26/06/18

Trisha Baga

Die New Yorkerin produziert Bilder, Keramiken und abschweifende 3D-Videos über das Verhältnis von Realität und Repräsentation

von Dietrich Roeschmann

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Trisha Baga, Hamilton Beach, Brother Making An Impressionist Painting, beide 2016, Glaskeramiken, Installationsansichten Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen, Fotos: Volker Naumann
Im Jahr 2011, als Erbprinz und Erbprinzessin Christian und Jeannette zu Fürs­tenberg das Förderprogramm Fürstenberg Zeitgenössisch aus der Taufe hoben, hatte Trisha Baga am New Yorker Bard College gerade ihren Master  of Fine Arts gemacht und richtete ihre erste große Soloschau im Electronic Arts Intermix ein, einer Non-profit-Galerie im fünften Stock eines ehemaligen Lagerhauses in Chelsea. Zu sehen war hier, was man ein Porträt der jungen Künstlerin als Summe ihres Handelns zwischen Neugier, Experimentierfreude, Humor und Langeweile nennen könnte: ein wüstes und witziges, digital informiertes Sammelsurium künstlerischer Versuchsanordnungen aus gefundenen Materialien, Alltagsdingen, Bildern, Lebensmitteln, MP4-Selfies, Soundfiles, kunsthistorischen und popkulturellen Referenzen. Die Kritik war begeistert angesichts dieser Ausstellung gewordenen Hyperaktivität einer Internet-Surferin. Baga entwickele aus banalen Gegenständen „phänomenologische Kompositionen über den Akt des Sehens und des Erkennens und über den Möglichkeitsraum, der sich in der Lücke dazwischen auftut”, schrieb das Artforum. Danach lief es ziemlich gut für die 1985 in Venice, Florida, geborene Künstlerin. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen wie Ed Atkins, Jon Rafman, Camille Henrot oder Avery K Singer wurde sie als Protagonistin einer neuen Generation gefeiert, deren Kunst unter Mode-Labels von Post Internet Art bis Spekulativer Realismus Furore machte.

Mittlerweile ist dieser Hype etwas abgeklungen und es ist ruhiger geworden um die Digital Natives. Das ist kaum verwunderlich. Schließlich bestimmt die Verschränkung von analoger und digitaler Wirklichkeit längst auch generationsübergreifend die Alltagserfahrung. An Bagas Interesse für Aspekte der Repräsentation hat das wenig geändert. Was sie umtreibt, ist nicht allein die Frage, wie Dinge oder Situationen ins Zentrum von Aufmerksamkeit rücken und welche Wahrnehmungen sie auslösen, sondern auch wie Repräsentation Orte, Körper und Personen schrumpfen oder erweitern kann. In raumgreifenden 3D-Videoinstallationen und Performances nimmt sie sich viel Zeit, um die Betrachter in ihre multiperspektivischen, stark fragmentierten Erzählungen über das Verhältnis von Realität und ihrer Erscheinung in Bild, Sound oder Sprache zu verwickeln.

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Trisha Baga, 3D-Videoprojektion, Installationsansichten Fürstenberg Zeitgenössisch, Donaueschingen, Fotos: Volker Naumann
Als Trisha Baga vor zwei Jahren als eine von vier Nominierten zum Nam June Paik Award im Essener Folkwang Museum zu Gast war, zeigte sie dort die Videoarbeit „Orlando”. Regungslos beobachtete ihre Kamera ein Pfauenpaar, das sich interessiert, aber erstaunlich ineffizient an der Vertilgung eines aus Samen gestreuten Porträts von Marilyn Monroe versuchte. Was die bunten Vögel nicht wissen konnten: In Bagas Drehbuch repräsentierten sie zwei Überlebende in einer posthumanen Welt, die sich in den künftigen Ruinen eines naturhistorischen Museums über die ausgestorbene Spezies Mensch informierten. Ihre jüngste 3D-Videoinstallation „Department of Interior” – eine mit Taschenlampenkegeln, leuchtenden Katzenaugen und Aufnahmen der Künstlerin beim Putzen überblendete Reinszenierung von Platons Höhlengleichnis – lässt sich dagegen als Essay über die fluide Wirklichkeit der realen, imaginären und idealen Dinge im 21. Jahrhundert entziffern. Produziert hat Baga die Videoarbeit im vergangenen Frühjahr als Stipendiatin von Fürstenberg Zeitgenössisch auf Schloss Heiligenberg und auf Sizilien. Zu sehen ist sie derzeit neben Keramiken und flirrenden Lentikularbildern der Künstlerin im Rahmen der Stipendiaten-Schau „Das verflixte 7. Jahr” mit Arbeiten von Kasper Bosmans (*1990) und Catherine Czudej (*1985) in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen.       

Trisha Baga (mit Kasper Bosmans & Catharine Czudej): Das verflixte 7. Jahr.
Fürstenberg Zeitgenössisch
Karlsplatz 7, Donaueschingen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10.00 bis 13.00 und 14.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 26. August 2018.

 

 

 




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