02/07/18

Von unsichtbaren Geschichten

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie widmet dem Lovis-Corinth-Preisträger Roman Ondák eine Ausstellung

von Baharak Omidfard

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Roman Ondák, Signature, 2014, Courtesy the artist & kurimanzutto gallery, Mexico City, Fotos: Dita Lamačová
Wenn das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg nun eine Ausstellung Roman Ondáks präsentiert, würdigt das seine universale, den humanen Idealen verpflichtete Kunst und ist Teil des Lovis-Corinth-Preises, der dem slowakischen Konzeptkünstler 2018 für sein Gesamtwerk verliehen wurde. Die Auszeichnung richtet sich gemäß der Satzung an Künstlerinnen und Künstler, „deren Werk in der Zugehörigkeit zur Gegenwartskunst im östlichen Europa sowie in der Auseinandersetzung mit dieser entstanden ist oder die deutsche Kunst in den historischen deutschen Kulturlandschaften reflektiert“. Seit 2006 wird der Kunstpreis alle zwei Jahre verliehen.

In seinen meist partizipatorisch angelegten Werken untersucht Roman Ondák soziale Rituale und Sitten sowie das alltägliche Verhalten der Menschen. Seine Arbeiten sind für den Betrachter aufgrund ihrer Verständlichkeit zum einen universal gültig, zum anderen wird oft die subtile Grenze zwischen Werk und Nicht-Werk übersehen. In seiner Einzelausstellung „Based on True Events“ setzt Ondák auf wahre Begebenheiten. Er konzipiert die Ausstellung wie einen Rundgang, der Akzent liegt auf vier Rauminstallationen. Diese ergänzen sich mit mehreren Fotografien – seriell und einzeln – sowie Objekten und seiner viel beachteten Videoarbeit „Lucky Day“ von 2006. Bei den Komponenten dieser gezeigten Arbeiten – eine große Auswahl von älteren und jüngst entstandenen Werken – handelt es sich um alltägliche Gegenstände aus dem persönlichen Umfeld Ondáks. Die Werke stellen nicht nur Auszüge aus den verschiedenen Lebensphasen des Künstlers dar, sondern offenbaren auch die unsichtbare Geschichte dieser Gegenstände. Der Zuschauer wird mit sozial und politisch relevanten Mechanismen konfrontiert, die auf die Konstruktion von Wahrheit Einfluss nehmen.

Die raumfüllende Installation „Signature“ von 2014 zeigt die in fünfzig Einzelteile zerlegte Remington-Schreibmaschine aus dem Besitz der Familie Ondák. Die Teile der Maschine, die mit anderen Gegenständen aus dem Umfeld des Künstlers kombiniert sind, erweitern den Kontext, der nostalgisch zugleich jedoch befremdlich wirkt. Die Bodeninstallation „Perfect Society“ von 2018 besteht aus Kupferrohren, die er aus der kaputten Zentralheizung seines Hauses entnommen hatte und die er nach dem Säubern in unzählige Einzelteile zersägt und neu geordnet hat. Die Teilstücke sind entweder flächendeckend aufgerichtet oder einzeln ausgelegt. Sie sind miteinander durch Messingketten so verbunden, dass kein Teil aus dem geschlossenen System herausfallen kann. Diese Arbeit erinnert an die Beuys‘sche Soziale Skulptur.

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Roman Ondák, New Observations (Detail), 1995/2018, Courtesy the artist & kurimanzutto gallery, Mexico City, Fotos: Dita Lamačová

Mit der Serie „New Observations“ (1995/2018) setzt Ondák seinen documenta 13-Beitrag „Observations“ gleichermaßen formal als auch inhaltlich fort. Die schwarz-weißen Fotos und deren Beschriftungen stammen aus einem in den 1950er Jahren in den USA erschienenen Buch, welches das Verhalten der Menschen in nonverbaler Kommunikation untersucht. Hier werden die Bilder jedoch ihrem ursprünglichen Kontext entzogen. Ondáks Ordnung beginnt mit dem Bild „The pleasure of getting closer“. Die Wandinstallationen „Planets I–IX“ (2016–2018) und „Eclipse“ (2018) heben die konkaven Formen von Schöpfkellen und Sieben hervor, diese sind jeweils in eine Tischplatte oder Wandtafel integriert und weisen Patina auf. Die Werke machen das Verhältnis des Menschen zum Kosmos und seine soziale Interaktion – hier das gemeinsame Essen – zum Thema. Eine im Raum zentral aufgestellte Bank verbindet thematisch die beiden einander ähnelnden Wandinstallationen; die Bank schafft aus dem Gegenüber ein raumbezogenes Werk.       

Roman Ondak
Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Dr. Johann-Maier-Str. 5, Regensburg.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uht.
Bis 9. September 2018.

 

 

 

 




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