Sammlung ist Basis für das Schaffen des Museums, um weiterhin Kulturgut zu sammeln, zu bewahren und zu vermitteln. Ziel ist es, das künstlerische Schaffen der Region und der Schweiz zu dokumentieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Einzelne Objekte sind in ihrem Erhaltungszustand weltweit einzigartig, wie etwa das Panorama von Marquard Wocher. Die Werke in der Sammlung widerspiegeln die kulturelle Identität einer Stadt oder einer Region über Jahrzehnte und steuern auf vielseitige Art und Weise auf eine Kartografie der Thuner Kunstszene zu.  

 

Artline: Was wird überhaupt gesammelt?

Hirsch: Aktuell wird zum einen regionale Kunst gesammelt, wobei die Werke von Kunstschaffenden der Region vor allem aus der jährlichen Ausstellung „Cantonale” gekauft werden. Wer dort nicht auftritt, wird schwerlich Teil der Sammlung. Weitere Schwerpunkte sind die Schweizer Pop Art sowie Landschaft. Auch die Ausstellungen haben ihre Spuren hinterlassen. Im Januar verfügte die Sammlung über 6.952 Werke.          

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Chantal Michel, Die Wirklichkeit stellt eine Unwahrscheinlichkeit dar, die eingetreten ist, 1998/99, Courtesy Kunstmuseum Thun, Foto: Christian Helmle
Artline: Wo ist die Sammlung zu sehen?

Hirsch: Die Sammlung ist der Öffentlichkeit auf verschiedene Weise zugänglich. Sie kann nicht permanent gezeigt werden, da die Ausstellungsfläche für Wechselausstellungen genutzt wird. Einmal im Jahr, meist unter thematischem Fokus, wird sie in einer Sammlungsschau gezeigt. Punktuell werden Sammlungswerke in weitere thematische oder monografische Ausstellungen oder im Projektraum enter integriert. Bereits vor der Museumsgründung wurden Werke aus der Städtischen Sammlung in den Räumen der Stadt präsentiert, auch danach wurde dies fortgeführt.

Seit 2008 finden im Kunstmuseum partizipative Projekte statt, die mit der Sammlung arbeiten. Damals begannen wir die Projektreihe „Blicke sammeln“, die mit eingeladenen Laien Ausstellungen mit Sammlungswerken entwickelt. 2013 startete mit ähnlicher Konzeptidee „Gedanken sammeln“. Vor einem Jahr waren im Rahmen des Generationsfestivals erstmals Werke der Sammlung in einer eintägigen Pop-up-Ausstellung ausserhalb eines Museums präsent und wurde von 400 Personen gesehen. 2018 werden im Rahmen des Schwerpunktthemas Berge im Thun-Panorama zwei Ausstellungen an kunstfernen Orten stattfinden: in einem reformierten Kirchengemeindehaus, kuratiert von Menschen eines Durchgangsheims und den Bewohnern von Aeschi sowie im Restaurant auf dem Niesen, kuratiert durch das Team der Niesenbahn.     

Interview: Annette Hoffmann     

 

Wir feiern 70 Jahre. Mit alten und neuen Bekanntschaften aus der Sammlung.
Kunstmuseum Thun
Hofstettenstr. 14, Thun.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 10.00 bis 19.00 Uhr.
Bis 18. November 2018.




Kunstmuseum Thun