24/10/11

Raumsetzungen, Symbolträger und offene Projektionsflächen

Der britische Künstler Michael Dean verwandelt den Kunstverein Freiburg in ein Theater der Absurditäten.

von Yvonne Ziegler
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Der britische Künstler Michael Dean verwandelt den Kunstverein Freiburg in ein Theater der Absurditäten.Michael Dean

Täglich betreten wir die Bühne der Welt, spulen unsere eingeübten Rollen ab, präsentieren uns so gut wie möglich, potenziell immer online. Wer sind wir jedoch, wenn wir die Ausstellung „A state of being apart in space“ des britischen Künstlers Michael Dean (*1977) im Kunstverein Freiburg betreten? Der Ausstellungsraum ist, den Boden eingeschlossen, weiß getüncht, mehrere Stuhlreihen suggerieren ein imaginäres Publikum, in der Ecke steht ein lebensgroßes abstraktes Gegenüber aus Beton. Zwei große Sockel aus MDF-Platten zeigen mögliche Anordnungen von ähnlichen minimalistischen Figuren auf einem Bühnenraum. Es sind sich doppelnde Reflexionsmodelle der realen Situation. Derart auf sich selbst gestellt, lässt es sich über Partizipation, Innen- und Außensicht, Rollenverhalten, Freiheit, Möglichkeiten der Kommunikation und Verortungen im Raum reflektieren. Um den leeren Raum zu füllen, kann man aus dem ausliegenden Buchblock eine Seite abreißen und lesen; im Stillen, laut oder gar mit verteilten Rollen. Im Text geht es um Steinwände, gegen die man im täglichen Leben machtlos anspricht, zugewandte Gesichter und abgewendete Rücken; und um Hunger, Angst, Schuld und Tod, aber auch um Brot, Frohlocken, Reue und Freude. Wie im Leben muss man sich entscheiden: ja oder nein, hinsehen, hinhören, ansprechen.

Michael Dean kam über das Schreiben experimenteller Texte zur bildenden Kunst. Als er 2009 anfing, Skulpturen zu schaffen, hatte er bereits einige Publikationen veröffentlicht. Michael Deans Figuren sind Raumsetzungen, Symbolträger und offene Projektionsflächen zugleich. Auf der Galerie des Kunstvereins entdeckt man Fotografien von Toastbroten, die so geknickt wurden, dass sich typografisch Yes oder No ergibt – mit etwas Fantasie. Die Faltlinien sind in den schrundigen Betonfiguren wiederzuerkennen. So merkwürdig karg der Raum auch sein mag, so entscheidend sind die Fragen, um die es geht: Brot versus Hunger, abwesend versus anwesend, involviert versus unbeteiligt. Im Grunde gibt es nichts zu sehen, sondern es gilt, sich zu verhalten. Dean schafft unbestimmte Objekte, rüttelt an Zuschreibungen von Bedeutung, gestaltet in Sprache und Raum. Wir sind frei, dies anzunehmen oder abzulehnen.

Michael Dean: A State of being apart in space.
Kunstverein Freiburg

Dreisamstr. 21, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 12.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 6. November 2011

Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen: Michael Dean – An Introduction to the Principles of Symmetrical Intimacy, Hedron Editions 2011, 108 S., 10 Euro.
Kunstverein Freiburg