31/10/18

Eine echte Retrospektive

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt Cuno Amiet-Retrospektive zu dessen 150. Geburtstag

von Christoph Schneider

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Cuno Amiet, Herbst auf der Oschwand, 1922, Öl auf Leinwand, 65 x 84 cm, © D. Thalmann, Aarau

Für Besucher, die es nicht geschafft hatten zur Aussstellung „Cuno Amiet. Retrospektive zum 150. Geburtstag“ in die mittlerweile geschlossene Stiftung bromer kunst nach Roggwil zu kommen oder schlicht und einfach noch viel mehr Informationen und Hintergründe wünschen ... , ist die eigens konzipierte neue Ausstellung ein echter Glücksfall. Das Kunstmuseum Solothurn sehenswerte Aussstellung ...

Nach Ferdinand Hodler ist Cuno Amiet (1868-1961) einer der wichtigen Vertreter der modernen Malerei in der Schweiz. Sein künstlerisches Schaffen umfasst beinahe acht Jahrzehnte. So finden sich in der Werkschau Arbeiten des Künstlers aus den Jahren 1883 bis 1960. Die Ausstellung zeigt somit einen detaillierten Überblick über Amiets Kunstschaffen und seinen Stilreichtum sowie sein Themenspektrum – eine Vielseitigkeit, die ihm damals und heute gleichermaßen Bewunderung und Kritik einbrachte.

Einen Schwerpunkt bilden die Werke, die sich im Stil des Divisionismus - langer breiter Pinselduktus -, des Pointilismus, des Cloisonismus - eher flächige Malweise - bewegt oder die Exotik japonistischer Tendenzen jener Zeit aufgreift. Der Kontakt zu Künstlergemeinschaften in Pont-Aven um Paul Gauguin (1892/93), den Neoimpressionisten und später als Mitglied der Künstlergruppe Brücke von 1906 bis 1913 prägen seine wechselnden Werkphasen.

Dass hier in dieser Retrospektive nicht nur die vermeintlich prominenten Werkphasen von 1890 bis 1920, vom Symbolismus bis Expressionismus, ausgestellt werden, die sich im marktorientierten Ausstellungsbetrieb immer als sichere Publikumsmagneten erweisen, gehört zu den Stärken dieser Ausstellung. Ganz frühe Bilder aus seiner Jugendzeit bis hin zu Beispielen aus dem Alterswerk ergänzen den Blick auf das beeindruckende Gesamtwerk Amiets.

...  ist es gelungen, ein Netzwerk von Institutionen und Sammlern für diese Retrospektive zu gewinnen. So wurde die Ausstellung von der Fondation Cuno Amiet, der Stiftung Schweizerisches Institut für Kunstgeschichte (SIK) sowie einer Vielzahl privater Leihgeber unterstützt.

Nach dem bisherigen Erfolg der Ausstellung mit aktuell über 6.000 Besuchern sowie der aufwändigen Katalogproduktion kommt folgende Ankündigung jedoch sehr überraschend und ist nur schwer nachvollziehbar. Denn am kommenden Sonntag endet nicht nur die aktuelle Ausstellung, sondern die Türen von bromer kunst schließen sich für immer. Nach 7 Jahren intensiver Ausstellungsarbeit wird das bestehende Gebäude in ein Business-Center umgenutzt. bromer kunst wird zwar weiter existieren, jedoch nur als reine Kunsthandelsplattform im Internet. Für Kaufinteressierte wird es in Zukunft nur einen in das Lager integrierten Showroom geben, um Werke im Original besichtigen zu können.

Freundschaft und Verwurzelung: Cuno Amiet zwischen Solothurn und der Oschwand. Zum 150. Geburtstag des Künstlers.
Kunstmuseum Solothurn
Werkhofstr. 30, Solothurn.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 6. Januar 2019.

 




Kunstmuseum Solothurn