04/05/18

Brave Beauties

Zanele Muholis Fotografien aus der LGBTI-Community Südafrikas sind gleichermaßen politisch wie popkulturell aufgeladen

von Dietrich Roeschmann

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Ausstellungsansicht ‘Zanele Muholi’, Luma Westbau, Zürich, 2018.Courtesy the artist & Luma Foundation. Foto: Stefan Altenburger

Irgendwann im April 2012 – Zanele Muholi war gerade unterwegs – brachen Unbekannte in ihre Wohnung in Kapstadt ein. Sie stahlen den Computer und mehrere externe Festplatten. Seit gut zehn Jahren hatte die 1972 geborene südafrikanische Fotografin Hassverbrechen gegen schwarze Lesben, Schwule, Bisexuelle, Intersexuelle und Transgender-Personen in ihrem Land dokumentiert. Auf der Hardware hatte sie Hunderte von Foto- und Videodossiers gespeichert, auch Filme von Beisetzungen einiger Opfer. Was den Einbrechern nicht in die Hände fiel, war eine aufwendig recherchierte Liste brutaler Mordfälle wie die Steinigung der 19-jährigen Lesbe Zoliswa Nkon­yana durch neun Männer im Township Kayelitsha. Der Fall von 2006 machte Furore, nicht zuletzt, weil der Prozess trotz 30-maliger Vertagung und der von einem Polizisten organisierten Flucht der Angeklagten 2012 am Ende dann doch noch zur Verurteilung der vier Haupttäter zu je 18 Jahren Gefängnis führte. In Zanele Muholis Soloschau im Zürcher LUMA Westbau bildet die umfangreiche Mord-Recherche nun zusammen mit der 2009 von ihr initiierten Online-Plattform inkanyiso.org für eine visuelle Geschichte der südafrikanischen LGBTI-Community den dokumentarischen Rahmen ihrer eindringlichen, meist in Schwarz-Weiß fotografierten Porträtserien.

Neben einer wandfüllenden Montage der berühmten „Faces and Phases”, mit denen Muholi 2012 an der documenta 13 teilnahm, sowie einigen Videoarbeiten stehen hier vor allem zwei weitere Serien im Zentrum: Mit „Brave Beauties” von 2014, ausnahmsweise in Farbe, feiert Muholli die Unbeugsamkeit und den eigenwilligen Glamour vieler Lesben und Transgender-Personen in einem Land, das 20 Jahre nach seiner Demokratisierung immer noch massiv mit Rassismus, Sexismus und Homophobie zu kämpfen hat. Seit 2015 tritt die Künstlerin dagegen nun auch selbst vor der Kamera an: Für ihre Serie „Somnyama Ngonyama” – zu deutsch in etwa: „Sei gegrüsst, dunkle Löwin” – porträtiert sich Muholi selbst in starken, ebenso politisch wie popkulturell aufgeladenen Posen. Ein atemberaubendes Potpourri kämpferischer Identitäten, von der afrofuturistischen Drag-Schönheit im Renaissance-Look über die mit Wäscheklammern geschmückte Schamanin bis zum streikbereiten Bergarbeiter mit trotzigem Blick und muskulösem Oberkörper.  

   

Zanele Muholi, Fotografie.
LUMA, Westbau
Limmatstr. 270, Zürich.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 13. Mai 2018.

 

 

 




Inkanyiso.org
Luma Westbau